Pastor geht in Rente Was passiert mit dem Rysumer Pfarrhaus?
Immer mehr Pfarrhäuser werden von der Kirche aufgegeben - auch in Ostfriesland. Der Rysumer Pastor Balder geht in den Ruhestand und zieht Mitte April aus dem historischen Haus im Ortskern aus.
Rysum - Die evangelischen Pfarrhäuser werden weniger, denn Kirchen trennen sich immer häufiger von den Gebäuden. Zu teuer der Unterhalt, zu wenig Personal, zu groß die Gebäude, die einst für die damals großen Familien der Pastoren gebaut wurden. In Rysum wurde dieses Wochenende Pastor Holger Balder in den Ruhestand verabschiedet, nachdem er die evangelisch-reformierte Gemeinde knapp zehn Jahre geleitet hatte.
Was und warum
Darum geht es: die Zukunft des Rysumer Pfarrhauses
Vor allem interessant für: alle Rysumer und diejenigen, die sich für Kirche und kirchliche Gebäude interessieren
Deshalb berichten wir: Pastor Holger Balder geht in den Ruhestand. Wir haben uns gefragt, was nun mit dem historischen Pfarrhaus passiert, in dem er derzeit noch wohnt. Die Autorin erreichen Sie unter: h.weiden@zgo.de
Die Aussicht auf eine Nachfolge gibt es nach Auskunft vom Kirchenratsvorsitzenden Hartwig Peters bisher noch nicht. Wie geht es weiter und was soll künftig mit dem historischen Pfarrhaus im Rysumer Ortskern passieren, wenn Holger Balder und seine Frau dort ausziehen werden?
Pastor verlässt Rysum noch im Juli
„Wir hatten die Stelle jetzt seit einem Vierteljahr ausgeschrieben, doch gemeldet hat sich bisher leider keiner“, bedauert Peters im Gespräch mit dieser Zeitung. Man werde nun versuchen, die Anzeige noch einmal umzuformulieren, um möglichst viele Kandidatinnen und Kandidaten anzusprechen. Die Gemeinden Rysum, Wybelsum und Logumer Vorwerk sind seit Januar 2013 durch ein gemeinsames Pfarramt miteinander verbunden. Gemeinsam hatten sie zum 1. September eine „innovative Pfarrstelle“ ausgeschrieben - bis jetzt allerdings ohne Erfolg. Fest steht: Der bisherige Pastor Holger Balder und seine Frau werden Mitte Juli Rysum verlassen und nach Göttingen ziehen.
Was mit dem historischen Pfarrhaus im Rysumer Ortskern passiert? „Das liegt an der neuen Pastorin oder dem neuen Pastor“, sagt Hartwig Peters. Der könne sich dann selber aussuchen, wo er oder sie am liebsten wohnen möchte. „Wir wollen natürlich versuchen, unser Pfarrhaus zu halten.“
Ein Drittel der kirchlichen Gebäude soll wegfallen
Das ist nämlich gar nicht so selbstverständlich. Denn: „Ein Drittel der kirchlichen Gebäude soll kirchlicherseits aus dem baulichen Unterhalt entfallen“, schreibt auf Nachfrage Holger Balder. Bestätigt wird das auch durch eine Anfrage beim Landeskirchenamt der evangelisch-reformierten Kirche in Leer. Pressesprecher Ulf Preuß schreibt: „Der gesamte Gebäudebestand (Kirchen, Gemeindehäuser, Pfarrhäuser) der Kirche wird sich durch Gemeindeprozesse wie Kooperationen, Zusammenlegungen, Verbändebildung und ähnlichem um ein Drittel reduzieren, so kann man derzeit prognostizieren.“
Ein Pastor wird demnach künftig für mehrere Gemeinden zuständig sein. „Im Falle eines Verbandes von mehreren zusammengelegten Gemeinden, die dann mehr als ein Pfarrhaus haben, lotet man aus, welches Pfarrhaus sich besser eignet“, so Ulf Preuß. Hierbei gehörten Standort, Zustand und Investitionskosten zu den wesentlichen Aspekten.
In Rysum wäre Sanierung des Pfarrhauses notwendig
Genau diese Überlegungen hat es auch schon in Rysum, Wybelsum und Logumer Vorwerk gegeben. Pastor Balder schreibt: „Meine drei Kirchengemeinden haben bereits das Jugendhaus in Rysum verkauft, sich von den Pfarrhäusern in Wybelsum und Logumer Vorwerk getrennt und die Kirchengemeinde Wybelsum strebt den Umbau der Neuen Kirche Wybelsum zu einem Gemeindezentrum mit integrierter Kindertagesstätte an.“
Es sei fraglich, ob das Pfarrhaus in Rysum nach der Neubesetzung auch weiterhin als Pfarrhaus genutzt werden könne - es wäre nämlich „sicherlich eine umfassende (energetische) Sanierung notwendig“.
Einige Pfarrhäuser stehen zum Verkauf
Nach Auskunft von Ulf Preuß gibt es in Ostfriesland derzeit 29 Pfarrhäuser, die von Pastorinnen und Pastoren bewohnt werden. Die Gebäude stammten aus dem 15. Jahrhundert bis zum Neubau aus dem Jahr 2022. Elf Pfarrhäuser seien derzeit vermietet oder stünden zum Verkauf.
Die Kosten, die für den Unterhalt der Gebäude anfällt, hängen laut Ulf Preuß davon ab, in welchem Bauzustand sich die Gebäude befinden. Bei einem „Pfarrdienststellenwechsel“ und einer „umstrittenen Wiederbesetzung“ würden die Gebäude unter der Begleitung der Landeskirche begutachtet. Sanierungen werden dann unter den Aspekten der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes geplant. „Weiterhin sind Größe und Attraktivität der räumlichen Struktur des Hauses sowie Gartengröße, Punkte, die in die Beurteilung zur möglichen weiteren Nutzung eines Pfarrhauses einfließen“, schreibt der Pressesprecher weiter.
Die Rysumer Gemeinde hofft nun, ihr Pfarrhaus erhalten zu können. „Wir haben so ein tolles Pfarrhaus, das ja auch unter Denkmalschutz steht“, sagt Hartwig Peters. Das Gebäude werde nicht nur von den Rysumern selbst, sondern auch von den unzähligen Gästen wegen seines besonderen Charmes geschätzt und gemocht.
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