Osnabrück  Deutscher Bauerntag: Was Landwirte kaputt macht

Marion Trimborn
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Von Marion Trimborn
| 28.06.2023 16:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Seit Jahren protestieren deutsche Bauern gegen aus ihrer Sicht zu niedrige Preise Foto: dpa/Bernd Wüstneck
Seit Jahren protestieren deutsche Bauern gegen aus ihrer Sicht zu niedrige Preise Foto: dpa/Bernd Wüstneck
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Hohe Kosten, sinkende Preise für Produkte und die Dauer-Auseinandersetzung mit der Umwelt-Lobby: Deutschlands Bauern stecken in der Krise. Sie fühlen sich von der Gesellschaft nicht mehr verstanden. Es ist an der Politik, daran etwas zu ändern.

Es wurde viel über Dürre und Trockenheit im Frühjahr geschrieben, die deutschen Landwirten wohl zu schaffen macht – doch das ist längst nicht ihr größtes Problem, zumal die Niederschläge in den vergangenen Tagen die Lage vielerorts verbessert haben. Die Landwirtschaft steckt in einer tiefen Krise und darf als Sanierungsfall gelten. In dieser Branche geht es um Zehntausende Jobs, um Tierschutz, Klimawandel und auch den Wohlstand ganzer Regionen, man könnte auch sagen: Es geht um die Zukunft des Landes. 

Es ist ein ganzes Bündel an Faktoren, das den Bauern derzeit das Leben schwer macht. Sinkende Preise für Produkte wie Weizen, Raps und Milch setzen die Bauern unter Druck. Energie und Düngemittel sind infolge des Ukraine-Krieges teurer geworden. 

Hinzu kommt: Die Bauernproteste haben gezeigt, dass die Landwirte sich von einem großen Teil der Gesellschaft nicht mehr verstanden fühlen. Es ist auch ein Konflikt zwischen Stadt und Land. Seit Jahren gibt es eine Dauer-Auseinandersetzung zwischen der Agrar- und Umweltlobby, die durch einen grünen Landwirtschaftsminister namens Cem Özdemir nicht gemildert wurde – eher im Gegenteil. Es wird weiter erbittert gestritten um die „richtige” Landwirtschaft. Künftig könnten Verteilungskämpfe ums Wasser hinzu kommen.

Die Politik darf dabei eines nicht vergessen: Werden Umweltauflagen wie Dünge-Regeln immer weiter verschärft, wird es für die Bauern schwierig, noch auskömmlich zu wirtschaften. Schon jetzt gibt es in bestimmten Bereichen wie etwa bei den Schweinezüchtern ein Höfesterben. 

Das Nachbarland Niederlande hat gezeigt, wie die Proteste von Bauern eskalieren können, wenn die Politik zu strenge und als unfair empfundene Auflagen – etwa für Stickstoff – macht. Dort kam es zu Großdemonstrationen und Straßenkämpfen, im Frühjahr erzielte die bis dahin belächelte Bauernpartei bei Provinzwahlen einen Erdrutschsieg.

Wie auch bei der Heizungs-Debatte gilt, dass die Politik Maß halten muss. Sie darf die Bürger und in diesem Fall die Bauern nicht überfordern. Sonst drohen weitere Wutproteste, sonst könnten weitere Bauern ihre Höfe aufgeben. Und wer soll uns dann noch mit Getreide und Fleisch versorgen?

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