Berlin Gewalt gegen Frauen? Für jeden dritten jungen Mann in Deutschland ist das "akzeptabel"
Laut einer Umfrage finden es mehr als 30 Prozent der jungen Männer in Ordnung, wenn einem im Streit mit der Partnerin „die Hand ausrutscht“. Was sie dagegen stört: Wenn Homosexuelle ihre Liebe öffentlich zeigen. Doch es gibt Kritik an der Umfrage.
In Deutschland sorgen traditionelle Rollenbilder bei jungen Männern teils für eine hohe Akzeptanz von Gewalt in der Partnerschaft. Das geht aus einer Umfrage der Organisation Plan International Deutschland hervor, die den Funke-Zeitungen (Montagsausgaben) vorliegt. Doch Kritiker bezweifeln, dass die Umfrage repräsentativ ist.
33 Prozent der befragten Männer im Alter von 18 bis 35 Jahren gaben demnach an, es "akzeptabel" zu finden, wenn ihnen im Streit mit der Partnerin gelegentlich "die Hand ausrutscht". 34 Prozent seien gegenüber Frauen schon mal handgreiflich geworden, um ihnen Respekt einzuflößen, heißt es weiter.
Überdies äußerten die Befragten demzufolge eine hohe Abneigung gegen das öffentliche Zeigen von Homosexualität. 48 Prozent gaben an, dass sie sich davon "gestört" fühlen.
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"Erschrocken" davon zeigte sich Karsten Kassner, Fachreferent des Bundesforums Männer, gegenüber den Funke-Zeitungen. "Problematisch ist, dass ein Drittel der befragten Männer Handgreiflichkeiten gegenüber Frauen verharmlosen. Das muss sich dringend ändern", sagte Kassner demnach.
Aus der Studie geht den Funke-Zeitungen zufolge auch hervor, dass das Bild der traditionellen "Hausfrau" in den Köpfen vieler Männer verankert zu sein scheint: 52 Prozent der Befragten sähen ihre Rolle darin, genug Geld zu verdienen – sodass sich die Frau hauptsächlich um den Haushalt kümmern könne. Jeder zweite junge Mann möchte laut den Daten keine Beziehung mit einer Frau eingehen, wenn diese bereits viele Sexualpartner gehabt hat.
51 Prozent hätten zudem angegeben, dass sie schwach und angreifbar seien, wenn sie Gefühle zeigen würden, heißt es weiter. Dabei sagten 63 Prozent, dass sich manchmal traurig, einsam oder isoliert fühlen würden. "Die klassischen Rollenbilder sind eben doch noch in den Köpfen der Gesellschaft verankert", sagte Alexandra Tschacher, Sprecherin von Plan International Deutschland, den Funke-Zeitungen.
Viele Männer seien zwar grundsätzlich bereit, sich für mehr Gleichberechtigung und gegen Rollenklischees einzusetzen, würden dies aber nicht in konkrete Taten umsetzen, sagte Kassner demzufolge.
Diese Statista-Grafik zeigt, wie es um die Geschlechter-Gleichstellung innerhalb der EU steht:
Es sei auch Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen zu verändern. Ein gutes Beispiel sei die von der Bundesregierung geplante bezahlte Freistellung nach der Geburt für Väter.
Laut der Nachrichtenagentur KNA wurden für die Erhebung den Angaben zufolge im März jeweils 1.000 Männer und Frauen zwischen 18 und 35 Jahren online zu ihren Vorstellungen von Männlichkeit befragt. Themen waren unter anderem die Rollenverteilung in Beziehungen, der Umgang mit Gefühlen, Gewaltanwendung, der Umgang mit Problemen und Selbstfürsorge.
Doch nach der Veröffentlichung der Studie gibt es Zweifel daran, ob die Ergebnisse wirklich repräsentativ sind. Auch wird kritisiert, dass die Studie nicht im Original veröffentlicht wurde und es deshalb an Transparenz fehlt.
Die Sprecherin von Plan International Deutschland, Alexandra Tschacher, sagte auf Anfrage, für die Umfrage seien Menschen mit unterschiedlichen Bildungsabschlüssen ausgewählt worden. Angaben zu Religion, Nationalität und Migrationshintergrund seien bewusst nicht erhoben worden.