Osnabrück Erich Maria Remarque: Fünf Gründe für den Welterfolg des Osnabrückers
Sein Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“ machte ihn zum Klassiker: Erich Maria Remarque wurde am 22. Juni vor 125 Jahren geboren. Warum bleibt er bis in die heutigen Tage wichtig? Fünf Gründe.
Seine Bestseller: 13 Romane in über 20 Verfilmungen – Erich Maria Remarque erreicht mit seinen Werken Millionen, bis heute. Wenn Experten die Gesamtauflage der Bücher des am 22. Juni 1898 in Osnabrück geborenen Autors beziffern wollen, schwanken die Angaben zwischen 40 und 50 Millionen Exemplaren.
Es gibt nur wenige andere deutsche Autoren oder Bücher, die solche Bestmarken noch übertreffen. Hermann Hesse zum Beispiel oder Grimms Märchen. Viel wichtiger: Remarques Werke sind in dutzende Sprachen übersetzt und das weltweit. Der Autor hat bis heute seine Leser.
Sein Klassiker: Ein Mann, ein Buch: Auch wenn er eine Reihe von sehr erfolgreichen Romanen verfasst hat – mit keinem Buch wird Erich Maria Remarque so stark identifiziert wie mit „Im Westen nichts Neues“. Der 1929 erschienene Roman ist nicht nur der klassische Antikriegsroman, er gilt auch mit Recht als eines der wichtigsten Bücher des 20. Jahrhunderts.
Die Geschichte Paul Bäumers, der von der Schulbank in den Krieg ziehen muss, hat bis heute Wucht und Wirkung. Remarque erzählt lakonisch von einer Generation, die die Erfahrung des Krieges um Jugend und Zukunft bringt. Seine Absage an falsches Heldenpathos kommt ohne Larmoyanz aus.
Bei ihrer Bücherverbrennung von 1933 warfen die Nationalsozialisten den Roman mit ins Feuer. Es nützte nichts: Als literarische Anklage wirkt „Im Westen nichts Neues“ weiter, heute mehr denn je.
Sein Leben als Weltstar: Marlene Dietrich war ein Weltstar aus Deutschland, sicher auch Karl Lagerfeld. Aber sonst? Vertreter dieser Kategorie sind in Deutschlands Kulturgeschichte rar gesät. Erich Maria Remarque war ein richtiger Weltstar, einer aus Deutschland, einer aus Osnabrück. 20 Filme wurden nach seinen Romanen gedreht.
Die Verfilmungen von „Im Westen nichts Neues“ von 1930 und 2022 rahmen diese Reihe. Zwei Verfilmungen eines Romans im Abstand von 92 Jahren! Man muss wirklich ein Weltstar sein, um das zu schaffen.
Remarque führte ein Leben mit Stil und Klasse – als Kunstsammler und ein Mittelpunkt vieler Partys. Ob die Dietrich, Greta Garbo, Hedy Lamarr oder schließlich Paulette Goddard, die frühere Frau Charlie Chaplins – Remarque faszinierte sie alle, als stilvoller Mann von Welt.
Sein Schicksal als Emigrant: „Remarque hatte unglaublich viel Geld“: Kunsthändler Walter Feilchenfeldt brachte den materiellen Erfolg des Autors in einem Dokumentarfilm auf den Punkt. Sein Haus in Porto Ronco bei Ascona bot den Rahmen für ein splendides Leben – auf den ersten Blick. In Wirklichkeit gehörte Erich Maria Remarque nicht nur zu den Emigranten, er litt auch unter dieser Ausgrenzung.
Remarque reagierte, indem er aktiv wurde. Der Osnabrücker Autor half Autoren, die ebenfalls von den Nationalsozialisten ins Exil gedrängt wurden. Sein Haus in der Schweiz avancierte zum Anlaufpunkt für Emigranten von Thomas Mann bis Carl Zuckmayer.
Remarques Schicksal nach 1945 war gleichfalls repräsentativ: Er kehrte nicht nach Deutschland zurück, sondern blieb in der Schweiz, die ihn 1968 zum Ehrenbürger ernannte.
Seine Botschaft als Humanist: War er ein militanter Pazifist, weil er in seinem Roman „Arc de Triomphe“ den Exilanten Ravic an seinem ehemaligen Peiniger Haake blutige Rache nehmen lässt? Remarque war vor allem ein Mann der gelebten Empathie, ein Schriftsteller voller Skrupel, ein Zeitgenosse, der sich nicht davon abbringen ließ, für das Recht jedes Menschen zu kämpfen, hier und jetzt würdevoll zu leben.
„Was bleibt, wenn wir nicht daran glauben, dass ein Fortschritt möglich ist?“ Mit diesem Lebensfazit beschloss er das berühmte Interview, das Friedrich Luft 1962 mit ihm führte. Erich Maria Remarque war ein Humanist. Das klingt unverbindlich und nach Gutmensch. Das 21. Jahrhundert entwickelt sich gerade zu einer Zeit, in der sie wieder dringend gesucht sind – Humanisten vom Schlage Erich Maria Remarques.
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