Hamburg Air Defender 23: Eine gute Übung reicht nicht
Nach knapp zwei Wochen Air Defender zeigt sich die Bundeswehr betont zufrieden. Doch über die Probleme der Bundeswehr kann auch eine gute Übung nicht hinwegtäuschen.
Knapp zwei Wochen hat sie gedauert, die „größte Verlegeübung der Luftstreitkräfte seit Bestehen der Nato”, wie die Bundeswehr stolz benennt. Bei Air Defender 23 probten 25 Länder mit gut 250 Flugzeugen den Ernstfall schlechthin.
Ein Szenario, mit dem sich die baltischen Staaten und Polen weit intensiver auseinandersetzen, zu bedrohlich ist die direkte Nachbarschaft zu Russland. Und spätestens seit dem Angriff auf die Ukraine 2022 ist auch in Deutschland die Wachsamkeit wieder geschärft. Air Defender 23 war eine gute Gelegenheit auch den Putins dieser Welt zu zeigen: „Ja, die Nato ist verteidigungsfähig.”
Eine gegenteilige Aussage wäre bei den horrenden Militärausgaben – alleine die Nato-Länder kommen 2023 auf geschätzte 1,2 Billionen Euro – auch fatal. Es ist bei allem komplexen Trainingsgedanken nämlich vor allem die Macht der Bilder, die mit zahlreichen Soldaten und Flugzeugen vieler Nationen von dieser Übung bleibt. Und das ist auch gut so.
Zurücklehnen dürfen sich die Verantwortlichen in Bundeswehr und Verteidigungsministerium wegen einer guten Übung allerdings nicht. Wie abhängig Deutschland und die anderen Länder von den USA sind, hat sich auch bei Air Defender 23 gezeigt.
Es waren die zahlenmäßig am stärksten aufgestellten US-Amerikaner, die etwa am logistischen Drehkreuz der Übung im niedersächsischen Wunstorf den Takt bestimmten, nicht die Deutschen als Gastgeber.
So gut die Bundeswehr mit den Bündnispartnern agierte, so schlecht steht sie in Ausrüstung und Personal noch immer da. Um nur bei der Luftwaffe zu bleiben: Der Kampfjet F-35 erreicht die Truppe wohl frühestens in fünf Jahren und ausgerechnet bei den anspruchsvollen Jobs der Flugzeugpiloten sucht die Bundeswehr verzweifelt Nachwuchs. Über solche Sorgen kann auch die beste Militärübung nicht hinwegtäuschen.