Einzelhandel  NKD bezieht Geschäft in bester Emder Innenstadtlage

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 21.06.2023 18:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Textileinzelhändler NKD hat mehr als 1350 Filialen allein in Deutschland. Foto: David Ebener/dpa
Der Textileinzelhändler NKD hat mehr als 1350 Filialen allein in Deutschland. Foto: David Ebener/dpa
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Der Textil-Discounter hatte zuletzt schon in Leer groß neu eröffnet. In Emden gibt es bereits einen Standort. Beherrschen bald nur noch Billigketten die Innenstädte?

Emden - Jetzt ist es spruchreif: Für das ehemalige Bekleidungsgeschäft „Kings & Queens“ in der Emder Fußgängerzone Zwischen Beiden Sielen gibt es einen Nachfolger. Nach Auskunft der Immobilieneigentümer wird dort der Textileinzelhändler NKD (Niedrig Kalkuliert Discount) einziehen. Im Dollart Center (DOC) gibt es bereits einen Standort. Ende März eröffnete eine neue Filiale auch in der Leeraner Innenstadt.

Was und warum

Darum geht es: die Entwicklung des Emder Einzelhandels

Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder sowie Gäste der Stadt, die gerne mal etwas bummeln und shoppen gehen möchten

Deshalb berichten wir: Wir hatten über Wochen immer mal wieder bei dem Immobilieneigentümer der Geschäftsräume von ehemals „Kings & Queens“ nachgefragt, ob es schon einen Nachfolger gibt. Nun haben sie sich mit guten Nachrichten gemeldet.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

NKD ist eine der größten Textilketten in Deutschland. Das Unternehmen, das 1962 in Essen gegründet wurde, hat mittlerweile nach eigenen Angaben mehr als 2100 Zweigstellen europaweit. Man wolle das Filialnetz stetig um „ausgewählte Standorte in Deutschland“ erweitern, heißt es auf der Website des Unternehmens. Ob NKD im DOC schließen wird oder beide Standorte bleiben sollen, hat die Pressestelle des Unternehmens auf Nachfrage noch nicht beantwortet. Auch haben wir gefragt, wann das Geschäft öffnet und wie das Angebot aussehen soll.

Ein Leerstand geschlossen, einige bleiben noch

Das Geschäft „Kings & Queens“ war mit dem Laden „Lieblingsstück“, das es am Stadtgarten gegeben hatte, zusammen ins Modehaus Gröttrup an der Neutorstraße (ehemals C&A) umgezogen. Am Stadtgarten neben dem Grand Café hatte sich schnell ein Nachmieter gefunden: Die Buchhandelskette Thalia hat dort am 23. Mai neu eröffnet. Sie hat damit ihre Filiale in der Fußgängerzone Zwischen Beiden Sielen verlassen. Was in die Geschäftsräume nachrückt, ist noch unklar. In der ältesten Fußgängerzone der Stadt, die in diesem Sommer fertig saniert ist, sind mittlerweile die Friseursalons fast in der Überzahl gegenüber den Einzelhandelsgeschäften. Vier Friseure gibt es auf den etwa 200 Metern und sieben Leerstände.

Das Geschäft „Kings & Queens“ ist in dem Modehaus Gröttrup aufgegangen. Foto: Hanssen
Das Geschäft „Kings & Queens“ ist in dem Modehaus Gröttrup aufgegangen. Foto: Hanssen

Doch es besteht Grund zur Hoffnung, lässt sich den Worten von Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) entnehmen: Die Exposés zu Leerständen in der Innenstadt seien nun fertig und man wolle proaktiv Filialisten und Einzelhändler ansprechen, sagte er zuletzt. „Wir haben einen guten Rahmen geschaffen für Einzelhandelsbetriebe.“ Mit einer neuen Innenstadtkoordinatorin, die selbst aus dem Einzelhandel kommt, gebe es für das Stadtmarketing wieder ein „schlagkräftiges Team“, sagte Martje Merten. Sie ist seit kurzem Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing GmbH.

Andere Billigketten haben Interesse an Emden

Mit dem Einzug von NKD in der Innenstadt drängt sich die Frage auf: Sind jetzt die Discounter immer weiter auf dem Vormarsch? Die Billigkette Woolworth hatte im Emder Dollart Center im März frisch eröffnet. Schon in Aurich, Leer, Norden und Esens gibt es Niederlassungen des selbsternannten „günstigsten Kaufhauses“. Zum Sortiment zählen Dekorations- und Haushaltsartikel, Elektro-, Drogerie- und Geschenkartikel sowie Bekleidung. Damit sind in dem größten Einkaufszentrum der Region wieder alle Geschäfte belegt, nachdem es über längere Zeit einige Leerstände gegeben hatte. Auch die Optiker-Kette „Eyes and More“ und das Männermode-Unternehmen „Engbers“ hatten Filialen eröffnet.

In das Geschäft, in dem vorher „Kings & Queens“ untergebracht war, zieht die Textilkette NKD ein. Foto: Hanssen
In das Geschäft, in dem vorher „Kings & Queens“ untergebracht war, zieht die Textilkette NKD ein. Foto: Hanssen

Im DOC gibt es direkt neben Woolworth noch den Textileinzelhändler NKD und eine Zweigstelle der Discount-Kette Kik (Kunde ist König), die mehr als 2600 Niederlassungen hierzulande hat. Kik findet sich in der Stadt noch in Borssum, im Zentrum und in Harsweg. Über das Stadtgebiet verstreuen sich auch noch andere Niedrigpreis-Ketten: etwa Action, Tedi und der Sonderposten-Markt Zimmermann in Harsweg, Thomas Philipps an der Larrelter Straße, Takko beim Westcenter sowie der Euroshop am Neuen Markt. Und ein weiterer Niedrigpreis-Händler aus den Niederlanden hat aktuell offenbar Interesse an einer Filiale in Emden.

Kommt „Zeeman“ nach Emden?

Das niederländische Unternehmen „Zeeman“ hatte sich nach Informationen dieser Zeitung ebenfalls um die Nachfolge des Bekleidungsgeschäfts „Kings & Queens“ bemüht. „Zeeman“ hat Kleidung und Textilien zu Niedrigpreisen im Sortiment. Bislang gibt es noch keine ostfriesische Niederlassung, die nächsten Filialen sind etwa in Winschoten, Delfzijl und Bremen. Aus der Ansiedlung an der genannten Stelle wird zwar jetzt nichts.

Die Straße Zwischen Beiden Sielen ist die älteste Fußgängerzone der Stadt. Die Sanierung ist nun abgeschlossen, jetzt müssen noch die Leerstände gefüllt werden. Foto: Hanssen
Die Straße Zwischen Beiden Sielen ist die älteste Fußgängerzone der Stadt. Die Sanierung ist nun abgeschlossen, jetzt müssen noch die Leerstände gefüllt werden. Foto: Hanssen

Aber: „Wir wissen um das Interesse der Firma am Standort Emden. Die Firma ist schon länger auf der Suche nach einem Ladenlokal, welches den Ansprüchen gerecht wird“, erklärt Martje Merten auf Nachfrage. Die Pressestelle des Unternehmens, die nur per Mail zu erreichen ist, hat auch nach mehrmaliger Nachfrage auch nach Wochen noch nicht geantwortet. Schon 2017 hieß es unter anderem vom Handelsblatt, dass „Zeeman“ sein Expansionstempo in Deutschland stark erhöhen wolle. Es scheint also nur eine Frage der Zeit, bis eine erste Niederlassung in der Region eröffnet.

Merten: Billigketten gehört nicht die Zukunft

„Sicherlich versuchen wir diesen Einzelhandelsbesatz nicht aktiv anzuwerben, jedoch versuchen wir selbstverständlich, beim Interesse am Standort zu unterstützen“, erklärt Martje Merten. Auf die Frage hin, ob sich solche Geschäfte in der Innenstadt besser halten könnten, schreibt sie: Die Preiskalkulation bei „Ketten“ sei natürlich eine andere als beim inhabergeführten Einzelhandel, sodass die Rahmenbedingungen andere seien. Fixkosten wie etwa die Miete seien aber häufig gleich.

Auf die Frage, ob es in Zukunft nur noch Billigketten geben wird, teilt sie mit: „Ich denke nicht, dass die Zukunft der Innenstädte den ‚Billigketten‘ gehört. Eher werden sich Erlebniseinkauf, Servicequalität und Beratung als Schlüsselthemen für den Einzelhandel herausstellen.“ Ob es bei der ehemaligen dm-Filiale an der Neutorstraße schon Interessenten gibt, beantwortet sie mit: „Die Vermeldung von Neuvermietungen obliegt sicherlich den Eigentümern. Wir arbeiten weiter aktiv an den Themen und sind auch in guten Gesprächen.“

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