Osnabrück Ein Meister muss endlich genauso viel wert sein wie ein Master
Das Handwerk, das sowieso schon ein massives Nachwuchsproblem hat, kann auf weibliche Fachkräfte nicht mehr verzichten. Gutes Marketing und Nachwuchsförderung sind gefragt – und vor allem mehr Wertschätzung.
„Mama, ich werde später einmal Bauarbeiterin“ ‒ ein Satz, der auch im Jahr 2023 von viel zu vielen traurigerweise immer noch eher belächelt als gefördert wird. Denn nach antiquierten Klischees ist das Handwerk eine Männerdomäne. Was für ein Quatsch, zumal auch dank der Technisierung und Digitalisierung die körperliche Belastung in vielen Berufen abgenommen hat.
Fakt ist: Das Handwerk, das sowieso schon ein massives Nachwuchsproblem hat, kann auf weibliche Fachkräfte nicht mehr verzichten. Zuwanderung oder eine längere Lebensarbeitszeit werden das Problem nicht lösen. Nicht jeder Handwerker kann bis 67 auf dem Gerüst stehen. Es kommt darauf an, mehr junge Menschen für die wichtigen wirtschaftlichen Bereiche zu begeistern.
Erfreulicherweise gibt es bereits etliche Projekte, Kampagnen und Initiativen, die vor allem Mädchen in der Schule und junge Frauen vor der Berufswahl für das Handwerk gewinnen wollen, indem sie etwa mit Vorurteilen aufräumen und weibliche Rollenvorbilder fördern. Das ist der richtige Weg. Doch auch die Betriebe sind gefragt, attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen und sowas wie starre Hierarchien, Machokulturen und raue Umgangsformen zu beseitigen.
Noch wichtiger aber ist, dass auch endlich in den Köpfen der Menschen ankommt, dass eine berufliche Ausbildung wie ein Meistertitel genauso viel wert ist wie eine akademische. Denn nur so wird sie wieder attraktiv. Die Menschen, die sie ausüben, müssen spüren, wie wichtig sie für die Zukunft des Landes sind. Und das sind sie in einer Situation, in der das Land eine tiefgreifende Modernisierung stemmen will, zweifelsohne: Ob beim Klimaschutz, der Energiewende, der Digitalisierung, bei der Modernisierung der Infrastruktur oder im Wohnungsbau – ohne Handwerkerinnen und Handwerker drohen die Pläne in einem einzigen Sanierungsstau zu enden.