Kolumne „Alles Kultur“  Warum machen wir eigentlich Musik?

Annie Heger
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Eine Kolumne von Annie Heger
| 19.06.2023 08:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Annie Heger
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Montags geht es an dieser Stelle immer um Kultur. Heute beschäftigt sich unsere Kolumnistin damit, warum Menschen seit Jahrtausenden Musik machen. Und mit der Frage, ob man einem Menschen sein Instrument ansehen kann.

Mittwoch ist „Fête de la Musique“ – oder aber auch hierzulande der Internationale Tag der selbst gemachten Musik. Dieser Tag wird seit 1981 traditionell zum kalendarischen Sommeranfang mittlerweile in mehr als 300 europäischen Städten begangen. Überall auf Plätzen und auf Straßen wird gespielt, gesungen und dazu getanzt.

Zur Person

Annie Heger (40), geboren in Aurich und heute hauptsächlich in Berlin lebend, singt, ist Schauspielerin und moderiert Shows, Festivals, Varietés und Galas. Außerdem ist sie Plattdeutsch-Aktivistin und war zehn Jahre lang Intendantin des „PLATTart“-Festivals.

Seit Jahrtausenden machen Menschen Musik, obwohl es rein evolutionspsychologisch betrachtet dafür keinen Grund gibt. Die Musik ist für den Menschen ja schließlich nicht überlebenswichtig. Die ältesten Funde von Instrumenten gibt es aus der mittleren Altsteinzeit, darunter Flöten und dem Xylofon ähnliche Klangsteine.

Die Möglichkeiten, heute Musik zu machen, sind um einiges vielfältiger als vor 50.000 Jahren. Ich fahre ja ziemlich gut mit dem Stefan-Raab-Prinzip: alles ein bisschen, nichts richtig. Das ist sicherlich auch ein Ausdruck meiner Persönlichkeit – à la „Sag mir, welches Instrument du spielst, und ich sage dir, was für ein Mensch du bist?“ Und umgekehrt: Kann man Menschen ansehen, welches Instrument sie spielen?

Trompeter haben so ein typisches Gesicht, finde ich: diese kleinen Grübchen durch den speziellen Blasansatz. Und Menschen, die Geige spielen, haben oft so einen sogenannten Geigerfleck am Hals. Viele Sänger*innen laufen mit Schal herum und man sagt ja nicht umsonst, dass jemand Klavierfinger hat. Allerdings habe ich welche, doch bin aber die weltschlechteste Klavierspielerin. Und ich erinnere mich noch gut daran, als Ruth in die Kantine des Staatstheaters kam, dass ich dachte, die sieht aus wie so eine typische Querflöte. Nix da, sie spielt TUBA!

Bewiesen ist jedoch, dass Menschen, die ein Instrument spielen können, weniger anfällig für psychische Probleme sind. Es ginge ihnen besser, sie würden zufriedener und entspannter sein. Das gaben immerhin 89 Prozent aller Teilnehmenden einer Studie an. Dabei war es egal, ob sie Gitarre, Flöte oder Klavier spielten. Also ist es doch ganz klar, warum die Menschen immer schon Musik gemacht haben. Denn wozu überleben, wenn nicht für das Schöne und vermeintlich Nutzlose.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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