Klimahelfer in Not  Verdursten die neuen Emder Kübelbäume?

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 12.06.2023 10:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Dieses recht vertrocknet aussehende Exemplar der Emder Kübelbäume steht vor dem Hotel am Delft. Das Foto ist zu den Matjestagen entstanden. Da waren die Bäume seit etwa zwei Wochen an Ort und Stelle. Foto: Hanssen
Dieses recht vertrocknet aussehende Exemplar der Emder Kübelbäume steht vor dem Hotel am Delft. Das Foto ist zu den Matjestagen entstanden. Da waren die Bäume seit etwa zwei Wochen an Ort und Stelle. Foto: Hanssen
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Ein Leser hat sich an uns gewandt, der sich um die neuen „mobilen Bäume“ im Emder Zentrum sorgt. Einige haben trockenes Laub und sehen kahl aus. Was ist da los?

Emden - Der Emder Klaas Klein sorgt sich um die „mobilen Bäume“ in der Emder Innenstadt. Seit knapp einem Monat stehen 50 Bäumchen in Kübeln unter anderem am Hauptbahnhof, in der Neutorstraße, am Delft und im Stadtgarten. Einige sehen ziemlich vertrocknet aus, hat Klaas Klein beobachtet. Unserer Redaktion sind insbesondere beim Hotel am Delft ein paar fast kahle Exemplare aufgefallen. Was ist da los? Verdursten die Jungbäume?

Was und warum

Darum geht es: die neuen mobilen Bäume in Emden

Vor allem interessant für: Menschen, die in Emden Schatten suchen, und alle, die sich für Natur interessieren

Deshalb berichten wir: Es fällt auf, dass einige der neuen Bäume schon vertrocknet aussehen. Wir haben deshalb bei der Stadt nachgefragt.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Stadtsprecher Eduard Dinkela erklärt, dass eine Gartenbaufirma damit beauftragt ist, sich um das Bewässerungsmanagement zu kümmern. Am Samstag habe erneut ein Bewässerungsgang angestanden. „Die Bewässerung der Bäume erfolgt entsprechend der Witterung (im Sommer mehr, sonst weniger) und des tatsächlichen Bedarfes“, erklärt er. Bei trockener Witterung müssten die Bäume häufiger gegossen werden, um die tiefen Erdschichten zu befeuchten und somit das Tiefenwachstum der Wurzeln anzuregen. Trotz allem könne es passieren, dass frisch gepflanzte, größere Bäume einen sogenannten Pflanzschock durchleben.

Roman Reischert von der Leeraner Landschaftsgärtnerei Wilfried Tammen war am Dienstagmittag im Einsatz in Emden. Er bewässerte die Kübelbäume. Foto: H. Müller
Roman Reischert von der Leeraner Landschaftsgärtnerei Wilfried Tammen war am Dienstagmittag im Einsatz in Emden. Er bewässerte die Kübelbäume. Foto: H. Müller

Was ist ein Pflanzschock?

Der Pflanzschock sei meistens im ersten Standjahr mit einer lichteren Belaubung und wenig Längenzuwachs zu beobachten, erklärt Dinkela. In der Zeit brauche der frisch gepflanzte Baum „immer Hilfe und mehr Aufmerksamkeit, als in den folgenden Jahren“. Wichtig seien die Pflege und Bewässerung. „Hier bleibt es abzuwarten, wie sich die einzelnen Bäume im Pflanzkübel mit der Zeit entwickeln“, so der Stadtsprecher. Nach dem ersten Jahr würden die Bäume „in der Regel“ besser aussehen.

Mehr Blätter haben sich an den Bäumen vor dem Hotel am Delft wieder gebildet. Foto: Hanssen
Mehr Blätter haben sich an den Bäumen vor dem Hotel am Delft wieder gebildet. Foto: Hanssen

Allerdings: „Eine 100 prozentige Anwuchsgarantie gibt es nicht. Und natürlich können auch Bäume komplett ausfallen.“ Sollten Bäume ausfallen, was durchaus vorkommen könne, dann würden sie ersetzt werden . Die Kosten für den Ersatz eines Baumes liegen laut Dinkela im Schnitt bei etwa 500 bis 700 Euro. Die gesamte Maßnahme wurde über das Sofortprogramm Perspektive Innenstadt zu 90 Prozent gefördert.

Müssen die Bäume für ein besseres Klima leiden?

Klaas Klein will gar nicht auf das Geld für die Maßnahme gucken, das am Ende ja so oder so von den Steuerzahlern kommt, sondern auf das Wohlergehen der Bäume. Er wundert sich darüber, dass die Pflanzaktion in dieser schon sehr trockenen und warmen Zeit vorgenommen wurde. Dann erwähnt er, dass für den Matjeslauf die Bäume aus der halbschattigen Neutorstraße vor das Restaurant Goldener Adler in die pralle Sonne gestellt wurden - und das für gut eine Woche.

Insgesamt 50 "mobile Bäume" sind in der Emder Innenstadt verteilt - unter anderem auch gegenüber der Kapitänshäuser. Man fragt sich: Konnten die Bäume hier sind einfach in der Erde gepflanzt werden? Foto: Hanssen
Insgesamt 50 "mobile Bäume" sind in der Emder Innenstadt verteilt - unter anderem auch gegenüber der Kapitänshäuser. Man fragt sich: Konnten die Bäume hier sind einfach in der Erde gepflanzt werden? Foto: Hanssen

„Ich weiß auch nicht, ob wir das Recht haben, so etwas zu machen“, sagt er und meint damit allgemein das Aufstellen der Bäume in Kübeln. Statt im Wald stehen sie auf geteerter Straße und im Abgasdunst der Autos, um in Zeiten des menschgemachten Klimawandels dem Menschen ein bisschen Abkühlung, frischere Luft und mehr Wohlergehen zu bereiten. Unverständlich, meint Klaas Klein.

Wie geeignet sind die Bäume für Kübel?

Es wurden 35 Bäume der Art Carpinus betulus „Fastigiata“ gepflanzt. Das sind Säulen-Hainbuchen, der als ein mittelgroßer Baum zweiter Ordnung gilt. Diese Buchen sind schattenverträglich, können fünf bis acht Meter hoch werden und sind schnittfähig. Außerdem wurden 15 Bäume der Art Parrotia persica „Vanesse“ aufgestellt. Dabei handelt es sich um Eisenbaumgehölze, die unter Idealbedingungen 4,5 bis 9 Meter hoch werden.

Beide Baumarten seien sehr wohl für die Ausbringung in einem Pflanzkübel geeignet und würden auch in anderen Kommunen so verwendet, teilt Eduard Dinkela mit. Zudem gelten sie als besonders geeignet, um den Herausforderungen des Klimawandels standzuhalten. Nach spätestens fünf Jahren werden die Bäume aber zu groß für die Kübel. Dann sollen sie an anderer Stelle fest verpflanzt werden - unter anderem im Stadtwald.

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