Abschied nach 28 Jahren Die TuRa-Traumelf von Obmann Christian Schulte und vier Anekdoten
Bei TuRa 07 geht eine Ära zu Ende. Obmann Christian Schulte hört nach 28 Jahren auf. Im Rückblick schaut er auf ein „Jahrhundertspiel“, in seiner Traumelf ist noch ein aktiver Spieler aus der Ersten.
Westrhauderfehn - Es war eine Revolution im Fußball: Man wandte sich zur Saison 1995/96 von der Zwei-Punkte-Regel ab und führte die drei Punkte für einen Sieg ein. Zeitgleich dazu begann bei TuRa Westrhauderfehn eine Ära, die nun in diesem Sommer endet. Christian Schulte legt sein Amt nach 28 Jahren (!!!) als Fußballobmann nieder. Als 22-jähriger Jungspund sei er in diese Position 1995 irgendwie reingerutscht, sagt er. Wegen einer Verletzung hatte er seine aktive Karriere beenden müssen. Dennoch wollte er nahe am Team sein – der Job des Fußballobmanns war die Lösung. In den fast drei Jahrzehnten unter seiner Regie entwickelte sich die Fußballabteilung TuRas zu einer der erfolgreichsten der Region.
Die erste Herren stieg schnell in die Bezirksklasse – regional vergleichbar mit der heutigen Bezirksliga – auf und fiel seitdem nie wieder auf Kreisebene zurück. Sogar zwei Ausflüge in die Landesliga waren dabei. Die Reserve, die 1995 noch in der 3. Kreisklasse am Ball war, kickt mittlerweile in der Ostfrieslandliga. Es ist inzwischen die am höchsten spielende zweite Mannschaft Ostfrieslands. Die verbesserte Jugendarbeit sei der Grundstein dafür, sagt Christian Schulte. Die Lorbeeren für den erfolgreichen Weg der U23, wie die Reserve von TuRa mittlerweile heißt, möchte er aber nicht selbst ernten. Vielmehr verweist er hier auf die tolle Arbeit seines Bruders Matthias, der ihn gemeinsam mit Frank Bohlmann als Fußballobmann beerben wird, und der Brüder Andreas und Stefan Brelage, den Trainern der U23.
„Insgesamt war es eine überragende Zeit mit sehr vielen Eindrücken und immer wieder neuen Erlebnissen“, sagt Christian Schulte. „Man denkt, man hat schon alles im Fußball gesehen, aber wird dann immer wieder aufs Neue überrascht.“ So hat der 50-Jährige als Fußballobmann die wildesten Dinge miterlebt. Zu seinem Abschied hat er unserer Zeitung seine vier Lieblingsanekdoten verraten.
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Eine 3:7-Pleite des angetrunkenen Meister
Mit einigen Rückkehrern und dem Spielertrainer Wolfgang Behrends glückte TuRa in der Saison 1996/97 die souveräne Meisterschaft in der Kreisliga Leer. Bereits am vorletzten Spieltag stand der Titelgewinn fest. So wurde das Spiel in Völlenerfehn nicht mehr so wirklich ernst genommen. Bereits zur Pause lag TuRa, das ziemlich angetrunken auflief und ohne Gegenwehr agierte, mit 0:5 zurück. Letztendlich gab es eine 3:7-Pleite – es war die erste Saisonniederlage von Westrhauderfehn. Eine, die zu verkraften war.
Zinnbauers Sauna-Gang nach dem TuRa-Spiel
In der Spielzeit 2002/03 blieb die erste Herren von TuRa tatsächlich ungeschlagen und wurde Meister in der Bezirksklasse. In der neuen Bezirksliga Nord – in der damals neben ostfriesischen Teams auch welche aus Wilhelmshaven und Oldenburg spielten – belegte TuRa zwei Jahre in Folge einen Platz in den Top Fünf. 2006 mühte sich Westrhauderfehn gerade so zum Klassenerhalt. Aus dieser Saison ist Christian Schulte vor allem das Spiel beim VfB Oldenburg II in bester Erinnerung.
Aufgrund der feststehenden Spielabsage der ersten Herren des VfB in Hildesheim und einer zweiwöchigen generellen Spielabsage waren alle Akteure „frei“ für die zweite Mannschaft. Das wurde gegen TuRa prompt ausgenutzt. Gleich sieben Niedersachsenliga-Spieler liefen gegen TuRa auf. Selbst auf der Trainerbank der Zweiten nahm der Coach der Ersten, Joe Zinnbauer, Platz. „Der etatmäßige Trainer der Reserve, Volker Thon, trat tags nach der Partie übrigens zurück“, sagt Christian Schulte, der damals eine überragend spielende Fehntjer Elf sah. Waldemar Ebert brachte TuRa mit einem Lupfer aus 18 Metern in Führung, erst kurz vor Schluss gelang der prominent verstärkten Oldenburger Mannschaft der 1:1-Ausgleich, der zugleich der Endstand war. VfB-Trainer Zinnbauer, der später Coach des Hamburger SV wurde, konnte seinen Frust über das nicht gewonnene Spiel nicht im Zaum halten. „Er hat sich nach Spielschluss allein in die Sauna des VfB-Sportheims gesetzt“, erinnert sich Christian Schulte.
Das „Jahrhundertspiel“ gegen Großefehn
Es folgten viele konstante TuRa-Jahre in der Spitzengruppe der Bezirksliga Nordwest. Am 31. August 2008 erlebte Christian Schulte die verrückteste Partie in seiner Fußballobmann-Zeit. An jenem Tag trennte sich Westrhauderfehn vom SV Großefehn mit 6:6. 0:3 lag TuRa nach 41 Minuten hinten, 2:6 nach 67 Minuten. „Selbst die härtesten Fans machten sich auf den Heimweg und sollten bitter bestraft werden“, so Schulte. Nach vier Toren zwischen der 78. und 90. Minute stand es plötzlich 6:6. „Ich als Stadionsprecher hätte keine Stimme mehr gehabt, das war der Wahnsinn. In der Nachspielzeit hätte Michael Friedrichs fast noch das 7:6 gemacht. Es war ein Jahrhundertspiel.“
Meisterschale geht auf Mallorca zu Bruch
In der Saison 2016/17 gelang TuRa völlig überraschend der erstmalige Aufstieg in die Landesliga. Das wurde gebührend gefeiert – erst im Vereinslokal, dann auf Mallorca. „Es war ein unvergesslicher Trip mit der Meisterschale, die allerdings zu Bruch ging. Es musste eine Kopie erstellt werden“, verrät Christian Schulte, der es zum Abschluss seiner Fußballobmann-Zeit vor einigen Tagen noch mal mit dem aktuellen TuRa-Tross am Ballermann krachen ließ.
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