Stadtbaurätin erkrankt  Personalnot in der Auricher Stadtspitze

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 27.06.2023 19:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Foto zeigt Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß kurz nach Dienstantritt im Januar 2022 in ihrem Büro im Auricher Rathaus vor einem Bild der Fußgängerzone. Foto: Archiv/Ortgies
Das Foto zeigt Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß kurz nach Dienstantritt im Januar 2022 in ihrem Büro im Auricher Rathaus vor einem Bild der Fußgängerzone. Foto: Archiv/Ortgies
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Eine Schlüsselposition im Auricher Rathaus ist seit Wochen unbesetzt: Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß ist erkrankt. Was bedeutet das für das Kasernengelände?

Aurich - Die Auricher Stadtspitze hat ein Personalproblem: Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß ist seit fast zwei Monaten krankgeschrieben. Ihre Rückkehr ist ungewiss. Und das ausgerechnet jetzt, wo die Entwicklung des Kasernengeländes in die heiße Phase geht. „Da muss man sich Sorgen machen“, sagt CDU-Fraktionschef Arnold Gossel. Schließlich handele es sich um eine Schlüsselposition in der Verwaltungsspitze. „Dass das ein Problem ist, versteht sich von allein.“

Dem Vernehmen nach hatte Busch-Maaß, die fachlich hoch angesehen ist, Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich. Auf kritische Nachfragen aus den Reihen der Politik reagierte sie in Sitzungen zuletzt angefasst und dünnhäutig. Auch innerhalb der Stadtverwaltung soll es geknirscht haben. Busch-Maaß, die seit dem 1. Januar 2022 im Amt ist, leitet den Fachbereich 3. Sie ist für die Fachdienste Liegenschafts- und Gebäudemanagement, Stadtentwässerung, Planung, Tiefbau, Bauordnung, Bauverwaltung, Betriebshof und Klima/Umwelt/Verkehr zuständig. Ihren Fachbereich hatte sie kurz nach dem Start in Aurich als Königsdisziplin bezeichnet. Eine Stadtbaurätin arbeite an der Schnittstelle vieler wichtiger Themen: Gebäude, Verkehr, Klima. Da komme es zwangsläufig zu Konflikten, die man durch kluge Kompromisse lösen müsse. Nun heißt es aus dem Rathaus, Busch-Maaß habe Kolleginnen und Kollegen teils misstraut. Darunter habe das Arbeitsklima gelitten.

Nicht an bohrende Fragen gewöhnt

Die 1972 in Vechta geborene Architektin war vor ihrem Engagement in Aurich bei der niedersächsischen Bauverwaltung beschäftigt, zuletzt als kommissarische Leiterin des Staatlichen Baumanagements Ems-Weser, das mehr als 3700 Bauwerke betreut. In dieser Funktion trug sie zwar ebenfalls große Verantwortung. Sie musste sich jedoch nicht mit Kommunalpolitikern oder kritischen Bürgern auseinandersetzen, deren bohrende Fragen durchaus nerven können. Es falle ihr schwer, solche Dinge nicht persönlich zu nehmen, heißt es aus dem Stadtrat. Mit dem Konstrukt der kommunalen Selbstverwaltung sei sie nicht vertraut gewesen. Sie sei auch nicht der Typ, der auf Menschen zugeht – im Unterschied etwa zur neuen Ersten Stadträtin Laura Rothe oder deren Vorgänger Hardwig Kuiper.

Nach OZ-Informationen hatten die Vorsitzenden der Ratsfraktionen Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) vor einigen Wochen gebeten, ein klärendes Gespräch mit Busch-Maaß zu führen. Dazu sei es jedoch nicht mehr gekommen, da sie seitdem krankgeschrieben sei. Der Bürgermeister will das weder bestätigen noch dementieren. „Das sind interne Geschichten“, sagt Feddermann. „Das möchte ich nicht kommentieren.“

„Herr Wento macht einen super Job“

Wichtige Projekte wie die Umgestaltung des Bundeswehrgeländes sieht Feddermann trotz des Ausfalls nicht gefährdet. Eine Mitarbeiterin der Verwaltung kümmere sich ausschließlich um das Thema Kaserne. Als kommissarischer Leiter des Fachbereichs sei Planungsamtsleiter Mirko Wento eingesetzt. „Im Team werden die wichtigen Themen im Augenblick gut abgedeckt“, sagt Feddermann. „Das ist kein Dauerzustand, aber für den Moment geht es ganz gut.“ Intern sei die Arbeit so organisiert, dass es nicht zu Problemen komme.

Dieser Eindruck wird von den Fraktionen durchaus bestätigt. Bürgermeister Feddermann und die Erste Stadträtin Rothe seien ein gutes Team, sagt beispielsweise Grünen-Fraktionschefin Gila Altmann. Die Stadtspitze habe die Aufgaben so umverteilt, dass sie arbeitsfähig bleibe. „Das läuft alles sehr professionell.“ SPD-Fraktionschefin Ingeborg Hartmann-Seibt sagt: „Im Moment läuft es gut.“ Bauamtsleiter Wento habe vieles auf den Weg gebracht. „Herr Wento macht einen super Job.“ Ähnlich äußert sich Richard Rokicki von der Auricher Wählergemeinschaft (AWG). FDP-Fraktionschefin Sarah Buss klingt geradezu begeistert von Wento: „Der Mann rotiert. Da bin ich beeindruckt, was der an PS auf die Straße bringt.“

Bürgermeister hat keinen Kontakt

Wann kommt Busch-Maaß zurück? Feddermann weiß nicht, ob es sich um eine Frage von Wochen oder Monaten handelt, ob die Stadtbaurätin womöglich den Dienst quittiert. Er habe keinen Kontakt zu ihr. „Sie ist im Augenblick nicht da, krankgeschrieben, und alles Weitere muss die Zeit zeigen.“ An Spekulationen über den Gesundheitszustand der Kollegin wolle er sich nicht beteiligen. „Das sind Themen, die nicht in die Öffentlichkeit gehören.“

Die Stadtbaurätin war im Oktober 2021 vom Rat einstimmig für acht Jahre gewählt worden. Theoretisch kann der Rat sie vor Ablauf der Amtszeit mit 75-Prozent-Mehrheit abwählen. Dieses Instrument des Kommunalverfassungsgesetzes sei aber nicht für solche Fälle vorgesehen, teilt der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund auf Anfrage mit. Bei Abwahlverfahren gehe es um Fehlverhalten, nicht um Krankheit, sagt Pressesprecher Dr. Stephan Meyn. Bei schweren Erkrankungen komme eher die Versetzung in den Ruhestand in Betracht. Das aber ist momentan kein Thema im Auricher Rathaus. „Man kann nur hoffen, dass Frau Busch-Maaß so schnell wie möglich zurückkommt“, sagt CDU-Fraktionschef Gossel.

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