Alles Kultur  Offen für Begegnungen

Annie Heger
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Eine Kolumne von Annie Heger
| 10.07.2023 09:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Annie Heger
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Im Urlaub ist alles leichter – auch das Kennenlernen neuer Menschen. Man muss sich nur trauen, findet unsere Kolumnistin.

Ich landete letztens unversehens auf einer Party. Mein Termin in Hamburg war eher zu Ende als gedacht und so sagte meine Verabredung, da sei noch ein Sommerfest seiner Firma im Innenhof, ich könne ja noch kurz mitkommen, bis mein Zug fährt. So stand ich auf einmal mit einem Glas Gin Tonic zwischen Hunderten fremder Menschen, die tanzten, das Buffet genossen und sich ausgelassen unterhielten. Die Musik war laut, ich wusste nicht, ob sie über letzte Projekte auf der Arbeit oder private Dinge sprachen, doch sie lachten alle und ich hatte keinen Druck, meine Anwesenheit zu rechtfertigen.

Meine Verabredung, nennen wir ihn Günther, erzählte mir von seinem Urlaub in Frankreich. Er sagte, er war allein unterwegs, um die Stadt zu erkunden und ist vor einer Galerie mit jemandem ins Gespräch gekommen. Der hat ihn dann kurzerhand auf ein Fest in der Galerie eingeladen und so stand er wie ich in diesem Moment, nur mit einem Wein in der Hand, zwischen fremden Menschen. Er sagte, dass er die beste Zeit gehabt hätte und die tollsten Gespräche, dabei könne er nicht einmal Französisch. Das wäre ihm zuhause in Deutschland niemals passiert.

Er sagte, er glaube, wir seien offener, wenn wir im Urlaub sind, für neue Begegnungen und Spontanität, als wenn wir uns in unseren festgefahrenen Alltagsstrukturen bewegen. Auf einmal lassen wir uns mitreißen, sprechen Sprachen, die wir nicht kennen, trinken schlechten Wein, der nach dem Paradies schmeckt, und essen Dinge, deren Namen wir nicht aussprechen können.

Ich möchte an dieser Stelle nicht versäumen zu schreiben, dass es für Frauen nicht immer einfach ist, sich in unbekannte Situationen treiben zu lassen, so ganz ohne Sicherheitsnetzwerk und Alibi-Anrufe von Menschen, die kontrollieren, ob man in einer bedenkenlosen und ungefährlichen Lage ist.

Ich bin gerade im Urlaub. Und ich war die ersten Tage allein. Ich war vorsichtig, kam in zwei, drei brenzlige Situationen, aber habe versucht mir Günthers Worte zu Herzen zu nehmen und habe tolle neue Menschen, Hinterhofgärten und unaussprechliche, leckere Gerichte kennengelernt.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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