Start in die Vorbereitung Kickers zwischen Sponsor-Coup und Torwart-Schock
Ein Unternehmen mit Milliarden-Umsatz ziert nun die Brust des Kickers-Trikots. Den Dress wird der BSV am Samstag bei einem Testspiel auf Borkum präsentieren. Ein Neuzugang bat um Vertragsauflösung.
Emden - Ein Versprechen löste der neue Manager von Fußball-Oberligist BSV Kickers Emden gleich am ersten Tag der Saisonvorbereitung ein. Am Freitag lüftete Henning Rießelmann das Geheimnis um den ein oder anderen Sponsor, die sein Führungsteam mitzubringen gedachte. Die „Rießelmänner“ präsentierten einen echten Coup mit einem milliardenschweren Hauptsponsor. Das Touristik-Unternehmen „Schauinsland“ (Jahresumsatz mehr als eine Milliarde Euro) ziert künftig das Kickers-Trikot und überweist einen stattlichen Betrag aufs Kickers-Konto. „Die Summe nennen wir natürlich nicht“, sagte Rießelmann im Kickers-Stadion.
Dort erhielten die Spieler von Trainer Stefan Emmerling und seinem neuen Assistenten Markus Unger auch ihre Trikots, die sie sogleich fürs Mannschaftsfoto überstreiften, ehe sie um 14 Uhr zum Wochenend-Trainingslager nach Borkum aufbrachen. „Wir starten mit brutaler Vorfreude“, sagte Emmerling. Rießelmann ließ sich sogar ein konkretes Saisonziel entlocken. „Top 5 sollte es sein – und innerhalb von drei Jahren der Aufstieg in die Regionalliga.“
Torwart Niemann kommt nicht
In die allseits spürbare Euphorie auf dem Kickers-Gelände mischte sich allerdings auch ein Personalproblem. Einen Tag vor dem Treffen bat der neue Torhüter Flemming Niemann (bislang BSV Rehden) um die Auflösung seines Vertrags. Der 26-jährige muss aus gesundheitlichen Gründen passen. „Das ist ein großer Schock“, räumte Henning Rießelmann ein. „Er ist ein Super-Typ und ein Super-Torwart, aber er wird für nicht absehbare Zeit nicht im Tor stehen können.“ So nahmen die Emder neben Isaak Djokovic und dem erst 17-jährigen Jugendtorwart Lars Küssner auf die Schnelle auch noch den 19-jährigen Moritz Onken vom VfB Oldenburg mit nach Borkum, um ihn auf Oberligatauglichkeit zu prüfen.
Der Coup mit einem der größten Reiseveranstalter Europas überstrahlte aber am Freitag alle Torwartsorgen. Auch Schauinsland-reisen-Touristikchef Andreas Rüttgers freut sich auf die Zusammenarbeit. „Unsere Bodenständigkeit haben wir nie verloren. Diese Werte lebt auch die neue Crew von Kickers Emden gemeinsam mit ihren Fans. Daher passen Schauinsland-reisen und Kickers Emden perfekt zusammen“, äußerte er sich per Pressemitteilung. Weitere neue Kickers-Sponsoren sind der Kulinarik-Spezialist „Pistole Hardcorefood“, Ticketdienstleister etix.com und die südafrikanische Fußballstiftung Hout Bay United Football Community (HBUFC) unter der Schirmherrschaft von Trainerberater Marc Kosicke (unter anderem Jürgen Klopp).
Co-Trainer hofft auf alte Zeiten
Bestens gelaunt streiften sich die 25 Akteure das neue Trikot mit der Schauinslandsonne über. Zwischen Fototermin und Abfahrt zum Außenhafen strahlte auch der neue Co-Trainer Markus Unger. Er hatte zu Drittligazeiten vor 14 Jahren im Kickers-Mittelfeld gespielt und will nun mit Emmerling gemeinsam den Verein nach dem Regionalliga-Abstieg in die Erfolgsspur führen. „Es waren tolle Zeiten hier mit 3000 oder 4000 Zuschauern. Deshalb ist die Rückkehr emotional“, sagte Unger. „Aber in Erinnerungen schwelgen ist das eine – solche Zeiten wiederbeleben das andere.“
Bei den Akteuren reifen ähnliche Träume. „Normalerweise geht nach einem Abstieg ja der Kopf runter“, sagte Kapitän Bastian Dassel. „Aber bei uns herrscht riesige Vorfreude auf das neue Projekt.“ Da stimmt auch der Trainer mit ein. „Die Bedingungen in Emden waren noch nie so gut“, lobt Emmerling das Rießelmann-Team. „Die haben eine Riesen-Euphorie entfacht.“
Dassel-Training in den Bergen
Die gilt es nun in Tempofußball auf dem Feld umzuwandeln. Henning Rießelmann kündigt eine Spielweise an, die die Fans mitreißen soll. „Wir werden Angriffspressing bieten“, skizziert er schon mal den neuen Stil des BSV. Erste Voraussetzung dafür ist körperliche Fitness. Daran arbeiten die Spieler schon seit drei Wochen. Weil Emmerling verhindert war, brachte Markus Unger seine Akteure aus der Ferne ins Schwitzen. „Er hat uns Laufpläne geschickt“, erzählte Bastian Dassel. Danach verfluchte der Kapitän schon mal seine Urlaubswahl. Mit Ehefrau und Söhnen verbrachte er nämlich 14 Tage in Österreich.
In Leogang absolvierte er schon vor dem Frühstück die Laufanforderungen. „Ich habe in der Rezeption gefragt, wo ich denn eine flachere Strecke finden könnte“, erzählt der Kapitän lächelnd und nennt auch die Antwort der netten Damen vom Serviceteam. „Junger Mann, Sie sind hier in den Bergen.“ Also ging es für Dassel immer wieder auf und nieder. „Ich habe nun kein Gramm Übergewicht.“
Bald ins Exklusivhotel
Bereits am Samstagmorgen kann er seine Fitness ab 7.30 Uhr beim Strandlauf auf Borkum beweisen. Um 16 Uhr folgt das Testspiel gegen A-Klassen-Aufsteiger TuS Borkum. Bis Sonntag sollen nicht nur die Fußball-Körper schon mal auf Betriebstemperatur gebracht werden. Dassel nennt ein weiteres Borkum-Ziel. „Wir müssen als Mannschaft jetzt schnell eine Familie werden.“
Dazu soll im Juli auch ein weiteres Trainingslager sorgen. Dazu geht es ins exklusive Sporthotel Klosterpforte in Ostwestfalen. Dort residieren gewöhnlich Weltklasseklubs wie Olympique Marseille oder Bayern München. In Kürze ist eben mal Kickers Emden zu Gast. Team Rießelmann macht’s möglich.