Vom Unternehmer zum Musiker  Wie es einen Emder bis nach Costa Rica verschlug

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 16.06.2023 21:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Hat das Büro gegen den Strand und den Schreibtisch gegen die Gitarre ausgetauscht: Der aus Emden stammende Maxim Kahlert, der sich als Musiker Maxim Marlo nennt und nun in Costa Rica lebt. Foto: Privat
Hat das Büro gegen den Strand und den Schreibtisch gegen die Gitarre ausgetauscht: Der aus Emden stammende Maxim Kahlert, der sich als Musiker Maxim Marlo nennt und nun in Costa Rica lebt. Foto: Privat
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Maxim Kahlert und war Start-up-Gründer – dann krempelte er sein Leben um. Nun lebt er in Costa Rica und macht Musik. Aber kann man damit im Urlaubsparadies den Lebensunterhalt bestreiten?

Puerto Viejo/Emden - Karibische Strände statt regennasser Londoner Straßen, Songs schreiben am Meer statt Businesspläne erstellen im Büro: Maxim Kahlert, der in Emden aufgewachsen ist, hat sein Leben komplett umgekrempelt. Mit Anfang 20 zog es ihn nach Großbritannien, um seinen Traum vom eigenen Unternehmen zu verfolgen, nun widmet er sich in Costa Rica der Musik – und hat sich dafür sogar einen Künstlernamen zugelegt: Maxim Marlo.

2015, Kahlert war damals 21 Jahre alt, besuchte er unsere Redaktion, um sein Projekt vorzustellen: Das Onlineportal „Berufy“, auf dem zwischen Arbeitnehmern und Firmen vermittelt werden sollte. Seine Vision: Erfolg mit einem Internet-Start-up. Doch nun, gut acht Jahre später, ist er aus Puerto Viejo, seinem neuen Zuhause direkt am Karibischen Meer, zugeschaltet – und auf dem Bildschirm kaum wiederzuerkennen: braun gebrannt und mit langen Haaren. „Ich lebe in einem tollen Land und habe ein tolles Leben“, sagt Kahlert.

Mit dem Internet-Start-up war es irgendwann vorbei

Aber wie kam es zu diesem Wandel? Er sei noch einige Zeit in London geblieben, sagt der 29-Jährige – dort sei aber alles „sehr business-mäßig“ gewesen. Es zog ihn dann nach Berlin, wo es „ein bisschen entspannter“ gewesen sei. Er habe weiter als freiberuflicher Web-Designer gearbeitet und versucht, sein Onlineportal voranzubringen. Letztlich sei das Projekt aber gescheitert. Um mit größeren Mitbewerbern unter den Jobportalen mithalten zu können, hätten die Zeit und das Personal gefehlt. „Es war nicht so einfach, da loszulassen“, sagt Kahlert. Ein Blick ins Internet-Archiv zeigt, dass „Berufy“ irgendwann 2018 aus dem Netz verschwand. „Aber man lernt ja auch daraus“, sagt der Gründer im Rückblick.

2015 hatte Maxim Kahlert sein Online-Jobportal „Berufy“ an den Start gebracht und unsere Redaktion besucht. Doch einige Jahr später war das Projekt gescheitert. Foto: Alberts/Archiv
2015 hatte Maxim Kahlert sein Online-Jobportal „Berufy“ an den Start gebracht und unsere Redaktion besucht. Doch einige Jahr später war das Projekt gescheitert. Foto: Alberts/Archiv

Kahlert widmete sich den nächsten Projekten: Er organisierte mit Freunden Events und wurde als Franchisenehmer Betreiber eines Fitnessstudios in Berlin-Wilmersdorf. „Ich bin schon immer sehr sportbegeistert gewesen“, sagt er. Während seiner Schulzeit in Emden war er dort im Ruderverein aktiv. Mit dem Studio in Berlin habe es deshalb gut gepasst.

Corona brachte die entscheidende Wende im Leben

„Mein Lebensweg war wirklich auf das Unternehmerische ausgerichtet“, erzählt Kahlert. Mit der Zeit sei er aber immer unzufriedener geworden. „Irgendwann habe ich gemerkt: Das war wie ein Zug, der auf einer Schiene fährt.“ Alles sei immer irgendwie weitergegangen, er habe quasi sieben Tage die Woche gearbeitet – und irgendwann habe sich für ihn die Frage gestellt: „Wo bin ich eigentlich?“ Hinzu kamen 2020 dann auch noch Corona und die damit verbundenen Beschränkungen: Das Fitnessstudio musste vorübergehend schließen.

Kahlert nutzte die Zeit Anfang 2021 für einen Trip nach Brasilien. Aus dem Urlaub seien schließlich zweieinhalb Monate in Südamerika geworden, in denen er sich auch eine Gitarre gekauft und damit begonnen habe, eigene Songs zu schreiben. „Ich habe immer ein bisschen Musik gemacht, aber auf diesem Unternehmer-Weg ging das verloren“, sagt der 29-Jährige. Als er zurück nach Deutschland kam, sei das ein Schock für ihn gewesen. Er habe sich gedacht: „Ganz zu Hause fühle ich mich hier nicht mehr“, berichtet Kahlert.

Die erste Single von Maxim Marlo ist bereits erschienen

Der Wunsch, auszuwandern, sei immer größer geworden – und die Wahl dank Tipps von Freunden schließlich auf Costa Rica gefallen, obwohl er vorher noch nie dort gewesen sei. Das Fünf-Millionen-Einwohner-Land in Mittelamerika habe ihn auch wegen der dortigen gesellschaftspolitischen Lage gereizt – die Armee wurde bereits Ende der 40er Jahre abgeschafft, der Strom stammt fast komplett aus regenerativen Quellen. In Costa Rica habe er mittlerweile „viele positive Eindrücke gewonnen“, sagt Kahlert.

Und nun treibt er die Musik als neues Projekt voran: Am Freitag ist unter dem Künstlernamen Maxim Marlo die erste Single „Ocean“ erschienen und steht bei Streaminganbietern bereit. Er habe den Song im vergangenen Jahr nach einem regnerischen Tag am Strand geschrieben – und so klingt „Ocean“ dann auch: entspannter Indie-Folk mit dem Rauschen des Meeres im Hintergrund.

Das Fitnessstudio in Berlin hat er endgültig hinter sich gelassen

Er hoffe, dass ihm der Song die Möglichkeit eröffne, ein ganzes Album aufzunehmen, sagt Kahlert – Lieder genug gebe es dafür bereits. Bei der Musik gehe es ihm aber nicht darum, reich und berühmt zu werden. „Für mich ist es das Wichtigste, es auszuprobieren“, sagt er. Er spüre in sich den Antrieb für die Musik. „Ich muss es einfach machen.“

Aber wovon lebt man denn in Costa Rica? Von der Musik allein? Nein, sagt Kahlert: Bis zuletzt sei er immer noch Betreiber des Fitnessstudios in Berlin gewesen, das nun an einen Nachfolger übergeben worden sei. Zudem biete er Events an – gemeinsam mit seiner Partnerin, die selbst vor einigen Jahren ihren Job an der New Yorker Wall Street gegen ein Leben in Costa Rica eintauschte, wie sie auf ihrer Webseite schreibt. Was Kahlert damit meint, wird bei einer Suche im Internet deutlich: Einwöchige Yoga-Workshops für Paare etwa, mitsamt Unterbringung in einer „luxuriösen Privatvilla“, wie es auf einem Buchungsportal heißt. Die Kosten: ab 3200 Euro pro Person. So ganz scheint Maxim Kahlert – oder Maxim Marlo, wie er sich jetzt nennt – seinen Unternehmergeist auch in Costa Rica nicht verloren zu haben.

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