Artikel 1, GG  Was ist rassistisch, was menschlich?

Canan Topçu
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Von Canan Topçu
| 21.06.2023 09:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Die Grenzen zwischen Rassismus und „normalen“ Animositäten verschwimmen manchmal im Alltag. Unsere Kolumnistin hat deshalb eine ganz bestimmte Bitte.

Staatsministerin Reem Alabali-Radovan hat einen Expertenrat zu Antirassismus berufen. Die zwölf Mitglieder kommen aus der Wissenschaft, Verwaltung und Praxis und sollen Vorschläge für „eine wirksame, nachhaltige Antirassismus-Politik insbesondere zur Bekämpfung von strukturellem und institutionellem Rassismus erarbeiten“.

Das ist eine gute Nachricht! Ob sich die Erwartungen erfüllen, wird sich zeigen. Ich bin skeptisch, was Gremien betrifft, die von der Bundesregierung ins Leben gerufen werden. Meist ist nicht nachvollziehbar, was die Mitglieder qualifiziert; warum ausgerechnet diese und nicht andere berufen wurden, weiß man meist, wenn man ihre Parteipräferenzen und Netzwerke kennt. Hoffentlich erarbeitet das Gremium jenseits der Interessen der eigenen Lobby Vorschläge für eine wirksame Antirassismus-Politik. „Rassismus“, heißt es in der Mitteilung der Staatsministerin, „ist in Deutschland lange ignoriert, verdrängt, kleingeredet (worden), von der Politik, aber auch in der Gesellschaft“.

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Zu allererst sollten die Experten sich auf eine Rassismus-Definition einigen – auf eine, die nicht jedwede Animosität als Rassismus labelt, die zwischen… ja zwischen wem eigentlich passiert? Hier ist schon ein Problem! Die einen akzeptieren nicht, dass die Linie zwischen Rassismus nicht zwischen heller und dunkler Hautfarbe verläuft, andere wiederum erachten schon allein die Frage nach der Herkunft als rassistisch.

„Rassismus ist kein Randphänomen, sondern Alltag für viele Menschen und eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie“, so Alabali-Radovan. Ich kann dem zustimmen, wenn ich eine klarere Definition von Rassismus habe. Ich wünsche mir, dass Strategien und Maßnahmen erarbeitet werden, die nicht allein den Blick darauf richten, was an der Reaktion, dem Verhalten und Handeln „rassistisch“ ist und was schlichtweg zu tun hat mit zwischenmenschlicher Abneigung – unabhängig von der Hautfarbe, Herkunft, Religionszugehörigkeit und anderer Merkmale.

Kontakt: kolumne@zgo.de