Wir klären die wichtigsten Fragen Lohnt sich ein E-Auto auch für Mieter ohne Wallbox?
E-Autos stehen fürs Fahren der Zukunft. Doch längst nicht jeder Ostfriese hat die Möglichkeit, das Fahrzeug zu Hause zu laden. Wie können Mieter von Wohnungen trotzdem Teil der Mobilitätswende werden?
Ostfriesland - Ein großer Baustein im Kampf gegen den Klimawandel ist der Umstieg vom Verbrenner auf das Elektroauto. Für alle, die ein Eigenheim besitzen, ist die Frage nach dem Aufladen schnell geklärt: In der Regel wird das Auto an der heimischen Wallbox, also an der Wandladestation mit Drehstrom, geladen. Abends angeschlossen, ist der Wagen am nächsten Morgen wieder auf dem gewünschten Ladestand – und abfahrbereit. Besonders günstig tankt, wer beim Laden auf Strom aus der eigenen Photovoltaik-Anlage zurückgreifen kann. Das Problem: Auch im ländlich geprägten Ostfriesland besitzt längst nicht jeder Wohneigentum. Viele Menschen leben zur Miete in einem Haus, einer Doppelhaushälfte oder – und da wird es mit der Wallbox wohl am kompliziertesten – in einer Wohnung. Wie wird das E-Auto auch für Mieter zum sinnvollen Alltagsbegleiter?
Muss mir mein Vermieter eine Wallbox zur Verfügung stellen?
Nein, dafür gibt es keinen Rechtsanspruch. Das reformierte Mietrecht gewährt dem Mieter gegenüber dem Vermieter allerdings einen Anspruch auf die Erlaubnis, eine Wallbox installieren zu lassen, sofern er über einen Stell- oder Tiefgaragenparkplatz verfügt. Geregelt ist das in § 554 BGB. Die Kosten muss der Mieter selbst tragen, es sei denn, es wird etwas anderes vereinbart. Der Vermieter kann vom Mieter eine Kaution verlangen, um beispielsweise nach dem Auszug des Mieters den Rückbau der Wallbox zu bezahlen. Es kann sich etwa in einem Mehrfamilienhaus anbieten, sich mehrere Mitstreiter zu suchen. So können Kosten reduziert werden.
Apropos Mehrfamilienhaus: Ein bisschen komplizierter wird es, wenn nicht alle Wohnungen einem einzigen Vermieter gehören, sondern es sich um Eigentumswohnungen handelt. Zwar besteht auch hier nach § 554 BGB ein Anspruch gegenüber dem Vermieter, allerdings muss darüber erst die Eigentümerversammlung entscheiden. Verbieten kann sie das nach § 20 Abs. 2 Nr. 2 WEG allerdings ohnehin nicht. Wie so oft im Leben gilt trotz aller rechtlicher Regelungen: Im persönlichen Gespräch lässt sich meistens alles am besten klären.
Kann ich mein E-Auto auch an einer normalen Steckdose aufladen?
Grundsätzlich bieten viele Autohersteller auch das Laden an einer Schuko-Steckdose – das sind die normalen Haushaltssteckdosen – an. Oftmals wird das dafür notwendige Kabel als Notladekabel bezeichnet – was schon darauf hindeutet, dass diese Lademethode nicht zur Regel werden sollte. Vor allem bei älteren Häusern kann es sein, dass die Stromleitungen einem hohen Stromverbrauch über eine lange Zeit nicht gewachsen sind. Die Folgen können Überhitzungen und im schlimmsten Fall Brände sein. Oft sind diese Schäden nicht von der Gebäudeversicherung abgedeckt.
Der Gesamtverband der Versicherer GDV schreibt etwa: „Das Laden an üblichen Schutzkontaktsteckdosen ist zwar grundsätzlich möglich, diese sind jedoch nicht für eine höhere Dauerbelastung ausgelegt.“ Ob und für welchen Ladestrom die jeweilige Steckdose und die Elektroinstallation geeignet seien, solle daher immer von einer Elektrofachkraft geprüft und bescheinigt werden. „Erst dann sollten sie für das Laden von Elektrofahrzeugen mit mobilen Geräten verwendet werden“, so der GDV. Sicherer und störungsfreier seien fest installierte Ladeeinrichtungen.
Weiterer Nachteil der Schuko-Steckdose: Wegen der geringen Ladeleistung von höchstens 2,3 Kilowatt dauert das Aufladen sehr, sehr lange. Außerdem ist das Laden ineffizient: Dem ADAC zufolge gehen beim Laden an der Haushaltssteckdose 10 bis 30 Prozent des verbrauchten Stroms einfach verloren.
Wie sieht es mit öffentlichen Ladesäulen aus?
In den ostfriesischen Städten ist in den vergangenen Jahren ein Netz an Ladesäulen geschaffen worden, auf dem Land sieht die Angelegenheit deutlich dünner aus. Die Bundesnetzagentur stellt auf ihrer Webseite eine regelmäßig aktualisierte Ladesäulenkarte zur Verfügung. Ein weiteres empfehlenswertes Verzeichnis findet sich im Internet auf der Webseite von GoingElectric.
Die meisten der ostfriesischen Säulen liefern eine Ladeleistung von bis zu 22 Kilowatt, an denen das E-Auto mit dem üblichen Typ-2-Stecker mehrere Stunden lang lädt, bis es voll ist. Nur an wenigen Stellen werden Schnellladesäulen angeboten, an denen Autos – sofern sie das unterstützen – mit bis zu 300 Kilowatt betankt werden können. Zum Einsatz kommen dann in der Regel CCS-Stecker, bei exotischen Autos auch die weniger verbreiteten CHAdeMO-Anschlüsse. Achtung: Insbesondere bei älteren Fahrzeugen – zum Beispiel beim E-Golf von Volkswagen – war die Schnellladefunktion nicht Serie und musste extra dazu bestellt werden.
Beim Gebrauchtwagenkauf sollte also unbedingt auf diese Funktion geachtet werden, insbesondere, wenn auch längere Reisen geplant sind. An vielen Autobahnen gibt es inzwischen ein recht verlässliches Netz an Schnellladesäulen – ärgerlich wird es aber, wenn zwar die Säule den Strom schnell abgeben, das Auto mit dieser Ladeleistung aber nicht umgehen kann. Das kann einen Ladestopp in die Länge ziehen.
Wie funktioniert das öffentliche Laden?
Wer denkt, wie bei einer Verbrenner-Tankstelle einfach bar oder mit Girocard beziehungsweise Kreditkarte zahlen zu können, hat an den meisten Ladesäulen keine Chance. In der Regel setzen die Anbieter auf Ladekarten und Smartphone-Apps, um Kunde und Auto zu identifizieren. Oftmals lässt sich mit dem Smartphone auch ein QR-Code an der jeweiligen Ladesäule scannen. Abgerechnet wird je nach Anbieter dann per Monatsrechnung, Lastschrift, Kreditkarte oder PayPal. In den allermeisten Fällen wird verbrauchsbasiert abgerechnet, früher war eine zeitliche Abrechnung üblicher als heute.
Der Anbieter mit der mit Abstand größten Verbreitung in Ostfriesland ist EWE Go. „EWE Go betreibt aktuell 319 Ladestationen vom Typ 2 (…) in Ostfriesland. Bei den CCS-Steck-Vorrichtungen (…) sind es 22 Ladestationen in Ostfriesland“, so eine Sprecherin des Energieversorgers. Mit mehr als 2000 Ladevorrichtungen bundesweit sei man der drittgrößte Anbieter Deutschlands. Für die kommenden Monate seien acht neue Ladepunkte geplant – zum Beispiel in Aurich und in Leer.
Wer in einer ostfriesischen Stadt lebt, kein monatliches Abo abschließen möchte und keine Chance hat, am Arbeitsplatz oder zu Hause laden, wird um die Oldenburger Ladekarte beziehungsweise App nicht herum kommen. Aktuell kostet das Schnellladen mit der EWE-Karte an EWE-eigenen Säulen 59 Cent pro Kilowattstunde und an den Säulen anderer Anbieter 64 Cent. Das langsame Laden kostet 49 beziehungsweise 59 Cent pro Kilowattstunde. Darüber, wie sich die Preise künftig entwickeln, gibt eine EWE-Sprecherin auf Nachfrage der Redaktion keine Antwort: „Aus wettbewerblichen Gründen geben wir keine Auskünfte zur zukünftigen Preisgestaltung.“
Am Beispiel von EWE Go unterscheiden sich die Kosten an eigenen Säulen zu denen an Säulen von Fremdanbietern um bis zu zehn Cent pro Kilowattstunde. Bei einem realistischen Verbrauch von 15 Kilowattstunden auf 100 Kilometern würde das einen Unterschied von 1,50 Euro machen. Geht man von einer Jahresfahrleistung von 10.000 Kilometern aus, würde das im Jahr 150 Euro ausmachen. Bei anderen Ladekarten-Anbietern geht die Kostenschere oftmals noch viel weiter auseinander. Das bedeutet: Mit der richtigen Ladekarte lässt sich richtig Geld sparen. Aber auch: Das Portemonnaie beziehungsweise die Ablagen im Auto können richtig voll werden.
Manche Anbieter akzeptieren gar keine Fremdkarten. In Leer kann etwa an den Tesla-Superchargern am Ems-Park nur mit der Tesla-App gezahlt werden, dafür mitunter aber günstiger: Je nach Tageszeit und Auslastung können Kunden, die keinen Tesla fahren, sondern ein anderes Fabrikat, dort für mitunter 53 Cent pro Kilowattstunde mit bis zu 250 Kilowatt laden. Wer am neuen Lidl-Markt an der Leeraner Ubbo-Emmius-Straße laden will, sollte die Lidl-Plus-App benutzen – sonst wird es richtig teuer. Mit üblichen Ladekarten kann es dort schon mal bis zu 79 Cent pro Kilowattstunde kosten. Wer mit der Lidl-App lädt, zahlt fürs Schnellladen nur 48 Cent, fürs normale Laden sogar nur 29 Cent. Ebenfalls verhältnismäßig günstig lässt sich an der neuen Score-Tankstelle an der Oldenburger Straße in Leer laden: 39 Cent fürs Laden mit 22 Kilowatt, 49 Cent mit 40 Kilowatt und 50 Cent mit 150 Kilowatt. Abgerechnet wird hier ohne Ladekarte, stattdessen werden ganz normale Debit- oder Kreditkarten akzeptiert.
Angesichts des noch immer herrschenden Ladekarten-Durcheinanders sei jedem, der das öffentliche Laden in Erwägung zieht, die kostenlose App Chargeprice ans Herz gelegt. Das Programm zeigt auf einer Karte Ladesäulen in der Nähe an – inklusive der verschiedenen Preise je nach Ladeanbieter. Die App kann sich merken, welche Ladekarten und Anbieter-Apps man hat, und spuckt die günstigste Methode aus, genau an dieser Säule in genau diesem Moment sein Auto aufzuladen. Herausfiltern lassen sich beispielsweise Abo-Modelle oder Anbieter, die nur Menschen, die in einer bestimmten Region wohnen, zur Verfügung stehen.
Darf ich stundenlang an einer Säule stehen?
Wenn es die örtlichen Beschilderungen erlauben, im Grunde ja – allerdings kann das ins Geld gehen. Gerade für E-Auto-Fahrer, die das Fahrzeug über Nacht nicht an der heimischen Wallbox laden können, ist es attraktiv, das Auto abends an die öffentliche Ladesäule zu hängen und morgens vollgeladen wieder abzuholen. In vielen Fällen verlangen die Lade-Anbieter allerdings sogenannte Blockiergebühren. Üblich ist es etwa, beim Schnellladen nach einer Stunde und beim langsamen Laden nach vier Stunden einen Aufschlag pro Minute zu erheben. Viele Anbieter nehmen dafür zehn Cent pro überzogener Minute.
Besonders restriktiv ist Tesla. Ist eine Supercharger-Station zu 50 Prozent oder mehr besetzt und wird eine Säule über den Ladevorgang hinaus blockiert, kostet das 50 Cent pro Minute. Ist die Station zu 100 Prozent belegt, fällt pro Minute sogar ein ganzer Euro an. Es gibt allerdings Ausnahmen. Beispielsweise verlangt EWE Go nach aktuellem Stand keine Blockiergebühr. Heißt: Das Auto kann über Nacht ohne zusätzliche Kosten an der Säule bleiben. „Wir verlassen uns darauf, dass die Nutzer:innen die jeweilige Parkzeitbeschränkung an den Ladestationen einhalten und Ladepunkte nicht unnötig blockieren“, heißt es dazu aus Oldenburg. Auch bei der Leeraner Score-Tankstelle werden aktuell keine Blockiergebühren erhoben.