Wassermangel So ist die Lage in der Landwirtschaft
Setzt der Regen weiter aus, könnte es für Landwirte kritisch werden. So sieht es aktuell aus.
Aurich/Ostfriesland - Es ist staubtrocken in Ostfriesland. Kommt etwas Wind auf, treibt er auf den offenliegenden Feldern Staubwolken vor sich her. Kurz nach Himmelfahrt hatte es das letzte Mal ausgiebig geregnet, seitdem scheint fast durchgängig die Sonne. Jetzt kommt auch noch die Hitze dazu. „So langsam könnte es wieder regnen“, sagt der Kirchdorfer Landwirt Udo Haßbargen mit Blick auf seine zarten, in Reihe wachsenden Futtermais-Pflänzchen.
Was und warum
Darum geht es: Seit fast drei Wochen hat es in Ostfriesland nicht mehr geregnet, jetzt kommt auch noch die Hitze dazu. Wie kritisch ist die Trockenheit für die Landwirtschaft?
Vor allem interessant für: Landwirte, Verbraucher und alle, die sich um die Versorgung von Vieh und Mensch sorgen
Deshalb berichten wir: Noch immer ist kein Regen in Sicht.
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Je länger die Trockenheit dauert, desto mehr verschwindet der Glanz auf dem noch niedrigen Grün. Noch sei aber Morgentau auf den Feldern und die Situation nicht kritisch. „Wir hoffen, dass es spätestens zum Ende der Woche Regen gibt“, sagt er. Bis dahin würde es gehen.
OOWV erinnert ans Wassersparen
Zu spüren bekommt die Folgen der Trockenheit auch der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV): Mit der Abgabe von 310.184 Kubikmetern Trinkwasser hätten die Wasserwerke am Freitag die Grenze der täglichen Aufbereitungsleistung überschritten, teilte der Verband am Montag mit. Sollte der Wasserbedarf in den kommenden Tagen weiter steigen, könne der OOWV die Trinkwasserspeicher über Nacht nicht mehr vollständig füllen – dann würden stärkere Druckverluste im Leitungsnetz drohen. Der OOWV erinnert deshalb an Sparsamkeit: „Wir haben genug Wasser für alle, wenn jeder sorgsam damit umgeht“, sagt OOWV-Regionalleiter Michael Veh laut Mitteilung.
Brunnen bereits auf Tiefstand
Während die Landwirte Ostfrieslands wie Haßbargen eher entspannt mit der aktuellen Trockenheit umgehen, sieht es in anderen Landkreisen Niedersachsens ganz anders aus. In Nienburg haben eine Vielzahl der Grundwasser-Messtellen laut der dortigen Kreisverwaltung bereits die historischen Tiefstände des Trockenjahres 2018 unterschritten.
Deshalb wurde mit einer Allgemeinverfügung die Wasserentnahme aus Brunnen und der öffentlichen Wasserversorgung eingeschränkt. Grünflächen dürfen ab einer Temperatur von 24 Grad Celsius zwischen 11 und 19 Uhr nicht mehr beregnet werden. Dies gilt auch für land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen. Die Einschränkung gilt bis Ende September.
Das Getreide macht sich gut
In Lüneburg ist laut der Deutschen Presseagentur eine ähnliche Regelung in Planung, Harburg habe bereits seit Jahrzehnten die Wasserentnahme unter gewissen Bedingungen eingeschränkt. Die meisten Landkreise würden aber noch abwarten. Ist auf Feldern und Wiesen Ostfrieslands also trotz der anhaltenden Trockenheit noch alles in Ordnung?
Das Gras könnte etwas schneller wachsen, aber noch sei die Situation nicht kritisch, bestätigt Haßbargen. Dem Wintergetreide gehe es sogar dank der bereits tiefen Wurzeln ausgesprochen gut. Das ist eine Rückmeldung, die auch Maren Ziegler, Geschäftsführerin des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland (LHV) aus dem Verbandsgebiet bekommt. Gerade das Getreide mache sich gut. „Das Wetter ist aktuell für die Kornbildung sogar sehr schön“, berichtet sie.
An der Küste ist die Situation besser
Da sich der Ackerbau vor allem auf die küstennahen Marschböden konzentriere, sei es in Ostfriesland grundsätzlich weniger kritisch als anderswo. Die dortigen Böden hielten die Feuchtigkeit wesentlich länger, die darauf angebauten Pflanzen kommen mit langen Trockenphasen deshalb gut zurecht. Anders könnte es allerdings bald auf den Sandböden des Geestrückens im Binnenland aussehen: „Die Entwicklung in den nächsten zehn Tagen ist ausschlaggebend“, sagt Ziegler.
Sollte es bis dahin nicht regnen, könnte es selbst in Ostfriesland bald anders aussehen. Auch auf den Feldern von Udo Haßbargen zeigt sich, dass die Böden langsam an ihre Grenze kommen. „Es bilden sich bereits Trockenheitsrisse“, sagt der Landwirt. Deshalb hofft er, dass es in Richtung Wochenende nicht nur das angekündigte kältere Wetter und die gemeldeten Wolken gibt, sondern auch das ein- oder andere Gewitter.
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