Regional einkaufen So schmeckt Ostfriesland
Immer mehr Landwirte verarbeiten selbst weiter, was sie in ihrem Betrieb erzeugen. Beim Verkauf setzen viele auf Hofläden. Bei den Verbrauchern kommt das an – ein Wegweiser zum nächsten Einkauf.
Ostgroßefehn/Aurich - Mit der Milchkanne und etwas Kleingeld in der Hand zum Bauern fahren und nur mit frischer Milch zurückkehren – das war gestern. So kannte es Amanda Hollander noch aus ihrer Kindheit. Wenn sie heute mit ihrem Mann Johann zu einem Landwirt ihres Vertrauens fährt, wird es meistens etwas mehr. Dank eines oft umfangreichen Angebots. An diesem Tag gehört das Paar zu den allerersten Kunden im gerade eröffneten Hofladen von Petra und Theo Schneider in Ostgroßefehn. Dort kaufen sie ausnahmsweise keine Milch, dafür aber Knoblauch, Brot, Kartoffeln und noch so einiges mehr.
Was und warum
Darum geht es: Immer mehr Landwirte versorgen die Region mit selbst hergestellten Produkten: Was dahinter steckt und wie man den Weg zu ihnen findet.
Vor allem interessant für: alle, die Wert auf eine bewusste Ernährung legen
Deshalb berichten wir: In Großefehn hat ein neuer Hofladen eröffnet und nahm zur Redaktion genau in dem Moment Kontakt auf, als die regionale Versorgung zu einem Thema wurde.
Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de
Die Schneiders betreiben einen Biohof und ziehen Legehennen auf. „Vom Schlüpfen über den Küken-Kindergarten inklusive Schulzeit kümmern wir uns um die Tiere“, erklärt Petra Schneider. Danach wissen die Hühner, dass die Eier ins Nest gehören, und können ihren Dienst antreten. Darüber hinaus hält das Paar Kühe, Milchziegen und Schafe, vor allem bedrohte Landrassen. Aus der Milch der Ziegen lassen sie in einer mobilen Käserei verschiedene Schnittkäse herstellen. Auch das Fleisch der Schafe wird verkauft. Bisher gab es ihre Produkte über andere Direktvermarkter. Jetzt sind sie auch im eigenen Hofladen zu haben.
Ein leiser Start für einen lang gehegten Traum
Der hat an diesem Tag eher unbemerkt zum ersten Mal geöffnet. Das Team will langsam starten, denn noch ist einiges zu tun. Der Parkplatz vor der Tür wird noch gepflastert, das Kartenlesegerät lässt auf sich warten. Erst einmal gibt es ein kleines Sortiment an Bio-Produkten für den täglichen Bedarf. „Man soll sich bei uns vom Frühstück bis zum Abendessen mit allem versorgen können“, sagt Theo Schneider. Nach und nach werden die Produkte aus dem Standardsortiment durch Waren aus der Region ersetzt – von Lieferanten in einem Umkreis von bis zu 80 Kilometern. „Das haben wir uns vorgenommen“, sagt Theo Schneider. Heiko Dreyer aus der Krummhörn liefert zum Beispiel Biogemüse und auch die Eier kommen aus Ostfriesland.
Dass die Produkte ausschließlich Bioqualität haben, gehört zum Vorsatz des Paares. „Dabei gibt es so tollte Produkte aus der Region, die keine Bioqualität haben, dass es schon schade ist“, sagt Petra Schneider und runzelt die Stirn. Trotzdem wollen die beiden ihrer Linie treu bleiben. Deutschlandweit nimmt die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe immer weiter zu, die ihre Erzeugnisse selbst weiterverarbeiten oder von einem Dienstleister wie einer mobilen Käserei oder einer Nudelmanufaktur für die Direktvermarktung herstellen lassen.
Hofläden übernehmen die ländliche Versorgung
Immer öfter übernehmen kleine Hofläden wie „Addis Hofladen“ von Adrian Campen in Simonswolde oder der unter dem Namen „Auricher Weidemilch“ firmierende Hofladen mit Milchtankstelle der Familie Haßbargen in Aurich Kirchdorf einen Teil der Versorgung im ländlichen Raum. Es werden nicht nur eigene Produkte angeboten. Das Sortiment variiert von reinen Milchtankstellen bis hin zu einem großen Portfolio wie in Großefehn. Viele Produkte finden den Weg in mehrere Hofläden. Auch regionale Hersteller wie die Molkerei Rücker mit Käse, Sahne und Butter oder die Metzgerei Ulferts in Münkeboe sind vertreten. Von letzterer gibt es Fleisch und Wurstwaren – auch fürs spontane Grillen am Wochenende.
So groß wie der Unterschied beim Angebot sind die kleinen Läden auch bei der Ausstattung und Bezahlung. Oft sind die Hofläden unbemannt. Gezahlt wird in eine aufgestellte Kasse in bar. In anderen ist Kartenzahlung möglich, wie bei den Haßbargens, oder eine Bezahlung per Paypal. In Schneiders Biohofladen gibt es mit Nikol Hamann und Angelika Waalkes angestellte Verkäuferinnen. Mit dem Laden im ehemaligen Kuhstall haben sich Petra und Theo Schneider einen lang gehegten Traum erfüllt. Neben dem Verkaufsraum ist hier ein kleiner Verarbeitungsraum fertig geworden. „Käserei allein trifft es nicht ganz“, sagt Theo Schneider. Denn dort soll neben Frischkäse und Feta auch Marmeladen und andere Produkte entstehen. „Am Joghurt aus Ziegenmilch arbeiten wir noch“, sagt Petra Schneider.
Die Nachfrage nach regionalen Produkten steigt
Die ersten Kunden des neuen Bioladens, Amanda und Johann Hollander, sind gespannt, wie sich das Angebot entwickelt. Sie gehören zu einer wachsenden Anzahl der Deutschen, die beim Einkauf Wert auf möglichst nachhaltige und regional hergestellte Produkte legen. Laut der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse zählten sich im Jahr 2022 knapp 39 Prozent der Befragten dazu. 2018 waren es noch etwa 36 Prozent. Seitdem ist der Anteil stetig gestiegen. Die Hollanders kaufen inzwischen so viel wie möglich regional. „Nur was dort nicht zu bekommen ist, kaufen wir im Supermarkt“, sagt Amanda Hollander.
Seit wann sie auf diese Weise einkaufen? Schon ein paar Jahre vor der Corona-Pandemie habe es angefangen, sagt die Ostgroßefehntjerin: „In Gesprächen mit Freunden und Bekannten wurden regionale Produkte immer mehr zu einem Thema.“ Das bestätigt auch Theo Schneider: „Der Wert der regional erzeugten Lebensmittel kommt immer mehr in der Gesellschaft an“, sagt er. „Es wird immer normaler, regional einzukaufen. Darüber wundert sich heute keiner mehr.“
Wer herausfinden möchte, wie Ostfriesland schmeckt, für den hat die Redaktion eine kleine Liste zusammengestellt. Sie soll eine kleine Spannbreite der hiesigen Produkte zeigen. Für den Weg zum Hofladen in der Nachbarschaft einfach den Begriff „Hofladen“ in die Google-Maps-Suche eingeben, den nächstliegenden anklicken, aufs Rad schwingen und den Einkaufskorb nicht vergessen. Die Schneiders findet man übrigens an der Kanalstraße Nord 123 in Ostgroßefehn. Schon einmal vormerken: Das große Hoffest zu Eröffnung ist am 22. Juli von 11 bis 18 Uhr.
- Die Familie Campen hat mit ihrem Konzept aus selbstgemästeten Schweinen, Hofladen und Partyservice einen ganz eigenen Weg in die Küchen und Mägen der Ostfriesen gefunden. Wer mal nicht selbst kochen, aber nicht auf Fertigprodukte aus dem Supermarkt zurückgreifen möchte, der bekommt ihre Mahlzeiten im Glas inzwischen nicht mehr nur im Laden am Moorackerweg 17 in Aurich-Wiesens – Zufahrt über Wehrstraße: https://link.zgo.de/bXm29P. Auch einige Hofläden in der Region haben sie bereits im Sortiment.
- Käse mit Milch vom eigenen Hof, Fleisch von eigenen Rindern sowie Marmelade und mehr gibt es im Hofladen von Peter Habbena in Schoonorth, Schoonorther Str. 10 in der Krummhörn. Habbena stellt seinen Betrieb aktuell von konventioneller Haltung auf Bio nach Demeter-Standards um. https://link.zgo.de/Peter
- Bereits nach Demeter-Standards zertifiziert ist der große Hofladen des Johannshofs der Familie Caspers in Fiebing, Westerender Weg 4. Dort gibt es neben Fleisch vom eigenen Hof und selbst gebackenem Brot vom eigenen Getreide auch ein großes Sortiment an Gemüse, Obst und weiteren landwirtschaftlichen Erzeugnissen in Bio-Qualität. https://link.zgo.de/Johannshof
- Dank der Familie Campen in Simonswolde hat Ostfriesland sein erstes selbst hergestelltes Bauernhof-Eis. Im Hofladen, in dem sonst mit Versorgungsmöglichkeiten schlecht ausgestatteten Ortsteil Ihlows, gibt es aber noch viel mehr als das. Viele Produkte werden aus den Erzeugnissen des Betriebs hergestellt. „Addis Eisliebe“ gibt es bereits in verschiedenen Hofläden und auch in Restaurants ist es angekommen: https://link.zgo.de/kR9BYG.
- Der Biobetrieb der Familie Dreyer nahe Leybuchtpolder hat sich auf Gemüse und Getreide spezialisiert. Die Produkte schaffen es nicht nur per Gemüsekiste in die Haushalte oder in die Auslagen der Bioläden und Reformhäuser der Region. Auch im eigenen Hofladen des Biolandhofs Agena, Hagenpolder I 1 in der Krummhörn sind sie zu haben: https://link.zgo.de/t0GCRK.‘ Ähnliche ArtikelProdukte vom Landwirt
Wie Addi vom Milchvieh zum Bauernhof-Eis kam
Zukunft NordseeJunges Paar trotz Ängsten und übernimmt Deichschäferei
Angebote eingestelltHofläden mit Selbstbedienung – einige Kunden vergeigen es für alle
Genuss aus GroßefehnWie ein grillender Koch und ein Landwirt zusammenfanden