Volkswagen Emden So schlecht steht es um die E-Autos von VW
Hunderte Mitarbeiter müssen demnächst das VW-Werk in Emden verlassen. Das ist schon schlimm genug. Jetzt sind noch schlechtere Zahlen bekannt geworden.
Emden - Die Auftragslage für die Produktion von E-Autos in Emden ist noch schlechter als bislang angenommen. Der VW-Betriebsratschef nannte dazu am Dienstag erstmals Zahlen. „Wir produzieren jetzt in einer Woche so viele E-Autos, wie wir eigentlich an einem Tag hätten produzieren sollen“, sagte Manfred Wulff im Gespräch mit unserer Zeitung – also nur ein Fünftel der E-Autos, um das Werk auszulasten. Zuvor war in Medienberichten von einer Produktionslücke von 30 Prozent die Rede gewesen. Wulff präzisierte diese Zahl nun auf 27 Prozent – allerdings für alle in Emden hergestellten Autos, was für die Betroffenen eigentlich schon schlimm genug ist.
In Emden laufen auf Verbrennerseite der Passat und der Arteon vom Band. Die Fertigung des Passat wird im Frühjahr in die Slowakei verlagert, die der Arteon Limousine läuft dann ganz aus. Außerdem ist Emden noch für die Karosserie und die Lackiererei des Arteon Shooting Brake zuständig. Aber auch dieser Job endet in absehbarer Zeit und wird komplett nach Osnabrück verlagert.
Wie werden die Mitarbeiter informiert?
Die Zukunft des Emder Werks liegt also in der Produktion von vollelektrischen Autos, konkret des ID.4 und des ID.7. Aber genau da hakt es. Und genau das löst bei den Beschäftigten noch größere Ängste aus. Nach der Ankündigung, die Nachschicht zu streichen, den Werksurlaub zu verlängern und rund 300 der 1600 Leiharbeitsverträge im Sommer auslaufen zu lassen, herrscht Verunsicherung, wen es wann genau treffen wird, wie ein Mitarbeiter unserer Redaktion berichtete.
„Bei VW Emden heißt es jetzt ,last in, first out‘“, sagte Betriebsrat Wulff unserer Zeitung. Wer zuletzt gekommen ist, muss als erster gehen. Davon seien alle gleich betroffen. „Da sind wir absolut transparent unterwegs. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Sonst hätten wir hier die Pest am Hals“, sagte Wulff zu Befürchtungen, bei VW würde nach einem undurchsichtigen System „ausgesiebt“.
Sind noch mehr Menschen betroffen?
Zugleich räumte Wulff ein, dass noch weitere Leiharbeiter betroffen seien – etwa 70 aus Wolfsburg, die zurück ins Stammwerk gingen, und weitere Kollegen aus den Group Services (zum Beispiel der Logistik), die aber nicht direkt zu VW zählten. Etwa 100 Kollegen sei zudem ein Angebot unterbreitet worden, nach Osnabrück zu wechseln, wo auch der Porsche Boxster gebaut wird. Läuft ein Zeitvertrag aus, werden die Betroffenen laut Wulff vier Wochen vorher per Post benachrichtigt. Persönlicher ginge es leider aus rechtlichen Gründe nicht.
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Probleme bereitet dem Emder Werk neben der Flaute beim ID.4, dass die Serienproduktion des ID.7 nicht schon längst angelaufen ist. „Da haben wir leider eine Lücke“, sagte der Betriebsrat. „Der ID.7 kann erst Ende dieses Jahres bestellt werden. So können wir keine Aufträge abarbeiten.“ Tatsächlich laufen laut Wulff derzeit pro Tag lediglich zehn bis 15 der teuren E-Limousinen vom Band. „Nach den Werksferien bekommt das aber einen richtigen Schub“, prognostizierte Wulff. Bis Ende des Jahres peile man eine dreistellige Produktionszahl an.
Und was sagen die Chefs?
Ähnlich optimistisch hatte sich am Montag das VW-Werk in Emden geäußert. „Wir sind zuversichtlich, dass die Auslastung des Werks mit der Markteinführung des ID.7 Ende des Jahres wieder steigt“, wurde eine VW-Sprecherin zitiert. Erst in der vergangenen Woche hatte VW-Chef Oliver Blume größere Sparpläne bei Volkswagen angekündigt. Details zu den angedachten Sparmaßnahmen sollen noch ausgearbeitet werden. Aber: Finanzchef Arno Antlitz kündigte schon einmal an, dass auch dazugehören werde, dass frei werdende Stellen nicht nachbesetzt werden. Laut Wulff stehen in Emden bereits seit langem den etwa 200 Mitarbeitern, die jährlich in Altersteilzeit gingen, nur 100 neue Azubis gegenüber. Die Zahl der Köpfe sinke ohnehin.