Gegen den Trend Bargeld ist auf dem Rückzug – beim Autokauf aber nicht
Bargeld macht den Kauf oder Verkauf eines Autos einfacher und schneller. Ganz ohne ist ein solches Geschäft aber nicht.
Leer - „Auto Sofortankauf – bares Geld“, „Auto verkaufen, sofort Bargeld“, „Verkaufen Sie Ihr Fahrzeug noch heute und erhalten Sie sofort Bargeld.“ – ein kurzer Blick ins Internet und es wird deutlich: Im Supermarkt mag das Bargeld auf dem Rückzug sein, im Autohandel spielt es aber weiterhin eine große Rolle. Warum ist das so?
Was und warum
Darum geht es: Im Gebrauchtwagen-Handel spielt Bargeld noch eine große Rolle.
Vor allem interessant für: alle, die mit dem Gedanken spielen, sich einen Gebrauchtwagen zu kaufen
Deshalb berichten wir: Uns sind Werbeschilder bei Gebrauchtwagen-Händlern aufgefallen, die auf die Möglichkeit der Barzahlung hinweisen. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
„Weil man den Verkauf so am schnellsten und einfachsten über die Bühne bekommt“, sagt Arianit Murati, der Besitzer von AM Cars in Leer. Wenn das Geld vorher überwiesen werden müsste, könnte das Auto erst dann den Besitzer wechseln, wenn das Geld tatsächlich auf dem Konto sei. „Aber wenn die Beträge höher werden, so ab 7000 oder 9000 Euro, wollen die meisten Kunden doch lieber überweisen. Das ist dann auch sauberer für den Steuerberater“, berichtet er von seinen Erfahrungen. Auch wenn er selber Fahrzeuge ankaufe – in der Regel beim Händler – geschehe das häufig bar. „Dann bekomme ich gleich alle Papier und kann das Auto mitnehmen“, sagt Murati.
Geldwäschegesetz muss beachtet werden
Etwa die Hälfte derjenigen, die Hiro Automarkt ihr Auto verkauften, machten das, weil sie Geld brauchen, und freuten sich, wenn sie gleich das Bargeld bekämen, sagt Stephan Hinrichs, Verkaufsleiter in Leer. Bei Autos, für das noch ein Darlehen abgezahlt werde, löse sein Unternehmen das auch ab und zahle den Rest dann bar aus. „Auch dieses Angebot wird gerne genutzt.“ Vielen Kunden sei aber eine Überweisung lieber.
„Je größer das Autohaus, desto seltener werden Bargeld-Geschäfte gemacht“, ist seine Einschätzung. Schon alleine wegen des Geldwäschegesetzes. Und wegen der großen Geldmengen im Haus. „Wir fahren dreimal am Tag das Geld zur Bank. Kleinere Unternehmen haben die Kapazitäten gar nicht.“ Nach dem Geldwäschegesetz gilt der KFZ-Handel ausdrücklich als potenzieller Schauplatz von Geldwäsche. Deshalb muss ein Händler bei Geschäften ab 10.000 Euro oder wenn ihm etwas komisch vorkommt, seinen Geschäftspartner – egal, ob das eine Privatperson ist oder eine Firma – identifizieren. Das heißt, er muss seine Daten aufnehmen und die Richtigkeit anhand beispielsweise eines Ausweises kontrollieren.
Blitzüberweisung kann eine Alternative sein
Hiro kaufe Autos in ganz Deutschland auf, sagt Hinrichs. Um die Fahrer zu schützen, versuche man Barzahlung zu vermeiden, wenn die lange Strecken fahren müssten. „Es gibt ja auch noch die Möglichkeit der Blitzüberweisung. Dann ist das Geld in wenigen Minuten auf unserem Konto.“
Die „Initiative Sicherer Autokauf“, an der neben verschiedenen Online-Plattformen auch der ADAC und die Polizei beteiligt sind, loben die Barzahlung als sicher, raten aber zu folgenden Vorsichtsmaßnahmen: Die Kaufverträge sollten von beiden Seiten unterschrieben sein, bevor das Geld und das Auto samt Schlüssel und Papieren übergeben werden. Die Geldübergabe sollte am besten tagsüber in einem sicheren Umfeld, am besten in der Nähe einer Bank, stattfinden. Dort könnte das Geld dann schnell eingezahlt und die Echtheit der Scheine überprüft werden. Wenn das beachtet werde, sei ein Autokauf oder -verkauf mit Bargeld eine sinnvolle Sache – in einigen Fällen könne man so auch einen besonders guten Preis erhandeln.
Nils Linge, Pressesprecher des ADAC Weser-Ems warnt aber auch vor einigen „Schwarzen Schafen“, die sich auf dem Gebrauchtwagen-Markt tummelten. Sie kauften Autos, hübschten die auf, manipulierten womöglich den Kilometerstand und verkauften sie dann wieder mit stattlichem Gewinn – gegen Bargeld, damit der Handel schnell über die Bühne geht. Er rät deshalb, grundsätzliche einen Dritten zum Kauf mitzunehmen, in jedem Fall auf einen Kaufvertrag zu bestehen und sofern man nicht selber fachkundig ist, einen unabhängigen Sachverständigen das Auto begutachten zu lassen.