Kolumne „Intern“  Warum auch ein Lokaljournalist inzwischen Englisch können sollte

Joachim Braun
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Eine Kolumne von Joachim Braun
| 23.06.2023 09:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Plattdeutsch zu sprechen (oder wenigstens zu verstehen) ist für Lokaljournalisten in Ostfriesland eine Pflicht, Niederländisch die Kür. Und inzwischen müssen Sie auch noch fließend Englisch sprechen.

Selbst der Lokaljournalismus rückt immer weiter zusammen. Hatten früher selbst benachbarte Redaktionen kaum Kontakt miteinander, so profitieren wir heute von Netzwerken wie „Drive“, in dem 24 Verlage ihr Wissen und ihre Daten teilen, um sich gemeinsam weiterzuentwickeln. Und die Software, die wir einsetzen, gibt es immer öfter nur in Englisch, weil die Firmen sie für den weltweiten Markt entwickeln.

Das führt zu kruden Situationen. Gespräche selbst mit deutschen Kollegen münden in ein deutsch-englisches Fachkauderwelsch. Grauenhaft. Und wer es nicht gewohnt ist, wie diese Woche eine jüngere Kollegin, muss bekennen: Ich habe nur die Hälfte verstanden. Das war nicht schlimm, denn es war die richtige Hälfte.

Gestern haben wir ein neues Analyse-Programm in der Redaktion ausgerollt. Smartocto, eine serbisch-niederländische Co-Produktion und natürlich auch komplett auf Englisch. Wir versprechen uns sehr viel davon, denn es liefert uns in Echtzeit viele Informationen, wie gefragt (oder auch nicht) die auf der Webseite veröffentlichten Artikel sind. Somit können wir besser als bisher die Startseite komponieren und zum Beispiel Artikel, die interessant sind, obwohl sie weiter unten stehen, ein paar Positionen nach oben schieben - oder umgekehrt. Wir erfahren, ob die Leser eines Artikels ihn über Google gefunden haben, auf Facebook drauf aufmerksam wurden oder drauf geklickt haben, weil sie ohnehin gerade auf der Webseite unterwegs waren.

Das Programm ist nach einigen Monaten Training inzwischen auch in der Lage, Klickzahlen zu bewerten: Die Reporter, die den jeweiligen Artikel geschrieben haben, bekommen Nachrichten, zum Beispiel die, dass ihr Text gerade auf sehr großes Interesse stößt und sie sich überlegen sollen, ob sie das Thema nicht vertiefen wollen.

Schöne, neue Welt. In die tauchen mein Kollege Timo Sager und ich auch nächste Woche ein. Auf Dienstreise in New York, zu Besuch beim Wallstreet Journal, Facebook & Co. Alles natürlich auf Englisch.

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