Neue Kampagne der Jäger  Mit 300 Bannern gegen den Wolf

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 07.06.2023 15:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gernold Lengert posiert zwischen zwei Bannern, mit denen die Jägerschaft auf Gefahren für den Küstenschutz durch den Wolf hinweist. Foto: Ortgies
Gernold Lengert posiert zwischen zwei Bannern, mit denen die Jägerschaft auf Gefahren für den Küstenschutz durch den Wolf hinweist. Foto: Ortgies
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Die Jägerschaften in Niedersachsen fordern mehr Schutz gegen Wölfe. Mit einer Plakatkampagne wollen sie auch Touristen auf das Problem aufmerksam machen.

Aurich - Es ist ein Schnappschuss: Ein Wolf schaut mit angelegten Ohren und geöffnetem Maul zur Seite. Das Foto daneben zeigt den Kadaver eines gerissenen Schafes. „Es wird nicht bei Schafen bleiben!“ steht in fett gedruckten Buchstaben darunter. Etwas kleiner folgt der Slogan: „Küstenschutz in Gefahr“. Dieses Plakat ist Teil einer Kampagne der Küstenjägerschaften, die sie am Mittwoch in Aurich gestartet haben.

Die Kampagne besteht aus sieben verschiedenen Plakaten, die von einer Marketingfirma entworfen und in einer Auflage von 300 Stück produziert worden sind. Die Jäger hängen die Banner überall an der Küste auf, entlang von Straßen und Radwegen, auf Schafweiden. Sie sollen Urlauber und Einheimische auf ein Problem aufmerksam machen, das ihrer Meinung nach immer noch unterschätzt wird: die Gefährdung der Weidetierhaltung und damit des Küstenschutzes durch den Wolf. „Wer zu uns an die Küste kommt, soll erfahren, was uns beschäftigt“, sagt Gernold Lengert. Der Auricher ist stellvertretender Vorsitzender der Jägerschaften im Bezirk Ostfriesland. Man wolle Touristen klarmachen, „dass es hier ein Problem gibt“, sagt Lengert in einem Pressegespräch in Aurich.

Morddrohungen radikaler Wolfsschützer

Vor zwei Monaten hatten die Jägerschaften von der Nordseeküste unter dem Titel „Auricher Erklärung“ ein Positionspapier veröffentlicht, in dem sie unter anderem wolfsrudelfreie Zonen in den küstennahen Landkreisen fordern. Die Sicherheit der Deiche könne nur mit einer kontinuierlichen Beweidung durch Schafe gewährleistet werden, heißt es darin.

Helmut Dammann-Tamke ist Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen. Foto: Ortgies
Helmut Dammann-Tamke ist Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen. Foto: Ortgies

Dieses Papier habe Bewegung in das Thema gebracht, sagt Helmut Dammann-Tamke. Der Landwirt und ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete aus dem Landkreis Stade ist Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen. Die Jäger werden von den Landwirten unterstützt. Jörn Ehlers ist Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen. Er berichtet von Morddrohungen radikaler Wolfsschützer in sozialen Medien.

„Bin ich weniger wert als der Wolf?“

Lengert sagt: „Die Menschen in den Küstenregionen fragen sich: Bin ich weniger wert als der Wolf?“ Der Zielkonflikt Küstenschutz versus Artenschutz (des Wolfes) sei ungelöst. Das Problem werde von der Politik heruntergespielt. Lengert und Dammann-Tamke kritisieren insbesondere Bundesumweltministerin Steffi Lemke und deren niedersächsischen Kollegen Christian Meyer (beide Grüne). Herdenschutz durch Hunde und Zäune sei an der Küste nicht leistbar. Es sei weder logistisch machbar noch bezahlbar, die Küste komplett einzuzäunen, sagt Lengert. „Wir bleiben bei unserer Forderung: Keine territorialen Wölfe oder Rudel an der Küste!“ Es gehe nicht darum, den Wolf auszurotten. Es gehe um regional differenziertes Bestandsmanagement. Sprich: Da, wo sich der Wolf zu sehr ausbreitet, soll er abgeschossen werden dürfen.

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Lengert und Dammann-Tamke verweisen auf den Koalitionsvertrag der Ampel in Berlin. Dort sei das Bestandsmanagement des Wolfs verankert. Die Politik möge aufhören, auf Zeit zu spielen. „Die Bevölkerung fühlt sich im Stich gelassen“, sagt Lengert. „Diese Banner werden so lange hängen, bis die Koalitionsvereinbarung in Bezug auf den Wolf erfüllt ist.“

„Wir werden von Haus zu Haus gehen“

Die Plakat-Kampagne firmiert unter dem Titel „Auricher Erklärung, Teil 2“. Teil 3 soll im Herbst folgen. Dann plant die Landesjägerschaft eine Volksinitiative. Sie will Unterschriften sammeln und so den Landtag zwingen, sich mit dem Thema Wolf zu befassen. Das Ziel: Niedersachsen soll eine Bundesratsinitiative starten, damit die Bundesregierung der Europäischen Union den guten Erhaltungszustand des Wolfes meldet. Dann könnte sein strenger Schutzstatus zurückgestuft werden, und der Weg zum Abschuss auch ohne Ausnahmegenehmigung wäre frei.

Dammann-Tamke formuliert ein großes Ziel: „Es soll die erfolgreichste Volksinitiative in der Geschichte Niedersachsens werden.“ Sie richte sich vor allem an die Menschen auf dem Land. „Wir werden nicht in Fußgängerzonen stehen und um Unterschriften betteln, sondern wir werden von Haus zu Haus gehen.“

Die Anti-Wolfs-Demo an diesem Sonnabend in Aurich, zu der der Friesische Verband für Naturschutz und die Vereinigung „Land schafft Verbindung“ aufgerufen haben, wird von der Jägerschaft nicht unterstützt. „Wir wählen den Weg der politischen Diskussion“, sagt Lengert. Das bedeute nicht, dass Mitgliedern die Teilnahme an der Demo untersagt werde. „Natürlich steht es den Menschen frei, auch ihre Emotionen einmal zu zeigen.“