Osnabrück Was muss noch passieren, damit Kardinal Woelki aus seinem Amt verschwindet?
Hat der Kölner Kardinal Woelki im März vor Gericht die Unwahrheit gesagt? Die Staatsanwaltschaft ermittelt und hat Büros durchsucht. Der Erzbischof kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus und schadet der Kirche. Dem Vatikan bleibt nur eines übrig.
Was muss eigentlich noch passieren, damit dem Vatikan klar wird, dass der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki nicht länger im Amt tragbar ist? Die Razzia im Erzbistum gegen den Kardinal wirft ein neues Schlaglicht auf den Mann, der seit Jahren im Verdacht steht, die Aufklärung sexualisierter Gewalt im Erzbistum auszubremsen. Nun geht es um Meineid, einen Vorwurf, der schwer wiegt.
Es gibt Hinweise darauf, dass der Kardinal schon viel früher von Missbrauchsvorwürfen wusste, als er im März in einem Prozess vor Gericht unter Eid erklärt hat. Die Zeugen berichteten damals ganz anderes über den Kölner Umgang mit Missbrauchsvorwürfen. Nun droht Woelki eine Freiheitsstrafe.
Die Öffentlichkeit hat sich ohnehin längst ihr eigenes Urteil gebildet und moralisch geurteilt – auch wenn immer noch die Unschuldsvermutung gegen Woelki gilt. Protestaktionen gegen den Kardinal gab es schon viele: Mal weigerte sich der Domchor, in einer Messe mit Kardinal Woelki zu singen, mal drehten Messdiener Woelki bei einer Messe in Rom den Rücken zu. Die Gläubigen verließen in Scharen die Kirche, die Termine für Kirchenaustritte in Köln waren eine Weile ausgebucht. Das alles ignoriert der Vatikan geflissentlich und hat über Woelkis Rücktrittsgesuch, das er vor mehr als einem Jahr gestellt hat, immer noch nicht entschieden.
Dabei schadet Woelki der katholischen Kirche in einem kaum zu fassenden Ausmaß. Das Ansehen der Kirche wird (noch mehr) beschädigt, die zaghaften Reformschritte laufen ins Leere. Im Neuen Testament gibt es den Antichristen, den Gegenspieler Jesu Christi, der falsche Lehren verbreitet. In der heutigen Kirche sind diese Gegenspieler Geistliche wie Woelki, die die Kirche von innen heraus zerstören. Die aus Egoismus und Überheblichkeit die Gläubigen aus der Kirche treiben.
Letztlich geht es um pure Macht. Denn für den Vatikan ist der erzkonservative Kölner Kardinal ein wichtiger Bremsklotz gegen die zaghafte Reformbewegung in der deutschen Kirche. Egal ob es um Frauen am Altar oder die Segnung homosexueller Paare geht – Woelki ist dagegen. Deswegen hält der Vatikan am Kölner Kardinal fest – immer noch. Doch bald dürfte das nicht mehr gehen. Sollte Woelki angeklagt und verurteilt werden, käme Papst Franziskus kaum umhin, ihn fallenzulassen.