Hobby-Historiker in den USA  Auf den Spuren ostfriesischer Auswanderer

Hannah Weiden
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Von Hannah Weiden
| 28.06.2023 16:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Helmut Fischer, Vorsitzender der Upstalsboom-Gesellschaft, forscht Familiengeschichten ostfriesischer Auswanderer. Foto: Archiv/Ortgies
Helmut Fischer, Vorsitzender der Upstalsboom-Gesellschaft, forscht Familiengeschichten ostfriesischer Auswanderer. Foto: Archiv/Ortgies
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Helmut Fischer ist im Forscher-Fieber. Bei einer seiner Reisen in die USA hielt er nun Fachvorträge und traf auf die Nachkommen Krummhörner Auswanderer.

Ostfriesland/USA - Mehr als 55 Millionen Europäerinnen und Europäer haben sich zwischen 1840 und 1939 auf den Weg nach Amerika gemacht, um sich dort ein neues Leben zu aufzubauen. Etwa 100.000 von ihnen kamen aus der Krummhörn - Einige Ortschaften in der Krummhörn verloren in der Zeit mehr als ein Drittel ihrer Einwohnerschaft. Deren Nachkommen sprechen teilweise auch heute noch Plattdeutsch, trinken Thiele- oder Bünting-Tee und freuen sich über ostfriesischen Krintstuut. Kurzgesagt: Sie erhalten Kultur und Traditionen ihrer Eltern und Großeltern am Leben.

Viele Amerikaner sind fasziniert von der Geschichte ihrer Vorfahren und stellen deshalb Nachforschungen an. Warum kam mein Großvater nach Amerika? Von wo kam er nach Amerika? Wie lebte er in Ostfriesland? Habe ich noch Verwandte, die heute in Ostfriesland leben?

Ostfriese in den USA

1995 hatte die Ländlichen Akademie Krummhörn (LAK) eine Gastspielreise mit dem plattdeutschen Auswanderermusical „Achter de Sünn an – The way to Iowa“ (deutsch: Der Sonne hinterher - Der Weg nach Iowa) unternommen. 150 Schauspieler, Musiker und Techniker wurden begeistert empfangen und in Gastfamilien aufgenommen. Hunderte Nachfahren ostfriesischer Auswanderer – auch aus anderen US-Bundesstaaten – besuchten die Aufführungen.

Mit dabei war auch Helmut Fischer. Der heute 74-Jährige leitete damals das Medienzentrum in Norden. „Ich hatte die ehrenvolle Aufgabe, die Reise der LAK zu filmen“, sagt er bei einem Kaffee in der Redaktion. Der Grund für seinen Besuch: Erst vor kurzem war er wieder in den USA, wo er sich mit ostfriesischen Nachfahren getroffen und Fachvorträge in Iowa und in New York gehalten hat. Seit der USA-Reise in den 90er-Jahren hat Fischer nämlich das Fieber der Ahnenforschung gepackt: „Da kamen damals so tolle Kontakte zustande, dass mich das Thema seitdem begeistert“, sagt er. Heute ist der 74-Jährige Vorsitzender der Upstalsboom Gesellschaft, einem Verein zur historischen Personenforschung in Ostfriesland.

„Highlight für die US-Ostfriesen“

Das Musical, begleitet von Ausstellungen und plattdeutschen Vorlesungen, war damals die Initialzündung für die Gründung der Ostfriesen Heritage Society (OHS). Diese Einrichtung ist ein Verbund von Nachfahren ostfriesischer Auswanderer und hat heute circa 600 Mitglieder. Helmut Fischer steht im engen Austausch und hat im Rahmen seiner Reise im Juni auch einen Vortrag bei einem Netzwerktreffen der OHS in dem Ort Grundy Center im Bundesstaat Iowa gehalten. „Auf dieser Veranstaltung waren fast 200 Menschen - das ist immer ein richtiges Highlight für die US-Ostfriesen“, sagt Fischer.

An dem „Platt Duetz Eetens Kort“ nahmen an die 200 US-Ostfriesen teil. Foto: privat
An dem „Platt Duetz Eetens Kort“ nahmen an die 200 US-Ostfriesen teil. Foto: privat

Auf dem Programm stand dort neben Fachvorträgen auch ein „Platt Duetz Eetens Kort“ - also ein Plattdeutsches Menü mit „Schveen Rueggenflaish, Stamte Tuffels mit Stip, Groen Bohnjes, Oma‘s Rotkohl, Schwartbrot, Witbrot, Appel Kauhk und Koffje off Ostfreesen Tee“. Das Dinner kam laut Helmut Fischer dem ostfriesischen Original ziemlich nahe, auch, wenn er ein wenig nachwürzen musste und die Sahne auf dem Apfelkuchen vermisste. Außerdem auffällig: „Bei der Teezeremonie wurde der Tee in Becher geschenkt.“

Die ostfriesische Rose war bei dem Dinner in Iowa nur Tischdeko und nicht wie in Ostfriesland Muster auf der Teetasse. Foto: privat
Die ostfriesische Rose war bei dem Dinner in Iowa nur Tischdeko und nicht wie in Ostfriesland Muster auf der Teetasse. Foto: privat

Ältestes Haus in Brooklyn von Ostfriesen gebaut

Anschließend ging es für Fischer für einen weiteren Vortrag nach New York. Das amerikanische Ahnenforscher-Ehepaar Dr. Mary Lea Enderle und Thomas Enderle hatten Helmut Fischer dazu eingeladen, nachdem sie vorheriges Jahr in Norden zu Gast waren und sich dort über die Geschichte eines ausgewanderten Ostfriesen informiert hatten. Wie sich herausstellte, kam dieser aus Upgant-Schott und hat in Brooklyn, New York, eine Farm gebaut. Das Gebäude steht noch heute und ist nun Museum und das älteste Haus in dem berühmten New Yorker Stadtteil. Wieder in Ostfriesland „geht die Spurensuche weiter“, sagt Fischer.

Der Hobby-Historiker freut sich schon auf das nächste Jahr, denn dann plant die OHS mit circa 40 US-Ostfriesen wieder einen Besuch in der Krummhörn. Natürlich wird Fischer da dabei sein, um den Amerikanern die Dörfer ihrer Vorfahren zu zeigen.

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