Köln  „Team Wallraff“ zeigt Ekel-Fastfood: Burger King wehrt sich gegen neue Vorwürfe

Elena Werner
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Von Elena Werner
| 30.06.2023 20:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Investigativreporter Günter Wallraff recherchierte mit seinem „Team Wallraff“ bei Burger King schon zum vierten Mal. Foto: RTL
Investigativreporter Günter Wallraff recherchierte mit seinem „Team Wallraff“ bei Burger King schon zum vierten Mal. Foto: RTL
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„Team Wallraff“ war erneut bei der Fastfood-Kette Burger King und deckt Zustände auf. Gab es nach den letzten Ekel-Vorwürfen keinerlei Fortschritt? Burger King streitet viele der Vorwürfe ab und kommentiert: „King ist, wer an sich arbeitet.“

Schon eine große Recherche der RTL-Reporter „Team Wallraff“ von September 2022 zur Fastfood-Kette Burger King sorgte für Ekel-Alarm: Mäuse in der Küche, neue Etiketten für abgelaufene Produkte. Die Fastfood-Kette Burger King sprach im vergangenen Jahr von Einzelfällen, gelobte Besserung. Eine erneute – inzwischen vierte – Recherche des „Team Wallraff“ dokumentiert noch schlimmere Bedingungen als vor einem Jahr.

In der jüngsten Episode von „Team Wallraff – Jetzt erst recht!“ ist auf TV-Bildern zu sehen, wie vegetarische Burger-Patties stundenlang in Fleisch-Sud schwimmen. Abgelaufene Lebensmittel werden auch weiterhin mit neuen Mindesthaltbarkeitsdaten versehen. Hinzu kommen mutmaßliche Verstöße gegen das Arbeitsrecht bei vielen der etwa 25.000 Mitarbeiter in Deutschland.

Am Tag nach der TV-Ausstrahlung hat Burger King unter dem Titel „King ist, wer an sich arbeitet“ einen Faktencheck veröffentlicht. Burger King werde alles umfassend aufarbeiten und weise darauf hin, dass viele Vorwürfe nicht der Wahrheit entsprächen. Die von Wallraff aufgedeckten Missstände ständen nicht stellvertretend für die Burger-Kette.

Auch interessant: Neue Wallraff-Enthüllungen: Burger King reagiert schon vor der Sendung

In der neuen Folge „Burger King Undercover – Das fragwürdige System des Fastfood-Giganten“ besucht das Team von Investigativreporter Günter Wallraff eine Filiale in Berlin, um zu ermitteln, ob die „Einzelfall“-Vorwürfe von Burger King 2022 berechtigt waren. Laut RTL sahen am Donnerstag 1,75 Millionen Zuschauer die Wallraff-Doku.

Die Bilder reihen sich nahtlos an die vorherige Recherche an. Heimlich aufgenommene Videos zeigen etwa: Hinter einer Theke ist es dreckig, Lebensmittel fühlen sich teils schleimig und matschig an.

Der Grund dafür: Eine Burger-King-Mitarbeiterin soll ungekühlte Lebensmittel umetikettiert haben, verschiebt damit das Mindesthaltbarkeitsdatum. Der Franchisenehmer Schloss Burger GmbH sagt dazu: „Eine Umetikettierung, Umverpackung oder eine Haltezeitverlängerung verstößt ganz klar gegen die Standards und ist nicht tolerierbar.“ Doch die Recherche zeigt: Champignons, Brötchen und Patties sollen auch nach Ablauf der Mindesthaltbarkeit weiterverwendet worden sein.

„Team Wallraff“ beobachtet weitere unappetitliche Abläufe in den Restaurants: So sollen weder Handschuhe verwendet worden sein, noch hätten die Mitarbeiter ihre Hände gewaschen. Auch wurden schon in die Verpackung gewickelte Burger aus der Auslage genommen, um inzwischen unansehnliche Zutaten von dem Brötchen zu packen. Neue Sauce oder Käse darauf – dann soll der Burger zurück in die Auslage gelegt und verkauft worden sein. Andere Aufnahmen zeigen einen Mitarbeiter, der große Milchtüten mit den Zähnen öffnet.

Essenziell für die Einhaltung der Lebensmittelstandards ist die Einhaltung der Kühlkette, doch: Aufnahmen sollen belegen, dass die Tür des Kühlhauses immer wieder offenstand. Die Temperatur in dem gekühlten Raum von vorgeschriebenen -18 Grad soll deutlich unterschritten worden sein. Weitere Verstöße beobachtete eine Reporterin von „Team Wallraff“ in einer Krefelder Burger-King-Filiale. Alte Reste von Mayonnaise sollen mit neuen Inhalten vermischt worden sein, warmes Wasser für den Abwasch der Küchengeräte soll es nicht gegeben haben.

Burger King weist darauf hin, dass Restaurant-Mitarbeiter stündlich ihre Hände desinfizieren müssen und regelmäßige Trainings für Lebensmittelsicherheit und Hygiene durchlaufen. Unabhängige Experten und Behörden kontrollierten die Burger-King-Filialen zudem mehrmals jährlich auf die Einhaltung der Hygiene. „Wir haben in den 750 Restaurants in Deutschland außerdem seit Herbst 2022 mehr als 2300 zusätzliche, außerordentliche Audits, Schädlingskontrollen und Coaching-Besuche durchgeführt“, heißt es.

Junge Kunden wollte Burger King mit veganen Produkten locken und ließ seine Fleischersatzprodukte mit dem Gütesiegel „V-Label“ zertifizieren. Die Recherche von 2022 deckte Verstöße gegen die Trennung veganer von fleischhaltigen Lebensmitteln auf. Inzwischen wurde Burger King das Label entzogen. Um die Produkte deutlicher unterscheiden zu können, wurde nun in der Burger-King-Zentrale in Miami angeordnet, den plant-based Produkten Petersilie-Stücke in die Panade hinzuzufügen. Auch sollten grün markierte Behälter und Zangen veganen Produkten vorbehalten sein.

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Doch wie schon 2022, sollen auch weiterhin vegane Patties im Fleischsaft geschmort haben. Das will das Rechercheteam in jeder Filiale beobachtet haben, in der die Reporter mitarbeiteten.

Die Schloss Burger GmbH antwortete dazu, das Verhalten sei „nicht zu tolerieren.“ Es gebe klare Vorgaben, wie die plant-based Produkte gelagert werden dürften.

Das Rechercheteam sieht auch angebliche Verstöße gegen das Arbeitsrecht im Dienstplansystem. Die Geschäftsleitung von Burger King kommentiert dazu: „Selbstverständlich achten wir auf die geltenden Arbeitszeitgesetze und halten unsere Mitarbeitenden an, unter anderem Pausen und Ruhezeiten einzuhalten.“

Innerhalb von sieben Monaten soll die Software von Burger King auf 75.000 Rechtsverstöße hingewiesen haben, etwa gegen Jugendschutz, Steuerrecht und Ruhezeiten, ergibt die Rechnung von „Team Wallraff“. Dafür haftet die Geschäftsführung von Burger King, kommentiert ein Experte für Arbeitsrecht in der Sendung. Günter Wallraff fordert: „Hier muss sich Grundlegendes ändern.“

Laut Burger King könne Wallraff derartige Rechtsverstöße allerdings gar nicht aus dem Dienstplansystem ableiten. Es gälten Tarifverträge und Restaurantmanager seien für die Personalplanung zuständig. Ein externer Auditor soll den Angaben nach künftig die Einhaltung der Arbeitsbedingungen überprüfen. Zudem gebe es eine Whistleblowing-Plattform in elf Sprachen für Beschwerden.

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