Baustelle in Borssum  Freibad-Sanierung – jetzt noch ein insolventer Fliesenleger?

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 07.06.2023 15:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Stadt hofft, dass noch in diesem Jahr das Borssumer Freibad neu eröffnen kann. Das Foto ist Ende April entstanden. Foto: Hanssen/Archiv
Die Stadt hofft, dass noch in diesem Jahr das Borssumer Freibad neu eröffnen kann. Das Foto ist Ende April entstanden. Foto: Hanssen/Archiv
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Die Sanierung des Emder Freibads in Borssum scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Es wird bereits „auf Sicht gefahren“, was das Eröffnungsdatum angeht. Jetzt könnte eine Firma pleite sein.

Emden - Die Liste der Dinge, die bei der Freibad-Sanierung im Emder Stadtteil Borssum schiefgegangen sind, ist lang. Jetzt könnte es ein neues Problem geben: Ole Falbe, für die CDU im Sportausschuss des Emder Rats, sprach in dem Gremium am Dienstagabend an, dass ein beauftragter Fliesenleger insolvent sein soll. Er wollte wissen, wie viel Geld die Stadt der Firma schon gezahlt hatte und ob möglicherweise schon bestellte Fliesen als Teil der Insolvenzmasse eingezogen werden könnten.

Was und warum

Darum geht es: die Sanierung des Freibads in Borssum

Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder, die entweder im Schwimmbad ihre Kreise ziehen wollen oder sich über die Stadtkasse sorgen

Deshalb berichten wir: Im Sportausschuss wurde der aktuelle Stand der Arbeiten vorgestellt.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

„Gehört habe ich davon auch schon“, sagte Michael Groeneveld, Leiter des Fachdienstes Schule und Sport. Bislang sei aber seines Wissens kein Insolvenzantrag bei einem zuständigen Gericht eingegangen. „Wir haben bislang keine Zahlung geleistet“, erklärte er. Für gewöhnlich werde eine Leistung erst bezahlt, wenn die Arbeit getan sei. Sollte die Firma jedoch aufgrund einer Insolvenz ausfallen, stellt sich die Frage, inwieweit schnell Ersatz gefunden werden könnte oder ob die Fertigstellung des Bads noch weiter hinausgezögert werden würde. Darauf ging Groeneveld im Ausschuss nicht ein. Diese Zeitung hat bei der Stadt nachgefragt – und am Donnerstagnachmittag eine Rückmeldung bekommen.

Das sagt die Stadt zur möglichen Insolvenz

Laut Stadtsprecher Eduard Dinkela befinde sich die Baubegleitung, die bei der Firma Thalen Consult liegt, aufgrund der von den Ratsmitgliedern getroffenen Aussagen in Klärung und im Austausch mit der für das Gewerk beauftragten Firma, schreibt Stadtsprecher Eduard Dinkela. Um welche Firma es sich handelt, lässt er aus. Diese Zeitung konnte bislang nicht herausfinden, wie sie heißt und entsprechend nicht direkt nachfragen, was an den Gerüchten dran ist.

Eine Insolvenz würde allerdings nicht zwangsläufig bedeuten, dass ein Unternehmen bestehende Aufträge nicht mehr ausführen könne, erklärt der Stadtsprecher. Soweit die Firma die Arbeiten tatsächlich nicht ausführen könnte und der Vertrag daraufhin gekündigt würde, müsste eine neue Ausschreibung erfolgen. Dies könnte eine zeitliche Verzögerung bedeuten, die jedoch den Zeitpunkt der Fertigstellung insgesamt nicht wesentlich beeinflussen dürfte, so Dinkela. Die Fliesenarbeiten sind im Teilbereich der Umkleiden, dem neu geschaffenen barrierefreien Sanitärbereich sowie in der ehemaligen Wärmehalle vorgesehen.

Stadt hofft, dass das Bad dieses Jahr fertig wird

Die Stadt nennt mittlerweile kein angepeiltes Eröffnungsdatum mehr. Zuletzt war beispielsweise von „in den Sommerferien“ oder zumindest „auf jeden Fall in dieser Saison“ die Rede. Nun wiederholte Lydia Reimann, beim Fachdienst Schule zuständig für das Bad, im Sportausschuss die Worte des Oberbürgermeisters Tim Kruithoff (parteilos): „Es wird auf Sicht gefahren.“ Man hoffe, dass die Sanierung noch in diesem Jahr abgeschlossen werde.

Auf dem Gelände ist noch einiges zu tun, bis Wasserbegeisterte wieder ihre Bahnen ziehen können. Das Foto ist Ende April entstanden. Foto: Hanssen/Archiv
Auf dem Gelände ist noch einiges zu tun, bis Wasserbegeisterte wieder ihre Bahnen ziehen können. Das Foto ist Ende April entstanden. Foto: Hanssen/Archiv

Mittlerweile sei die Dachsanierung des Eingangshäuschens abgeschlossen. Alle Türen und Fenster seien an Ort und Stelle. Über einer Reihe Fenster müsse noch der Sturz neu eingezogen werden, der bei den Arbeiten abgesackt war. Bei den Schwimmbecken hatte es die wohl größten Probleme gegeben: Eine beauftragte Firma hatte sich nicht nur als sehr widerspenstig erwiesen und habe mehrfach zum Arbeitsbeginn ermuntert werden müssen, sie habe auch bei der Beckenverrohrung grobe Fehler gemacht. Die Rohre waren nicht in dafür vorgesehene Schlitze verlegt worden, sondern daneben. Die Firma war schließlich gefeuert worden.

Kosten werden aktuell auf vier Millionen Euro geschätzt

Dafür war ein schon auf der Baustelle aktives Subunternehmen eingesprungen, das die Rohre so weit neu verlegt hatte, dass eine Druckprobe durchgeführt werden konnte und der Arbeitsschritt Mitte März durch gewesen sei, so Reimann. Jetzt geht es unter anderem noch um den Beckenaufbau und die Badewassertechnik. Um diese erneuern zu lassen, hatte die Politik zuletzt im März eine Finanzspritze von 400.000 Euro genehmigt. Die Technik war in einem schlechteren Zustand als gedacht.

Ein Blick durch den Eingangstunnel: Noch kann man sich nicht vorstellen, dass hier bald wieder Schwimmerinnen und Schwimmer ein- und ausgehen. Das Foto ist Ende April entstanden. Foto: Hanssen/Archiv
Ein Blick durch den Eingangstunnel: Noch kann man sich nicht vorstellen, dass hier bald wieder Schwimmerinnen und Schwimmer ein- und ausgehen. Das Foto ist Ende April entstanden. Foto: Hanssen/Archiv

Die Kosten für die Sanierung belaufen sich mittlerweile auf etwa vier Millionen Euro. Ursprünglich hatte die Stadt rund 3,3 Millionen Euro für das Vorhaben veranschlagt. Insgesamt etwa 1,5 Millionen Euro fließen als Zuschüsse vom Bund. Berlin bewilligte die Fördermittel in zwei Chargen, die erste im Jahr 2019, die nächste zwei Jahre später.

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Das Bad war 2017 aufgrund erheblicher Sicherheitsmängel geschlossen worden. Im Oktober des gleichen Jahres war man noch optimistisch, dass 2018 wieder geschwommen werden kann. Nach langen Diskussionen und mehreren Verschiebungen wurde tatsächlich aber erst im Februar des vergangenen Jahres mit der Sanierung begonnen. Ursprünglich waren mal 2019 und 2020 auch als Beginn im Gespräch gewesen. Ebenso war mal der Juni 2022 als Fertigstellungstermin angedacht.