Frankfurt Die DFB-Frauen sind gut fürs Image, bringen aber kein Geld — wann ändert sich das?
Auch die Frauen-WM in Australien und Neuseeland wird für den DFB wieder ein Zuschussgeschäft, aber in absehbare Zeit sollen die deutschen Fußballerinnen dem Verband auch Geld in die Kasse spülen.
Das letzte Stück des bereits mit Kleister bestrichenen Papiers an der Plakatwand anzubringen, war für Sophia Kleinherne schlussendlich ein Kinderspiel. Kurz den Besen gehoben, dann hatte die deutsche Nationalspielerin an einer vielbefahrenen Kreuzung im Frankfurter Stadtteil Niederrad symbolhaft die WM-Kampagne mit ihrem Konterfei gestartet.
Bundesweit werden jetzt 600 Werbeflächen, die Hälfte davon digital, mit dem neuen Slogan belegt: „Wir, die mit Stolz für unser Land spielen. Und um den 3. Stern.“ Schriftlich ist hinterlegt, dass die DFB-Frauen bei der WM in Australien und Neuseeland (20. Juli bis 20. August) den dritten Titel nach 2003 und 2007 anstreben.
Mit der zeitgleich am Dienstag in Herzogenaurach gestarteten WM-Vorbereitung sollen Sichtbarkeit und Präsenz weiter gesteigert werden. Vielleicht gelingt es ja, dass die Frauen als identitätsstiftende Gemeinschaft für den deutschen Fußball wahrgenommen werden, wo die Männer gerade mit sinkendem Interesse zu kämpfen haben.
„Wir wollen neue Zielgruppen, neue Fans gewinnen“, sagte Doris Fitschen als Gesamtkoordinatorin „Frauen im Fußball“ keine fünf Minuten Fußweg weg von der DFB-Zentrale. Ihr Verband weiß noch gar nicht so genau, wie er es finden soll, dass die Fifa viele finanzielle Fragen für die Einzelverbände beantwortet hat.
Die vom Weltverband festgelegte Titelprämie für jede Spielerin von 270.000 Dollar (252.000 Euro) ist mehr als das Vierfache jener Summe, die der DFB für den EM-Sieg im vergangenen Jahr gezahlt hätte (60.000 Euro). „Von solchen Prämien hätten wir nicht zu träumen gewagt“, gestand Kleinherne, gleichzeitig machte die Abwehrspielerin von Eintracht Frankfurt deutlich, dass ihr Equal Play „viel wichtiger“ als Equal Pay sei. Erst überall gleiche Bedingungen für die Frauen, dann irgendwann vielleicht dieselbe Bezahlung wie die Männer. „Es bringt nichts, wenn wir drei, vier Treppenstufen überspringen, wenn die Grundbausteine nicht gelegt sind.“ Bemerkenswerte Worte einer 23-Jährigen.
Der DFB würde im Titelfall übrigens von der Fifa zusätzlich mit 4,29 Millionen Dollar Preisgeld bedacht. Der für Marketing und Vertrieb zuständige Geschäftsführer Blask sprach von „veränderten Spielräumen“, deutete aber an, dass diese WM weiterhin ein „Investitionsprojekt“ sei, wenn alle Kosten eingerechnet würden. Das Team hinter dem Team bei den Frauen ist fast genauso groß wie bei den Männern. Die Erlösseite bleibt trotz eines gestiegenen Interesses ausbaufähig, „in letzter Instanz muss es auch zum kommerziellen Erfolg kommen“, hieß es am Dienstag beim DFB-Partner Deloitte.
Während der Spielbetrieb und die Vermarktung der Männer-Nationalmannschaft im DFB-Haushalt 2021 ein Plus von 70 Millionen Euro einbrachte, war es bei den Frauen ein Minus von drei Millionen. Noch vor zwei Jahren waren die Sponsoren-Verträge direkt an die A-Nationalmannschaft der Männer geknüpft, die Frauen seien oft „reingeschoben“ worden, erklärte Blask. Erst mit der Auslagerung des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs in eine eigene DFB GmbH Anfang 2022 entstand eine eigene „Produktwelt Frauenfußball“, für die Unternehmen separate Pakete abschließen können.
Erste Erfolge zeigen sich: Nach dem Haushaltsgeräte-Hersteller Vorwerk und dem Internetriesen Google mit seiner Marke Google Pixel ist gerade die Tampon-Marke o.b. als Partner eingestiegen. „Wir hoffen, mit dieser Partnerschaft zur Enttabuisierung der weiblichen Periode beizutragen“, sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Die wirtschaftliche Bedeutung ihrer Nationalelf werde zwangsläufig wachsen, versicherte Vermarktungsprofi Blask, wollte aber keinen Zeitpunkt nennen, an dem die Gewinnzone mit dem Frauen- und Mädchenfußball erreicht werde.
Immerhin ist durch den neuen Fernsehvertrag mit ARD und ZDF erreicht, dass künftig auch die einzelnen Länderspiele nicht mehr defizitär sind. Wäre auch komisch, nachdem die Frauen bei der EM in England auf einer Welle der Sympathie schwammen, während die Männer die WM in Katar auf allen Ebenen vermasselten. Zudem waren die fast 18 Millionen TV-Zuschauer beim Frauen-Finale das Jahreshoch aller Fußball-Übertragungen in 2022. Für den finanziell in Schieflage geratenen Dachverband wäre es aus Imagegründen fast unbezahlbar, würden die Frauen sich 2023 tatsächlich mit dem dritten Stern schmücken.