Osnabrück  EZB-Zinsentscheid: Es gilt durchzuhalten – und notfalls die Bank zu wechseln

Corinna Clara Röttker
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Von Corinna Clara Röttker
| 15.06.2023 16:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
EZB-Chefin Christine Lagarde: Die Euro-Währungshüter legen im Kampf gegen die anhaltend hohe Inflation mit der achten Zinserhöhung in Folge nach. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beschloss eine Anhebung der Leitzinsen im Euroraum um weitere 0,25 Prozentpunkte. Foto: www.imago-images.de
EZB-Chefin Christine Lagarde: Die Euro-Währungshüter legen im Kampf gegen die anhaltend hohe Inflation mit der achten Zinserhöhung in Folge nach. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beschloss eine Anhebung der Leitzinsen im Euroraum um weitere 0,25 Prozentpunkte. Foto: www.imago-images.de
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Die Europäische Zentralbank erhöht die Leitzinsen erneut. Gut so, denn Geldpolitik braucht Geduld. Eine Sache dabei geht allerdings gar nicht.

In Zeiten, in denen so gut wie alles teurer geworden ist und viele Bürger am Ende des Geldes noch viel zu viel Monat übrig haben, ist eines erst recht Mangelware: Geduld. Doch gerade Geldpolitik braucht Geduld. Rund ein Jahr dauert es erfahrungsgemäß, bis sich eine Straffung durch eine Notenbank in der Inflationsrate bemerkbar macht. Das Muster zeigt sich auch aktuell: Der Preisauftrieb in der Eurozone hat sich zuletzt abgeschwächt. Die Zinserhöhungen der EZB wirken also und sind erfolgreich.

Das ist zwar erfreulich, ändert aber nichts daran, dass die Inflations- und insbesondere die Kerninflation, also die Teuerung ohne Berücksichtigung von Energie- und Lebensmittelpreise, noch immer viel zu hoch sind. Die erneute Zinsanhebung der EZB ist entsprechend richtig – auch weil mit das wichtigste Ziel der EZB derzeit der Schutz ihrer Glaubwürdigkeit ist. Sie muss Unternehmen, Investoren und Gewerkschaften klar signalisieren, dass sie in den kommenden Jahren zur Preisstabilität zurückkehren wird, um so eine Gewinn-Preis-Spirale oder eine Lohn-Preis-Spirale zu verhindern.

Für die inflationsgeplagten Bürger heißt das: Bauzinsen und Kredite verteuern sich weiter. Was für sie aber besonders ärgerlich ist: Wenigstens Sparer müssten jetzt eigentlich profitieren und wieder mehr Zinsen für ihr Geld bekommen. Doch während die Banken – die großen Profiteure der strafferen Geldpolitik – in Zeiten der Negativzinsen diese gar nicht schnell genug an ihre Kunden weitergeben konnten, warten jetzt vor allem Sparer bei Regionalbanken immer noch darauf, dass ihr Institut ihnen überhaupt mal wieder Zinsen zahlt. Das ist frech.

Geduld mag bekanntlich ja eine Tugend sein. Doch wem diese in diesen Zeiten abhandengekommen ist, kann jetzt immerhin wieder zu einer Bank mit besserem Zinsangebot wechseln. Das mag die Teuerung zwar nicht ausgleichen, belebt aber zumindest den Wettbewerb unter den Geldhäusern.

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