Flensburg  Die Zeit nach GNTM: Katherine Markov räumt mit Vorurteilen auf

Antje Walther
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Von Antje Walther
| 27.06.2023 21:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Im Finale der Model-Show von Heidi Klum kam der 20-Jährigen überraschend die Rolle zu, backstage zu moderieren. Wie geht es jetzt für das Nachwuchsmodel weiter?

Heidi Klum hat unbestritten ein Auge für das gewisse Etwas. Nicht von ungefähr hat sie Katherine Markov aus Flensburg aus tausenden für die letzten 30 Bewerberinnen als Germany‘s Next Topmodel ausgesucht. Wenn die 20-Jährige einem jetzt als „Platz 9“ gegenüber sitzt, spürt man ihre Ausstrahlung sofort.

Dabei ist die Flensburgerin nicht nur glücklich mit dem Bild, das in 16 von 18 Folgen bei manchen rüberkam. Jede Aufzeichnung habe sie „angespannt“ im Stehen gesehen, erzählt sie.

Vor allem eines stört sie an der Wahrnehmung, und zwar die „Religionsschiene“. Sie mache der Produktion keinen Vorwurf, sei nicht falsch dargestellt worden, sondern in der Öffentlichkeit wurde „aus einer Fliege ein Elefant gemacht“, resümiert Markov. Unter anderem in einem Einspieler wurde betont, dass sie gläubig ist. Und auch in einem geübten Interview im Zuge der Sendung nahm die Journalistin mit Katherine Markov vor allem darauf Bezug und stellte intime Fragen nach ihrer Beziehung.

Von Beginn an war ihr klar: „Es wird Hate kommen“. Die erste oder zweite Woche könne man das aushalten. Doch irgendwann treffe es einen, hat sie erfahren, beispielsweise wenn auf ihre auffälligen Outfits und ihren vermeintlich ausgeprägten Glauben angespielt werde.

„Die Menschen sind so hasserfüllt“, beobachtet Katherine Markov. Sie wollten das Negative sehen und „nicht gönnen“. Sie habe sich gesagt, sie höre lieber auf die Menschen, die ihr nah sind, und „auf sich selbst“. Denn „durch die Kommentare habe ich verlernt, ich selber zu sein“, resümiert Markov und fange gerade wieder an, das neu zu lernen.

Die Backstage-Moderation im Kölner Fernseh-Studio habe ihr Spaß gemacht und sei ein schöner Abschluss gewesen für ihre große Reise. Bühne ist der Flensburgerin keineswegs fremd: 15 Jahre lang habe sie Rock‘n‘Roll bei den Flying Saucers getanzt.

Als sie die Aufgabe bekam, hinter der Bühne beim GNTM-Finale zu moderieren mit einem Tag Vorbereitungszeit, sei Heidi Klum auf sie zugekommen und habe eine „Motivationsrede“ gehalten. Das hätte sie nie erwartet, staunt Markov, „und war ein besonderer Moment“.

Was man über Heidi Klum sagen mag: Die Flensburgerin, die sich als „innere Feministin“ bezeichnet, bewundert sie dafür, dass sie es auf eigene Faust mit 20 allein in Amerika geschafft habe. Auch das Thema Diversität habe Heidi Klum auf die Agenda gesetzt.

„Ich wäre auch nicht da, würde es Diversity nicht geben“, erinnert das 1,66 Meter große Nachwuchsmodel.

Ihre persönliche Favoritin für den Titel war die mit 49 Jahren älteste Finalistin Nicole, verrät Katherine Markov. Doch sie habe von Anfang an gesagt: „Ich freue mich für jedes Mädchen, egal, wer es ist“. Gewinnerin Vivien konnte ihre „Message rüberbringen“.

Die Fairness nimmt man der Flensburgerin unbedingt ab. Bescheiden, freundlich und reflektiert erzählt sie von ihren Erfahrungen, etwa, dass es für sie immer noch seltsam ist, wenn sie ihr Bild auf dem Titel der Tageszeitung sieht, so wie neulich im Supermarkt.

„Fernsehen ist eine ganz andere Welt“, stellt sie fest und räumt in Gesprächen mit Irrglauben über die Show auf. Nein, sie laufe nächste Woche nicht für Chanel (auch wenn es ein Traum wäre) und sei nicht als Millionärin zurückgekommen, gibt sie lachend ein paar Beispiele. Ebenso wenig habe es den Mädels an Essen gemangelt, im Gegenteil: Jeder Extrawunsch wurde erfüllt.

„Ich vermisse es auch“, sagt sie dankbar und wehmütig über die Zeit mit den anderen in Los Angeles und Las Vegas. Für sie war GNTM „nur ein Gewinn“, auch wenn sie mit ihrer bis dahin schwersten Entscheidung für die Show zuvor einen Studienplatz in den Wind geschrieben hatte.

Es gebe eben eine vernünftige und eine unvernünftige Katherine. „Dass ich diese Chance hatte als No-Name, das war eine unfassbare Erfahrung“, resümiert sie.

Von GNTM nehme sie auch die Erkenntnis mit: „Mach das, was Du willst“, denn „es kommt so, wie es soll“. Jetzt wartet sie wieder auf eine Rückmeldung auf ihre Bewerbungen um einen Studienplatz. Am liebsten Zahnmedizin, am liebsten in Hamburg. Bis dahin genieße sie die Zeit zum Abschalten. Sie wolle außerdem versuchen, sich „in der Modelbranche zu etablieren und hoffe, dass jemand offen ist für Diversity und petite“. Sich allein auf „eine Model-Karriere zu verlassen“, hält Markov für naiv. Sie träumt deshalb davon, neben dem Studium zu modeln und irgendwann „Model und Ärztin zu sein“.

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