Große Entwicklung Fünf Antworten rund um die geplante Lithium-Raffinerie in Emden
Das könnte der Beginn einer großen neuen Wirtschaftsentwicklung in Emden sein. 2026 soll hier die europaweit erste Lithium-Raffinerie ihre Produktion starten. Wie viele Arbeitsplätze entstehen?
Emden - Im feierlichen Rahmen wurde am Mittwochabend eine Absichtserklärung für eine geplante Lithium-Raffinerie im Wybelsumer Polder im Rummel des Emder Rathauses unterschrieben. Es wäre die erste in Europa.
Was und warum
Darum geht es: die Ansiedlung einer ersten Lithium-Raffinerie für Europa in Emden
Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder sowie allgemein Wirtschaftsinteressierte
Deshalb berichten wir: Im Rummel des Emder Rathauses wurde am Mittwochabend feierlich eine Absichtserklärung für die erste Lithium-Raffinerie in Europa unterzeichnet. Wir konnten vor Ort mit den Beteiligten sprechen und klären erste Fragen. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Bislang wurde das Lithium, das für E-Auto-Batterien benötigt wird, hauptsächlich in Asien verarbeitet. Aber was genau bedeutet das für Emden? Wir haben fünf Fragen und fünf Antworten gesammelt.
Wie viel Geld wird investiert?
Das Unternehmen Livista Energy Europe mit Hauptsitz in Luxemburg will langfristig gut eine Milliarde Euro am Standort investieren, um eine Raffinerie 2026 an den Start zu bringen und eine zweite, bei Bedarf, zu ergänzen, sagte Chief Operating Officer Jean-Marc Ichbia, also der Vorstand für das operative Geschäft, am Mittwoch im Gespräch mit dieser Zeitung.
Wie viele Arbeitsplätze könnten entstehen?
Rund 350 direkte Arbeitsplätze könnten bei der Raffinerie entstehen, so Ichbia. Etwa 500 Jobs für den Bau der Produktionsstätte kämen hinzu. Wenn weitere Unternehmen rund um die Batterie-Erzeugung und die E-Auto-Mobilität folgen, rechnet er mit weiteren 2000 Stellen. Wirtschaftlich wichtig ist außer den Arbeitsplätzen für die Stadt Emden auch die Gewerbesteuer, die eine Firma auf Stadtgrund entrichten muss. Das könnte den gebeutelten Emder Haushalt entlasten.
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Wann geht es los?
Am Mittwochabend wurde zunächst ein „Letter of Intent“, also eine Absichtserklärung unterzeichnet, und zwar von Livista-Gründer Roland Getreide, Livista-Geschäftsführer Daniel Bloor und Hanne Hollander, Stellvertretende Niederlassungsleiterin vom landeseigenen Hafenbetreiber Niedersachsen Ports. N-Ports nämlich gehört die Fläche. Er hoffe, das der endgültige Vertrag im Juli unterzeichnet werden könne, so Jean-Marc Ichbia auf Nachfrage. Derzeit werde an den genauen Formulierungen dafür gearbeitet.
Wenn alles nach Plan verläuft, soll dann in der zweiten Jahreshälfte 2024 mit dem Bau auf dem gut 32 Hektar großen Grundstück begonnen werden. Seiner Erfahrung nach dauere so etwas inklusive der Bauplanung rund eineinhalb Jahre. 2026 könnte dann die Produktion des Lithiums starten.
Und was ist mit einer Batteriezellenfabrik?
Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) hofft: „Wenn einer kommt, dann folgen die anderen.“ Mit der Ansiedlung der Raffinerie hätte man bereits den Grundstein der Wertschöpfungskette in Emden gelegt. Damit könnte es attraktiver für Betreiber einer Batteriezellenfabrik sein, sich ebenfalls hier anzusiedeln. Dafür müsste aber auf geeigneten Flächen, etwa beim Rysumer Nacken, zunächst die Infrastruktur geschaffen werden. Das betonte er am Mittwoch auch im Wirtschaftsausschuss des Emder Rats.
Alles rund um die Batterie-Produktion in einer Region zu haben, wäre ein Traum, sagte auch Livista-Projektleiter Peter Bridgeland. Auch er schätzte die Fabrikgründung in Emden als absolute Chance für andere Ansiedlungen ein. Daniel Bloor berichtete davon, dass er frisch von Las Vegas gekommen sei, wo er bei einer Konferenz rund um die Lithium-Versorgungskette und Batterie-Produktion den anderen Teilnehmern die Augen geöffnet habe für diese Region.
Warum eigentlich Emden?
Jean-Marc Ichbia betonte, dass es bei keinem anderen Standort - und sie hätten sehr viele in Europa untersucht - so eine große Unterstützung gegeben hätte wie in Emden. Er betonte das Entgegenkommen von N-Ports, der Stadt Emden und dem Niedersächsischen Wirtschaftsministerium, aber auch von der Hochschule Emden/Leer, mit der man bereits wegen Forschungsprojekten in Gesprächen sei. Er wolle so viele Menschen aus der Region wie möglich in seinem Team, weil diese insbesondere an dem Erfolg der Region interessiert seien.
Man sei außerdem dicht an den Kunden, also etwa der Auto-Industrie, dran. Vom Emder Standort aus soll die wachsende europäische Elektrofahrzeugindustrie beliefert werden, erklärt auch Tim Kruithoff. Auf die Frage, inwieweit man sich schon mit dem Volkswagen-Werk in Emden über die Ansiedlung ausgetauscht habe, sagte er: „Mit VW sind wir immer ganz offen.“ Mehrfach war schon im Gespräch, ob VW eine eigene Batteriezellenfabrik in Emden bauen lassen könnte. Zuletzt wurde das verneint, ein Standort in Kanada bevorzugt. Mit Details zum nächsten europäischen Standort ist erst 2025 zu rechnen, hieß es vom Konzern im März.
Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), der an dem feierlichen Termin teilnahm, sagte, dass man schon länger darüber diskutiere, was Emdens Zukunft bringen werde in Sachen Energie und Hafen. Die geplante Ansiedlung sei ein erster Schritt, um zu zeigen, dass es die richtige Region für solche Investitionen sei.