Klimaschutz  Kein Plastik mehr im Emder Kino

Jasmin Oltmanns
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Von Jasmin Oltmanns
| 10.06.2023 15:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Symbole auf den Mehrwegbechern sollen den Kinobesuchern das System veranschaulichen. Foto: Oltmanns
Die Symbole auf den Mehrwegbechern sollen den Kinobesuchern das System veranschaulichen. Foto: Oltmanns
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Das 33. Filmfest wird in Emden gefeiert, aber schon seit Anfang Juni gibt es eine Neuheit im Cinestar. Warum hat sich das Unternehmen für die Maßnahme entschieden?

Emden - „Wir können nicht warten, bis die EU Regeln und Gesetze für weniger Plastik erlässt oder besser durchsetzt“, sagte Kristian Louis Jensen, der auf den Lofoten lebt und täglich angeschwemmten Plastikmüll aus aller Welt an den Stränden der norwegischen Inseln findet. Auf dem Filmfest Emden wurde der Film „The North Drift - Plastik in Strömen“ gezeigt. Jensen ist Teil des Films und stellte sich im Anschluss an die Vorstellung einigen Fragen. Das Thema Plastikmüll spielt nicht nur im Film eine Rolle, sondern auch im Kino: Das Cinestar in Emden und andere Filialen der Kinokette zeigen seit Anfang Juni, dass man auch ohne Zwang und Verordnung klimaschonende Maßnahmen verwirklichen kann.

Was und warum

Darum geht es: ein neues klimaschonendes Konzept im Kino

Vor allem interessant für: Kinobesucher und Klimaschützer

Deshalb berichten wir: Im Rahmen des Filmfestes in Emden und unserer Klimareihe haben wir auf den Klimaschutz im Kino geschaut.

Die Autorin erreichen Sie unter: j.oltmanns@zgo.de

Die Cinestar-Kinos bieten keine Getränke mehr in Einwegbehältern an. Das bedeutet in der Praxis: „Die Ausgabe findet nur noch in hochwertigen Mehrwegbechern statt“, heißt es in einer Pressemitteilung von Cinestar. Zum Beispiel werden Wein nur noch im Glas und Heißgetränke in Porzellangeschirr oder bald auch Mehrwegbecher ausgeschenkt. In der Pressemitteilung heißt es weiter, dass das Unternehmen zusammengerechnet über alle Filialen so bis zu 75 Tonnen Müll jährlich einspart. Bewusst entscheide sich das Unternehmen so für „Abfallvermeidung direkt an der Spitze der Abfallhierarchie, spart CO2 ein und schützt sowohl nachhaltige als auch endliche Ressourcen“, so das Unternehmen.

Warum gibt es immer weniger Einweg?

Seit Anfang des Jahres ist die Mehrwegangebotspflicht in Kraft getreten. Danach müssen die meisten Gastronomen eine Option anbieten, mit der sich die Kunden für eine Alternative zum Einweg entscheiden können. Im Rahmen der europäischen Einwegkunststoffrichtlinie war das Gesetz 2021 verabschiedet worden.

Das geht Cinestar aber nicht mehr weit genug. Deshalb habe man sich jetzt dazu entschlossen, nur noch die Mehrwegvariante anzubieten, und zwar ohne Pfand. Schon seit Januar sei das Verfahren in Zusammenarbeit mit den Getränkezulieferern getestet worden und wirft durchaus noch Probleme auf. „Es werden noch sehr viele Becher mitgenommen“, sagt Andreas Huismann, Theaterleiter des Cinestars in Emden. Außerdem müssten viele Becher für die Stoßzeiten vorgehalten werden. Dennoch ist der Geschäftsführer Oliver Fock von den Vorteilen des Konzepts überzeugt: „Wir sind sicher, dass auch unsere Besucher:innen unser Engagement für die konsequente Umsetzung eines Mehrwegangebots sehr positiv wahrnehmen“. Zwar gibt es noch keine Mehrwegoption für Popcorn, aber bei den Nachos sind die Kinos auch schon auf die umweltfreundlichere Variante mit Papierverpackung umgestiegen, so Huismann.

Wie läuft es in anderen Kinos?

Im Gegensatz zu den Filialen des Betreibers Cinestar sind die meisten anderen Kinos noch im zweigleisigen System - also Einweg und Mehrweg. Auf Nachfrage erklärten die Betreiber Muckli der Kinos in Leer, Papenburg, Aurich und Meppen, dass sie noch in den Vorbereitungen für ein Mehrwegsystem sind. „Vor allem müssen wir Kapazitäten für die Reinigung und Lagerplatz haben“, erklärt Astrid Muckli, Geschäftsführerin des Betriebs. „Natürlich schauen wir auch, welche Systeme in anderen Kinos funktionieren.“

„Wir sind in eine Welt aus Plastik hineingeboren worden“, beschreibt Jensen. Wie wir das Problem besser bekämpfen können, zählt Jürgen Rahmel, Dezernent des Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer im selben Gespräch auf: „reuse, reduce and recycle“ - also Plastik mehrfach benutzen, vermeiden und recyclen. Dafür „brauchen wir nicht nur die Politik, sondern jeden einzelnen von uns“, so Rahmel.

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