Osnabrück  Kein Grund zur Panik, nur weil die Preise wieder stärker steigen

Corinna Clara Röttker
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Von Corinna Clara Röttker
| 29.06.2023 16:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Inflationsrate in Deutschland ist im Juni erstmals seit Jahresbeginn wieder gestiegen. Preistreiber bleiben Nahrungsmittel. Foto: Sven Hoppe/dpa/Symbolbild
Die Inflationsrate in Deutschland ist im Juni erstmals seit Jahresbeginn wieder gestiegen. Preistreiber bleiben Nahrungsmittel. Foto: Sven Hoppe/dpa/Symbolbild
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Nach drei Rückgängen in Folge ist die Inflationsrate in Deutschland im Juni wieder gestiegen. Das zeigt: Die EZB bleibt gefragt. Grund zur Panik besteht aber nicht.

Das Statistische Bundesamt rechnet im Juni mit einem leichten Anstieg der Inflationsrate auf 6,4 Prozent. Doch bevor jetzt wieder Panik ausbricht: Der Grund für den Anstieg ist schnell erklärt, da Sondereffekte aus dem vergangenen Jahr wie das 9-Euro-Ticket nun wegfallen. Das ändert nichts daran, dass der ausgewiesene Trend der vergangenen Monate gut aussieht und auch Experten davon ausgehen, dass die Inflation in Deutschland insgesamt auf dem Rückgang scheint. Dennoch ist eindeutig noch immer viel Druck im Kessel.

So hat sich einer Studie des Konsumforschungsunternehmens GfK zufolge das Konsumklima eingetrübt. Verbraucher fürchten Inflation und Rezession und sparen ihr Geld häufiger. Das bremst den dringend benötigten privaten Konsum – zumal auch die von Verbrauchern wahrgenommene Inflation einer Studie zufolge deutlich über der realen Teuerung liegt. Gerade beim Kaufverhalten ist das nicht unerheblich.

Überhaupt stellt sich die Frage: Wie groß ist die Gefahr, dass sich die Teuerung deutlich oberhalb der Zielmarke von zwei Prozent verfestigt? Die noch immer hohe Kerninflation, bei der die stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel ausgeklammert werden, zeugt davon, dass sich die Inflation zunehmend durch die Wirtschaft frisst. Das ist durchaus ein Grund zur Sorge. Auch das Risiko einer Lohn-Preis-Spirale ist keineswegs vom Tisch. Und schließlich ist das Leben auch deshalb so teuer geworden, weil manche Unternehmen und Händler im Schatten der hohen Inflation die Preise stärker erhöht haben als eigentlich notwendig. Vor allem für Haushalte mit geringem Einkommen, die die Inflation sehr viel stärker trifft, ist das bitter.

Ohne Zweifel, die Europäische Zentralbank bleibt gefragt. Sie muss den Trend bei den Inflationserwartungen brechen und das Risiko von Zweitrundeneffekten eindämmen. Umso besser, dass Präsidentin Christine Lagarde unlängst signalisiert hat, dass weitere Zinserhöhungen zu erwarten sind. Alles andere wäre derzeit fatal.

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