Durchatmen nach Klassenerhalt Mit 69 Jahren erlebt Groothuis das kleine Wunder vom Ellernfeld
Ein ganz neues Team, Sprachprobleme und acht Niederlagen zum Saisonstart: Für die SpVg Aurich sah es lange nicht gut aus. Nach der Rettung spricht die Trainer-Legende über sein „schwierigstes Jahr“.
Aurich - „Puh, was war das bitte für eine Saison?“, sagt Uwe Groothuis angesprochen auf die frisch beendete Spielzeit in der Fußball-Bezirksliga. „Ich würde soweit gehen und sagen: Das war mein schwierigstes und anstrengendstes Jahr als Trainer.“ Und das heißt schon etwas. Schließlich blickt der 69-jährige Emder auf eine lange Karriere an der Seitenlinie mit Stationen bei verschiedenen Vereinen zurück. „Aber das allerwichtigste: Wir haben es tatsächlich geschafft“, sagt Uwe Groothuis unverkennbar erleichtert. Der Kulttrainer hatte mit den Herren der SpVg Aurich auf den letzten Metern noch den Klassenerhalt geschafft. Eine Leistung, die nach dem katastrophalen Saisonstart den Aurichern kaum noch jemand zugetraut hatte. Nach acht Spieltagen war die SpVg als einziges Team noch ohne einen einzigen Punkt, die Torbilanz mit 5:26 nicht minder erschütternd.
„Wir haben teils richtig Haue bekommen, waren für viele Abstiegskandidat Nummer eins“, sagt Uwe Groothuis. Doch das Wort „Aufgeben“ gehört nicht zu seinem Wortschatz. Groothuis, der erst im vergangenen Sommer die Auricher Herren übernommen hatte, wollte den schwierigen Bedingungen bei der SpVg nicht entfliehen. Er stellte sich ihnen. „Wir hatten einen Riesenumbruch im Sommer, viele Leistungsträger sind gegangen, die Neuzugangsuche war schwierig“, blickt Groothuis zurück. Nur dank der Verpflichtung von Spielern aus der Schüttorfer Fußball-Akademie konnte ein Kader bestückt werden, der einigermaßen bezirksligatauglich war.
„Wie eine Meisterschaft“
„Fußballerisch ist die Truppe gut. Sie musste aber erstmal zusammenfinden und konditionell mussten wir einiges aufarbeiten“, so Groothuis. Das dauerte. Manche Spieler stießen zudem erst im Laufe der Spielzeit dazu. Zu Saisonbeginn wurde aus möglichen Punktgewinnen nichts, weil die Kraft in der Schlussphase nicht reichte und es so Gegentore „hagelte“. Doch die Ergebnisse wurden knapper. Ende September holte die SpVg die ersten Zähler – mit einem 2:1-Heimsieg gegen den SV Jheringsfehn/Stikelkamp/Timmel. Jenen Verein, gegen den es am letzten Spieltag am Sonnabend im direkten Duell um den direkten Ligaverbleib oder die Relegation ging. Die Groothuis-Elf feierte mit einem furiosen 5:1 den höchsten Saisonsieg und den Klassenerhalt und damit das kleine Wunder vom Ellernfeld.
„Das ist für mich so einzustufen wie eine Meisterschaft“, betont Uwe Groothuis, der als Chefcoach bereits mit der A-Jugend von Kickers Emden sowie den Herren von TuS Middels und Germania Wiesmoor (zweimal) zwei „richtige“ Meisterschaften erreicht hatte.
Ansprachen in zwei Sprachen
Die SpVg Aurich bleibt also Bezirksligist – und Uwe Groothius geht in sein zweites Trainerjahr bei der SpVg. Das war schon vor einigen Wochen klar, zu einem Zeitpunkt, wo der Ligaverbleib noch arg auf der Kippe stand. „Ich wollte ein Zeichen setzen, zeigen, dass ich nicht wegrenne, auch wenn wir in die Ostfrieslandliga abgestiegen wären“, sagt Groothuis. Das hätte wohl einen erneuten Mega-Umbruch bedeutet. Denn: „Die Spieler aus der Akademie wollen mindestens in der Bezirksliga spielen“, weiß Uwe Groothuis. Nun stehen die Chancen auf einen Verbleib dieser Spieler deutlich besser. „Mittlerweile wohnen sie auch in Aurich und umzu.“
Die Verständigung mit dem Team war für Uwe Groothuis nicht einfach. „Viele Spieler konnten kein Deutsch und mein Englisch ist nicht das beste. Aber es wurde jetzt in der Saison besser“, schildert der 69-Jährige, der sich bei den Sprachproblemen aber auf seinen Co-Trainer Steven Liesegang verlassen konnte. „Bei Ansprachen haben wir das dann so gemacht, dass ich vier, fünf Sätze gesagt habe und Steven hatte die dann übersetzt. Dann war ich wieder dran“, verrät Uwe Groothuis.
Er reiste am Donnerstag erstmal in den wohlverdienten Urlaub mit seiner Frau Claudia. Und wo ging es hin? „Nach Ägypten, wie immer.“