Schleswig-Holstein  Seriöse Gesellschaft für die Klimakleber

Miriam Scharlibbe
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Von Miriam Scharlibbe
| 20.06.2023 18:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Neben jungen Menschen gehören weitere Gesellschaftsgruppen zur Gruppe „Letzte Generation“. Darunter auch Senioren. Foto: IMAGO/Heiko Becker
Neben jungen Menschen gehören weitere Gesellschaftsgruppen zur Gruppe „Letzte Generation“. Darunter auch Senioren. Foto: IMAGO/Heiko Becker
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“Eine Welt”: Es könnte so einfach sein mit der letzten Generation. Man liebt oder hasst sie. Aber Schubladendenken hat es schwer in einer modernen Gesellschaft. Und nun kleben sich auch noch mehr und mehr Menschen fest, auf die unsere typischen Vorurteile so gar nicht passen wollen.

Die Welt ist nicht schwarz-weiß. Wir Menschen lieben Party und Protest, wollen die Erde retten und trotzdem online shoppen. Dabei setzen wir den Planeten in Brand. Die Klimakrise ist DAS Thema unserer Zeit. Miriam Scharlibbe legt den Finger in die Wunde und schaut dorthin, wo es wehtut: in den Spiegel. Sie kritisiert Verschwendung und Verwerfungen des Kapitalismus, Gedankenlosigkeit und mangelnde Nachhaltigkeit - und hadert dabei ständig mit sich selbst.

Für Schubladen ist es unangenehm geworden in dieser freiheitlichen modernen Welt. Zumindest für die, in die sich Menschen nach Vorurteilen und Klischees einsortieren lassen. Wer was auf sich hält, betont die eigene Toleranz. Dabei machen Schubladen dieser immer undurchschaubarer werdende Welt einfacher und das ist manchmal die einzige Art, wie wir all die Krisen überstehen können. 

So verhält es sich auch mit der neuen Generation der Klimaaktivisten. Man liebt sie oder man hasst sie. Dazwischen ist kein Raum für Grautöne. So war es zumindest bisher.

Nun aber greift die selbsternannte „Letzte Generation“ auf einen alten Trick zurück, mit dem schon die Aktivisten von Fridays for Future Sympathiepunkte in der breiten Masse der Gesellschaft sammeln konnten. Zur Hochzeit der von Greta Thunberg angeführten Bewegung gründeten sich immer mehr Splittergruppen. Damals demonstrierten auf einmal „Omas for Future“ und „Scientists for Future“. Und wer an erster Stelle Großmutter oder Wissenschaftler ist, der kann doch mit seinem Engagement nicht so ganz falsch liegen, oder?

Ganz ähnlich verhält es sich nun mit den gemeinhin als Klimaklebern bezeichneten neuen Aktivisten. Die bekommen jetzt vermeintlich seriöse Gesellschaft. Da ist zum Beispiel der vom Boulevard „Klebe-Professor“ getaufte Geologe Nikolaus Froitzheim (65) aus Bonn. Er und elf Mitstreiter der Gruppe „Scientist Rebellion“ hatten sich in weißen Kitteln auf der Fahrbahn angekettet, einige auch angeklebt. In Hörweite zu einer Bundespressekonferenz von Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne). Jetzt muss der Professor 3.600 Euro Geldstrafe zahlen. An seiner aktivistischen Überzeugung ändert das nichts. 

Es gibt inzwischen immer mehr dieser Beispiele von Klima-Aktivisten, die nicht in die typische Schublade der Sylt-Randalierer passen wollen: Jesuitenpater Jörg Alt (61) stand bereits in München vor Gericht. In Frankfurt musste sich Schauspielerin Mathilde Irrmann (29) für Klebeaktionen rechtfertigen. Die junge Mutter aus Berlin wurde mit ZDF-Produktionen, wie „Bad Banks“ bekannt. 

Inwieweit solche Aktivisten der Sache nützlich sind, wird sich noch zeigen. Offensichtlich ist bereits jetzt, die letzte Generation erreicht auch Generationen vor ihr und eine durchaus breitere Masse der Gesellschaft, als es Politik und Medien vielleicht wahrhaben wollen. Ob das aber Sachbeschädigung, Gefährdung öffentlicher Verkehrsräume und ideologische Sturheit rechtfertigt, ist eine andere Frage.

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