Osnabrück Die Schauspielerei machte „Fack ju Göhte“-Star Lena Klenke in der Schulzeit zur Außenseiterin
Lena Klenke steht vor der Kamera seit sie 13 Jahre alt ist. Warum sie dadurch zur Außenseiterin wurde und wie sie mit anzüglichen Kommentaren auf Social Media umgeht, verrät sie im Interview.
Fack ju Göhte, How to Sell Drugs, Tatort: Die Liste an Produktionen, bei denen Lena Klenke mitgewirkt hat, ist lang. Die heute 27-Jährige ist seit 14 Jahren im Geschäft – und kennt auch die Schattenseiten. Nicht immer war sie sich sicher, ob die Schauspielerei überhaupt das Richtige für sie ist.
Frage: Frau Klenke, Sie schauspielern, seit Sie 13 Jahre alt sind. Albert man da nicht lieber noch mit Freundinnen in der Schule herum?
Antwort: Bei mir war es eine sehr bewusste Entscheidung, weil ich es so sehr wollte. Natürlich hatte ich dann weniger Zeit für Freunde, trotzdem möchte ich es nicht missen. Es war auch nicht so, dass ich monatelang weg war. Ich musste einfach disziplinierter sein. Genug Zeit, meine Jugend auszuleben, hatte ich trotzdem.
Frage: Durften Sie das Geld, das Sie als 13-Jährige verdient haben, selbst behalten?
Antwort: Alles ging auf ein Konto, mit dem ich nichts zu tun hatte. Mit 18 habe ich das Geld dann von meiner Mutter bekommen. Die Gagen sind immer total unterschiedlich. Es gibt auch Filme, da verdiene ich gar nichts. Bis heute ist das sehr verschieden. Ich versuche, die Filme zu machen, auf die ich Lust habe – nicht die, die das meiste Geld bringen.
Frage: Ihren Mitschülern haben Sie gesagt, Sie seien krank, wenn Sie wegen eines Drehs nicht in der Schule waren. War Ihnen das peinlich?
Antwort: Das Problem ist, dass Teenager sehr neidisch sein können. Ich habe schnell gemerkt, dass Menschen neidisch wurden und mir den Erfolg nicht immer gegönnt haben. Deshalb habe ich das lieber für mich behalten, anstatt mich unbeliebt zu machen. Manchmal war das nicht so leicht, weil ich mich dadurch distanziert habe und zu einer Art Außenseiterin geworden bin.
Frage: In welchem Moment haben Sie daran gezweifelt, dass die Schauspielerei das Richtige für Sie ist?
Antwort: Diese Momente gibt es immer wieder. Aber so lange ich Spaß habe, mache ich es weiter. Es hätte bestimmt auch einen Plan B gegeben, aber ich hatte nie die Zeit, mich damit auseinanderzusetzen. Das hat sich erübrigt, weil immer wieder etwas Neues kam und es für mich schon während der Schulzeit losging. Trotzdem gab es nach dem Abitur auch eine Phase, in der ich mich gefragt habe, ob ich überhaupt Schauspielerin sein möchte. Dann bin ich ein halbes Jahr lang durch Asien gereist mit meiner besten Freundin. Währenddessen habe ich gemerkt, wie sehr ich das Spielen vermisst habe. Ich bin wirklich froh, dass ich einen Beruf gefunden habe, der mir so viel Spaß macht. Andere Menschen gehen zur Arbeit und haben überhaupt keine Lust darauf. Ich mache, was mir Spaß macht und verdiene damit Geld. Das ist ein Privileg.
Frage: Sie sind auch bei Instagram aktiv. Ihnen folgen über 200.000 Menschen. Sehen Sie das als Teil Ihres Jobs?
Antwort: Ich versuche, Instagram als mein drittes Auge zu sehen. Ich möchte es persönlich halten, ohne zu viel preiszugeben. Es ist total schön, bestimmte Dinge zu teilen: Kulturempfehlungen oder Bücher beispielsweise. So komme ich mit vielen Menschen in Kontakt. Wichtig ist das Maß.
Frage: Bestimmt schauen viele Frauen zu Ihnen auf und vergleichen sich mit Ihnen. Wie fühlt sich das an?
Antwort: Jeder sollte sich bewusstmachen, dass auf Instagram nur ein kleiner Ausschnitt des Lebens gezeigt wird. Die meisten teilen Inhalte nur dann, wenn es ihnen gut geht. Deshalb bringt dieses Vergleichen nichts. Ich versuche immer klarzustellen, dass es auch Schattenseiten gibt und Instagram natürlich nicht die Realität abbildet. Wenn ich ab und an ein Foto teile, weiß niemand, wie mein Leben aussieht. Bestimmt ist das anders bei Menschen, die ihr ganzes Leben auf der Plattform teilen und damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Daran hätte ich kein Interesse. Ich fände es viel zu anstrengend, die ganze Zeit am Handy sein zu müssen.
Frage: Bekommen Sie bei Instagram oft ungefragt anzügliche Kommentare oder Direktnachrichten?
Antwort: Bestimmt, aber ich schaue mir die Nachrichten von Fremden nicht an. Das kann natürlich auch hart sein, wenn es beispielsweise Nachrichten von Fans sind. Aber ich habe gemerkt, dass es mir besser geht, wenn ich mir nicht permanent Meinungen von anderen über mich anhöre. Die Menschen vergessen oft, dass sich ein Mensch hinter dem Onlineprofil verbirgt. Es kann 80 positive Nachrichten geben und eine negative: Die negative bleibt immer hängen. Wenn ich das also gar nicht weiß, passiert mir auch nichts.
Frage: Wie fühlen Sie sich dabei, vor der Kamera stehen zu müssen, wenn Sie sich eigentlich gerade nicht danach fühlen?
Antwort: Auch solche Tage gibt es. Mir hilft es, zu wissen, dass ich nur eine Rolle spiele. Kostüm und Maske beschützen mich in solchen Momenten. Wenn ich am Ende des Tages wieder ich selbst sein kann, nehme ich mir Zeit für mich, lese oder mache Sport.
Frage: Sie beschreiben sich selbst als introvertiert. Wie passt das zusammen mit Ihrem Beruf?
Antwort: Bei mir ist es eine Mischung aus introvertiert und extrovertiert. Um diesen Beruf machen zu können, muss man auf eine Art extrovertiert sein. Ich habe kein Problem damit, mich vor 200 Menschen zu stellen und denen etwas vorzuspielen. Wenn ich eine Rolle spiele, bin ich extrovertiert, weil diese Rolle mein Schutzschild ist. Aber wenn ich ich bin, dann bin ich eher introvertiert. Ich finde in einer Gruppe lieber zuerst meinen Platz und bewahre anfangs eine gewisse Distanz.
Frage: Gibt es eine Rolle, auf die Sie besonders stolz sind?
Antwort: Viele. Ich versuche bei jedem Projekt, etwas mitzunehmen und zu lernen. Gerade bei kleineren Projekten konnte ich sehr viele wertvolle Erfahrungen sammeln. Sie sind viel privater und besonderer. Es sind kleine Teams, man wächst enger zusammen. Da kann ich oft mehr mitnehmen als bei einer Riesen-Produktion. Dort kann es anonymer sein. Die kleineren Herzensprojekte bleiben am meisten hängen.
Frage: Gab es Rollen, mit denen Sie sich überhaupt nicht identifizieren konnten und Sie sich beim Spielen deshalb unwohl gefühlt haben?
Antwort: Im Gegenteil. Es macht mir am meisten Spaß, Rollen zu spielen, die weiter weg sind von mir selbst, weil ich mich dann in etwas ganz Neues hineindenken muss und einen ganz anderen Charakter annehmen muss. Extreme sind immer leichter als etwas Leises, das mir selbst sehr nahe ist, weil ich mich dann sehr öffnen und offenbaren muss. Mir fällt es leichter, in totale Extreme zu gehen, die mit mir nicht viel gemeinsam haben. Im Film Flunkyball habe ich eine Figur mit einer bipolaren Störung gespielt, die extreme Ausbrüche hat. Das war etwas, das ganz weit weg von mir war und ich musste mich erst einmal hineindenken und von einer Sekunde auf die andere meine Stimmung total verändern.
Frage: Wie bereiten Sie sich auf so eine Rolle vor?
Antwort: Der Regisseur hatte Kontakt mit Betroffenen. Er hat mir aber davon abgeraten, mich selbst mit ihnen auszutauschen, weil es so intensiv war. Wir haben dann gemeinsam etwas erarbeitet, was für meine Rolle gut funktioniert – ohne, dass ich Angst entwickle. Ich habe auch viel privat recherchiert und meine eigene Person daraus gebastelt, ohne jemanden nachzumachen.
Frage: Wie viel Zeit haben Sie zwischen einzelnen Rollen und wie nutzen Sie diese Zeit?
Antwort: Das ist unterschiedlich. Aktuell bereite ich mich seit Januar auf einen Dreh vor, der im Juli startet. Zwischendurch habe ich noch zwei oder drei kleinere Sachen gedreht, aber nichts Großes. Ich war konstant mit der Vorbereitung beschäftigt. Auch körperlich muss ich mich darauf vorbereiten und bestimmte Sachen lernen. Das ist immer toll, sich etwas ganz Neuem zu widmen. Ich bin dann auch eine Person, die sich sehr in so etwas hineinsteigert und es sehr ernst nimmt. Trotzdem versuche ich auch immer, mindestens ein oder zwei Wochen abzuschalten. Das ist mir wichtig, um ein Projekt loslassen und mich mental auf etwas Neues einlassen zu können.
Frage: Welche Fähigkeiten haben Sie denn nur deshalb, weil Sie sie für eine Rolle brauchten?
Antwort: Ich musste Reiten lernen für einen Film, rudern, verschiedene Dialekte und Sprachen. Es ist immer wieder cool, wenn ich etwas Neues lernen muss. So komme ich auf Sachen, die ich sonst wahrscheinlich nie ausprobiert hätte.
Frage: Werden Sie nervös, wenn Sie nicht wissen, welches Projekt als Nächstes ansteht?
Antwort: Das ist das erste Learning in dem Job: Du kannst dich nie auf irgendetwas verlassen. Ich kann immer nur darauf warten, dass jemand mit mir arbeiten möchte. Zwar kann ich versuchen, Projekte anzustoßen, aber ich kann es nicht wirklich beeinflussen. Das kann schon Stress auslösen, aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Mir hilft es, mich in der Zwischenzeit mit anderen Dingen zu beschäftigen und nicht die ganze Zeit darauf zu warten, dass etwas Neues kommt. Hinzu kommt, dass ich auch nicht alles mache, was ich machen könnte. Ich selektiere viel und weiß, in welche Richtung ich gehen möchte.
Frage: In welche Richtung denn?
Antwort: Das kann man so schwer sagen, das hat was mit Bauchgefühl zu tun, aber vor allem war es mir in den letzten Jahren wichtig, mit meinen Rollen zu wachsen und auch in ihnen erwachsener zu werden. Ich habe sehr früh angefangen mit der Schauspielerei und freue mich natürlich, dass schon so lange machen zu können und in jeden Lebensabschnitt einzubauen. Das Abitur habe ich 2014 abgelegt und da möchte man dann natürlich irgendwann keine Schülerin mehr spielen. Das funktioniert mittlerweile ziemlich gut. Jetzt spiele ich auch mal eine Studentin oder eine junge Mutter.
Frage: Macht es Ihnen Druck, zu wissen, wie viele Menschen vor dem Fernseher sitzen und Ihnen zuschauen?
Antwort: Druck nicht, aber ich möchte die Menschen natürlich nicht enttäuschen. Ich versuche immer weiterzuwachsen und nicht stehenzubleiben. Oft frage ich mich dann auch, was als Nächstes kommt und ob die Zuschauer das auch gut finden werden. Manchmal ist es schwierig, allen gerecht zu werden. Während des Drehens ist das Empfinden meistens auch ganz anders: Manches fand ich beim Drehen total toll, am Ende hatte es aber nicht den gewünschten Effekt. Bei anderen Produktionen hätte ich gar nicht mit einem so großen Erfolg gerechnet und sie schlagen unerwartet ein wie eine Bombe. Bei „How to Sell Drugs“ war es beispielsweise so. Mit so einem großen Erfolg – auch im Ausland – haben wir gar nicht gerechnet.
Frage: Sie spielen aktuell mit bei der Mystery-Serie “Die nettesten Menschen der Welt”. Es geht um unheimliche Vorkommnisse und Übernatürliches. Ist Ihnen schon mal etwas passiert, bei dem Sie an etwas Übersinnliches gedacht haben?
Antwort: Ich glaube an Dinge wie Schicksal und dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. An Übersinnliches eher nicht. Aber ich hatte schon auch mal das Gefühl, dass ein Geist im Haus ist (lacht). Das kann man sich aber natürlich schnell einreden und sich hineinsteigern.
Frage: Es geht auch um mysteriöse Vorkommnisse in der Nachbarschaft und die noch mysteriöseren Bewohner. Hatten Sie schon mal mysteriöse Nachbarn?
Antwort: Ich finde Nachbarn sowieso sehr spannend, weil man nicht so viel von ihnen mitbekommt, aber immer wieder kleine Schnipsel. Ich bin in Berlin aufgewachsen, dort lebt man in der Nachbarschaft meist sehr anonym. Es kann sein, dass man nach zehn Jahren immer noch nicht weiß, wie die Nachbarn heißen. Ich bin auch eher distanziert, aber manchmal denke ich: Es wäre auch schön, wenn man einfach klingeln könnte. Ein Ei, das beim Backen fehlt, würde ich meinen Nachbarn immer geben. Ich selbst würde wahrscheinlich aber eher schnell selbst welche kaufen.
Frage: Sprechen Sie die Nachbarn denn auch mal im Flur an, weil sie wissen, dass Sie Schauspielerin sind?
Antwort: Eher nicht. Bestimmt wissen es manche und die denken sich ihren Teil. Angesprochen werde ich eher auf der Straße. Vor allem, wenn gerade etwas Neues herausgekommen ist. Ich freue mich immer, angesprochen zu werden. Das ist für mich eine Art von Kompliment.
Frage: Ist Ihnen beim Dreh bewusst, wie viele Menschen den Film oder die Serie am Ende sehen werden?
Antwort: Das kann ich nie greifen. Wenn ich Zahlen höre, wie viele Millionen Menschen zum Teil zugesehen haben, kann ich mir das gar nicht vorstellen. Das bleibt immer surreal.