Hamburg  Nur echt mit 42 Teilen: Das enthält die Einpersonenpackung der Bundeswehr

Karolina Meyer-Schilf
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Von Karolina Meyer-Schilf
| 21.06.2023 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Alles drin für einen Tag: Eine Einpersonenpackung der Bundeswehr. Foto: Imago Images/Sven Simon
Alles drin für einen Tag: Eine Einpersonenpackung der Bundeswehr. Foto: Imago Images/Sven Simon
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Sie versorgt die Soldaten im Einsatz, aber auch Opfer in Katastrophengebieten: Die Einpersonenpackung der Bundeswehr enthält locker 4000 Kalorien und ist für alle Eventualitäten gerüstet. Wir haben nachgesehen, was drin ist.

Sie soll einen Soldaten im Einsatz für einen Tag ernähren: Die legendäre Einpersonenpackung der Bundeswehr. Schlicht kommt sie daher, im grauen Karton, und wirkt dadurch etwas unpraktisch: Wer schleppt im Einsatz schon einen mittelgroßen Karton mit Essen mit sich herum?

Genau: Niemand. Die Epas werden zwar so verpackt, transportiert und ausgehändigt, dann aber verstauen die Soldaten ihren Inhalt, wo eben Platz ist. Enthalten sind 40 bis 42 Einzelteile, je nach Typ.

Es gibt Epas in allen möglichen Varianten, die meisten unterscheiden sich in der Beigabe der Hauptgerichte und hier ist der große Unterschied: Vegetarisch oder mit Fleisch. Nehmen wir mal „Typ III“, eine Fleischvariante: So sieht die Tagesverpflegung im Einsatz aus.

Der Tag beginnt gesund mit einer Packung „Müsli Schweizer Art“, das man in 150 ml kaltem Wasser anrühren muss. Sieben Scheiben Brot in wiederverschließbarer Dose enthält das Epa außerdem. Als Belag gibt es je ein Döschen Aprikosen- und Schwarze Johannisbeeren-Konfitüre. Ein rätselhafter „Chili-Brotaufstrich“ liegt ebenfalls bei, den könnte – oder sollte? – man aber auch zum Abendbrot essen. Wie überhaupt ja alles variabel ist: Die Soldaten können essen, was und wann sie wollen – und wenn es Bohneneintopf zum Frühstück ist.

Hier haben die Soldaten die Wahl aus zwei warmen Gerichten: Es gibt Bohnentopf mit Kasseler und Gemüsereis mit Hackfleischröllchen. Erhitzt werden die Pouches im Wasserbad, können aber zur Not auch kalt gegessen werden. Auch die „Dessertcreme Orange“ kommt mit 100 ml kaltem Wasser aus, das man unter Rühren zugibt und dann nur 10 Minuten ziehen lassen muss.

Die restlichen Scheiben Brot aus der Dose, kombiniert mit Geflügellyoner und „Leberwurst mit Milcheiweiß“ – ehrlich sind sie ja bei der Bundeswehr, auch wenn es sich ein bisschen nach „too much information“ anfühlt. Hier hat außerdem der Chili-Brotaufstrich nochmal seinen großen Auftritt. Ergänzen könnte man abends noch eine gegebenenfalls nicht gegessene warme Mahlzeit vom Mittag sowie die Tüte „Thunfisch mit Limette und Pfeffer“.

Betrachtet man so ein Epa, könnte man meinen, die Soldaten würden den ganzen Tag nur essen. Das stimmt natürlich nicht, vermutlich sind die Soldaten froh, an einem Tag im Einsatz auch nur einen Bruchteil der gelieferten Nahrung wirklich in Ruhe essen zu können. Um so wichtiger sind die unterschiedlichen Snacks und die Nervennahrung in so einer Einpersonenpackung – Dinge, die man sich mal schnell zwischen die Zähne schieben kann, auch wenn keine Zeit für eine richtige Mahlzeit bleibt.

Natürlich dürfen die Kekse nicht fehlen, eine 100-Gramm-Packung liegt jedem Epa bei. Die Tüte „Cookies mit Kakao“ werden am besten in einer der Beintaschen verstaut: Die kleinen Kekse sind zwischendurch schnell weggesnackt. Der „Fruchtmix“ aus getrockneten Früchten sei ein „wahres Superfood“, so heißt es vom zuständigen Oberstabsfeldwebel im Verpflegungsamt. 50 Gramm sorgen für einen Vitaminmix und kleinen Energieschub zwischendurch.

Ein kleines Cowboy-Klischee erfüllen die beigelegten „Beef Jerky“: Kaustreifen aus Fleisch, die entfernt an das erinnern, was man seinem Hund zwischendurch als Beschäftigung gibt, in der Truppe und auch jenseits davon aber überaus beliebt sind. Zwei Packungen Schokolade à 25 Gramm, eine Packung Kaugummis sowie 50 Gramm Sesamriegel runden das Naschangebot ab.

Zwei Liter Kaltgetränke können sich die Soldaten im Einsatz zubereiten. Zur Verfügung stehen dafür vier Packungen Getränkepulver in verschiedenen Geschmacksrichtungen, die mit jeweils 500 ml Wasser angerührt werden können: Zitrone, Grapefruit, Orange und „Exotic“.

Je zwei Becher Tee und Kaffee können mittels Pulver-Extrakt ebenfalls zubereitet werden, vier kleine Zuckerpackungen und zwei Packungen Kaffeeweißer gibt es außerdem dazu. Sparsam ist die Bundeswehr nur beim Cappuccino: Nur ein Beutel findet sich im Epa. Steht nicht genügend sauberes Wasser bereit, hilft die Entkeimungstablette. Mit ihr kann man einen halben Liter Wasser zweifelhafter Provenienz genießbar machen.

Und wenn gar nichts mehr geht, geht immer noch Gemüsebrühe: Die heißt hier vornehm „Bouillon“ und ist mit zwei Beuteln dabei, die in je 250 ml Wasser aufgelöst werden kann.

Weil es hier ohnehin manierlich zugeht, sind in einem Epa außerdem mehrere Erfrischungs- und „Mehrzweck“-Tücher vorhanden.

Und ein explosives Detail, das den Epa-Transport nicht eben einfacher macht: Streichhölzer. Kleine Ursache, große Wirkung: Durch ihre Beigabe wird ein harmloses Epa, gedacht zur optimalen Soldatenversorgung, nämlich zum Gefahrgut. Weshalb ein Lkw, beladen mit Einpersonenpackungen, nie ganz vollgeladen werden kann. Ein kleines, unpraktisches Kuriosum inmitten all dem Praktischen – und etwas, an dem man merkt: Man ist hier nicht im Sterne-Restaurant, sondern eben doch bei der Bundeswehr.

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