Neues Konzept  Experte spricht klare Warnung zu Parkhäusern in Emden aus

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 27.06.2023 09:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
An der Pottgießerstraße in Emden wird bereits geparkt. Ein Parkhaus neben den Neutor-Arkaden empfiehlt Gutachter Harald von Lübke. Andere Standorte hält er für weniger günstig. Foto: Archiv
An der Pottgießerstraße in Emden wird bereits geparkt. Ein Parkhaus neben den Neutor-Arkaden empfiehlt Gutachter Harald von Lübke. Andere Standorte hält er für weniger günstig. Foto: Archiv
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Noch bis zuletzt hieß es von der Stadtverwaltung, man wünsche vier neue Parkhäuser für Emden. Ein Experte bezieht dazu klare Stellung. So geht es rund um die Parkplatz-Diskussion weiter.

Emden - Harald von Lübke stellt die Parkhaus-Planung für Emden einmal auf den Kopf. Hieß es noch bis vor kurzem von der Stadtverwaltung, dass man vier Parkhäuser wünsche - nämlich an der Medmannstraße im Behördenviertel, an der Pottgießerstraße, an der Osterstraße und an der Lookvenne beim Neuen Markt -, rät der Gutachter des Ingenieursbüros SHP aus Hannover gleich von zwei Projekten ab. Das Büro hatte ein Parkraumbewirtschaftungskonzept für die Stadt erstellt.

Was und warum

Darum geht es: die Weiterentwicklung der Parkraumbewirtschaftung in Emden

Vor allem interessant für: Emderinnen und Emden sowie Gäste der Stadt, die mit dem Auto in den Stadtkern wollen

Deshalb berichten wir: Im Stadtentwicklungsausschuss konkretisierte der Gutachter Harald von Lübke den Entwurf zum neuen Parkraumbewirtschaftungskonzept für Emden. Neu war dabei insbesondere seine professionelle Meinung zu den geplanten Parkhäusern.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Im Stadtentwicklungsausschuss des Emder Rats erklärte der Experte, dass sowohl der Standort beim Aldi-Markt (Lookvenne) als auch beim Fernmeldeturm (Osterstraße) ungeeignet seien. Erst genannter Ort widerspreche dem Vorhaben der Stadt, die Innenstadt so autofrei wie möglich zu gestalten. Der Verkehr soll gar nicht erst so weit ins Zentrum kommen, sondern direkt an den Zufahrten abgefangen werden. An der Osterstraße indes sieht der Gutachter keine ausreichende Nachfrage. Stattdessen könnte man überlegen, dort Wohnraum zu schaffen, meint er.

Wo wären Parkhäuser geeignet?

An der Pottgießerstraße, wo derzeit auf einer Fläche schon geparkt wird, wäre ein Parkhaus geeignet, sagte Harald von Lübke. Die Lage an der Nordseite der Innenstadt sei optimal, noch dazu in direkter Nähe zur Kunsthalle und eine Linksabbiegespur bestehe schon. Verkehrlich müsse also nicht viel verändert werden. Die Lage wäre erschließungsgünstig und der Experte spricht von hohen Erträgen durch Parkgebühren dort.

Auch im Behördenviertel, wo der Parkdruck durch viele mit dem Auto pendelnde Mitarbeiter hoch ist, wäre ein Parkhaus geeignet. Die Stadt hatte sich eine Fläche an der Medmannstraße ausgeguckt, die erschlossen werden soll. Der Experte sieht einen klaren Vorteil für die Ringstraße: Wenn die Autos in einem Parkhaus verschwinden, könnte der Mittelstreifen der Straße anderweitig genutzt werden. Dort parken momentan viele Autos kreuz und quer, weil es kostenlos ist. Harald von Lübke sieht die Möglichkeit eines autofreien Boulevards mit Sitzbänken und Grünpflanzen. „Die schönen Häuser an der Straße würden besser zur Geltung kommen“, sagt er.

Wofür warnt der Experte?

Der Gutachter sagt klar: Wenn man ein kostenpflichtiges Parkhaus aufstellen will, dann dürfen in der näheren Umgebung keine kostenlose Parkplätze sein. Das Problem gibt es schon mit dem Parkhaus am Wasserturm. Es ist meist nicht gut ausgelastet, viele Autofahrer kurven so lange durch die Innenstadt, bis sie einen kostenlosen Parkplatz gefunden haben. Der Parkdruck ist besonders groß im Stadtteil Klein-Faldern, wo die Straßen eng sind, viele Bewohner keinen eigenen Parkplatz haben und Fremdparker die kostenlosen Buchten gerne nutzen, und im Behördenviertel.

Sein Ratschlag: Alle Parkplätze sollten in der Innenstadt kostenpflichtig sein, Bewohner sollten ein Anwohner-Parkticket fürs Jahr bekommen können. Dann würde es weniger Parkplatz-Suchverkehre geben und geplante Parkhäuser würden sich lohnen. Würden nicht alle Parkplätze in der Stadt bewirtschaftet, würden Parkhäuser „floppen“. Je näher man an den Geschäften parken will, desto mehr muss man bezahlen, so seine Empfehlung.

Was sollte die Stadt nicht tun?

Zum anderen sagt er klar: „Halten Sie den Finger drauf bei den Parkhäusern.“ Die Stadt oder die städtische Tochter Stadtwerke sollte Betreiberin der Parkhäuser sein, um einen Einfluss auf die Gebührenstruktur zu haben. Als positives Beispiel nennt er Bad Oeynhausen in Nordrhein-Westfalen. Dort sei bei den Stadtwerken eine eigene Abteilung für das Thema Parken eingerichtet worden.

„Das funktioniert hervorragend“, sagt er. Die Parkhäuser in der Kurstadt mit rund 50.000 Einwohnern liefen gut. In Emden läuft es gerade in die andere Richtung: Das Parkhaus am Wasserturm wurde in diesem Jahr von den Stadtwerken abgegeben - an einen privaten Betreiber.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Fraktionen können jetzt noch einmal intern beraten - auch mit Besuchen von Verwaltungsmitgliedern, sagt Stadtplaner David Malzahn. Am 19. September steht ein erster Grundsatzbeschluss im Stadtentwicklungsausschuss an. Geht dieser durch, dann könnte am 5. Oktober im Rat darüber beschlossen werden. Ist auch das erfolgt, geht die Stadtverwaltung an die Suche nach einem Betreiber für den Bau und/oder Betrieb der zwei geplanten Parkhäuser.

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Parallel könnten schon Sofortmaßnahmen wie beispielsweise das Parken für Anwohner aufgenommen werden. Ab wann alle Parkplätze in der Innenstadt kostenpflichtig sein könnten, ist noch nicht bekannt. Allerdings: Parkplätze wie etwa auf dem Mittelstreifen der Ringstraße sollen erst entfallen, wenn die Parkhäuser fertiggestellt sind, sagte Malzahn.