Große Unsicherheit  Emder VW-Leiharbeiter berichtet vom Warten auf die Entlassung

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 27.06.2023 13:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Während die Produktion von Verbrennermodellen, etwa des Passats, im VW Werk Emden unverändert weiterläuft, sollen die dreiwöchigen Werksferien für die Beschäftigten im E-Segment um eine Woche verlängert werden. Zudem sollen rund 300 der aktuell 1500 Leiharbeiter in Emden ab August nicht weiterbeschäftigt werden. Symbolfoto: Ortgies/Archiv
Während die Produktion von Verbrennermodellen, etwa des Passats, im VW Werk Emden unverändert weiterläuft, sollen die dreiwöchigen Werksferien für die Beschäftigten im E-Segment um eine Woche verlängert werden. Zudem sollen rund 300 der aktuell 1500 Leiharbeiter in Emden ab August nicht weiterbeschäftigt werden. Symbolfoto: Ortgies/Archiv
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Am Montag war der Belegschaft mitgeteilt worden, dass Hunderte Leiharbeiter ab August nicht weiterbeschäftigt werden. Wen es trifft, ist noch nicht klar. Es kursieren Gerüchte zu Auswahlkriterien.

Emden - Wer wird bleiben dürfen, wer muss gehen? Diese Frage treibt aktuell Leiharbeiterinnen und -arbeiter beim Emder VW-Werk um. „Es hat sich schon länger angekündigt, dass wir wohl nicht übernommen werden“, sagt ein Emder Leiharbeiter, der anonym bleiben möchte, im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Gerüchteküche habe schon länger gebrodelt, jetzt aber gibt es Gewissheit: Die Verträge von Hunderten Beschäftigten werden nicht verlängert.

Was und warum

Darum geht es: das Bangen Hunderter Leiharbeiter bei VW

Vor allem interessant für: Personen, die als Leiharbeiterinnen und -arbeiter bei VW beschäftigt sind oder Betroffene kennen sowie allgemein am VW-Werk in Emden Interessierte

Deshalb berichten wir: Am Montag hatte der Emder VW-Betriebsratschef Manfred Wulff schlechte Nachrichten verkündet. Wir haben am Dienstag mit einem Leiharbeiter gesprochen, dessen Vertrag möglicherweise nicht verlängert wird.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Betriebsratschef Manfred Wulff sprach gegenüber dieser Zeitung am Montag von 300 der 1500 Leiharbeiter. Der Emder Betroffene sprach von der Zahl 500, die ihm und seinen Kollegen von ihrem Meister am Montag genannt worden sei. Das Band wurde dafür kurzzeitig stillgestellt, alle Leute zusammen gerufen. „Es herrscht eine geknickte Stimmung“, sagt er. Ein paar Tränen seien nach der Ankündigung in der Belegschaft auch geflossen. Viele hatten trotz der Gerüchte noch auf eine Beschäftigungsgarantie, vielleicht sogar auf eine Übernahme gehofft. Dass es jetzt so schnell in eine andere Richtung geht, treffe einige hart.

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Ein Warten auf heißen Kohlen

Jetzt beginnt eine Zeit noch größerer Unsicherheit. Wird einfach jeder dritte Name willkürlich gestrichen? Oder schauen sich die Chefs genau an, wer häufig zu spät kommt und wer häufiger krank ist?, fragen sich der Emder und seine Kollegen. Er habe sich immer korrekt verhalten, deswegen wolle er sich jetzt nicht verrückt machen lassen und nicht noch mehr beweisen, dass er bleiben sollte. Nach Ansicht einiger Kollegen spiele das Vitamin B, also gute Verbindungen, auch eine große Rolle dabei, ob ein Arbeitsvertrag verlängert wird. „Einige sind ewig am Band, denen fehlt wohl das Vitamin B“, sagt er. Aber mit wem muss man sich gut stellen - und hilft das tatsächlich? Schwer zu sagen.

Völlig unklar sei, wann denn verkündet werde, wer gehen muss. Klar ist nur: Diejenigen, deren Vertrag nicht verlängert wird, müssen wohl ab August gehen, hieß es von Wulff. Derzeit würden noch neue Arbeitskräfte angelernt, die aus anderen Halle zu ihnen abgestellt wurden, sagt der Emder Leiharbeiter. „Jeder Monat, den ich länger bleiben darf, wäre gut“, sagt er. Am besten wäre es, wenn er bis Ende März bleiben könnte, zum Sommer hin ließe sich besser ein neuer Job finden, meint er.

VW könnte sich nach drei Monaten mit neuer Stelle melden

Auch wenn die Arbeit am Band schon körperlich belastend sei und die Taktung einen stresse, sei es ein „geiler Job“ und auch eine gute Gemeinschaft. Nicht zu vergessen: „Bei einem anderen Job würde ich vielleicht 16 Euro die Stunde verdienen, hier sind es 26 Euro“, sagt er.

Gerüchten zufolge soll einigen Leiharbeitern auch angeboten werden, in Werken in Osnabrück oder Hannover auszuhelfen. Im Januar waren erst Mitarbeiter von dort nach Emden gekommen, sagt er. Er habe gehört, dass so ein kurzzeitiger Wechsel insbesondere für Mitarbeiter mit Familien angeboten werden könnte. „Für einen Job am Band gehe ich hier aber nicht weg“, sagt der Emder. Dann würde er sich lieber hier umschauen.

Bei dem Auf und Ab sei es auch nicht unmöglich, dass er nach drei Monaten wieder von VW angerufen und ihm eine neue Leiharbeiter-Stelle in Emden angeboten würde, meint er. Je nachdem, ob er dann noch arbeitslos wäre, würde er wohl wieder zuschnappen. Aber: „Es fehlt einfach die Planungssicherheit.“