Nürnberg  Vegetarisches Essen: Bauern beklagen „Bevormundung“ beim Evangelischen Kirchentag

Torben Kessen
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Von Torben Kessen
| 07.06.2023 13:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zankapfel im Vorfeld der Großveranstaltung: Auf dem evangelischen Kirchentag, wie hier 2017 in Berlin, wird den Gästen eine umfangreiche Verpflegung angeboten. Foto: dpa/Soeren Stache
Zankapfel im Vorfeld der Großveranstaltung: Auf dem evangelischen Kirchentag, wie hier 2017 in Berlin, wird den Gästen eine umfangreiche Verpflegung angeboten. Foto: dpa/Soeren Stache
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Der Evangelische Kirchentag will den Fleischverzehr auf seiner Großveranstaltung verringern. Darin sieht der Bayerische Bauernverband eine Bevormundung und spricht von einem „Schlag ins Gesicht“ der konventionellen Betriebe. Der Kirchentag kann die Kritik nicht nachvollziehen.

Am heutigen Mittwoch (7. Juni) beginnt in Nürnberg unter dem Motto „Jetzt ist die Zeit“ der 38. Evangelische Kirchentag. Noch bis Sonntag kommen bei der Großveranstaltung Verantwortungsträger aus Politik, Kirche und Gesellschaft zusammen und diskutieren unter anderem über Themen wie die Zukunft der Kirche, die Demokratie oder den Krieg in der Ukraine.

Neben dem Programm darf natürlich auch eine angemessene Verpflegung für Gäste und ehrenamtliche Helfer nicht fehlen. Im Vorfeld des Kirchentages sorgt das Essensangebot aber für Kritik: Der Bayerische Bauernverband beklagt, dass die Verpflegungsangebote fast ausschließlich vegetarisch und biologisch sein sollen.

„Wir wünschen uns, dass die Gäste beim Kirchentag beim Essen Wahlfreiheit haben und nicht bevormundet werden“, sagt der bayerische Bauernpräsident Günther Felßner in einer Pressemitteilung. Es sei ein Schlag gegen alle konventionellen Betriebe, wenn die Organisatoren des Kirchentags ihre Produkte komplett außen vor lassen wollen.

Auch die Landfrauen innerhalb des Bayerischen Bauernverbandes lassen kein gutes Haar an der Entscheidung des Kirchentages. Tierische Produkte seien ein integraler Bestandteil einer nachhaltigen und ausgewogenen Ernährung; die landwirtschaftlichen Betriebe würden eine bedeutende Rolle bei der Erzeugung dieser Lebensmittel spielen.

„Der Kirchentag hat sich das Motto ‚Jetzt ist die Zeit‘ gegeben. Jetzt ist die Zeit, auch die Rolle und Bedeutung der heimischen Landwirtschaft als Erzeuger von hochwertigen Lebensmitteln zu würdigen“, sagt Landesbäuerin Christine Singer. 

Auf Anfrage dieser Redaktion weist ein Sprecher des Kirchentages auf das Ziel der Verringerung des Fleischverzehrs hin. „Der Kirchentag bemüht sich allerdings auch um eine ganzheitliche Betrachtung von Lebensmittelproduktion und ihrer Verteilung, er berücksichtigt ferner Kriterien der Regionalität und Saisonalität.“

Die ehrenamtlichen Helfer würden eine sowohl fleischhaltige, aber auch vegetarische und vegane Rundumverpflegung erhalten. „In ihren Reihen ist allerdings die Nachfrage nach vegetarischer, zum Teil sogar veganer Ernährung zuletzt immer weiter angestiegen“, bemerkt der Sprecher.

Eine Bevormundung, wie es der Bayerische Bauernverband kritisiert, erkennt der Kirchentag nicht. „Nur Teilnehmende, die im Gemeinschaftsquartier angemeldet sind, werden vom Kirchentag verpflegt und auch nur mit dem Frühstück. Den Rest des Tages steht es ihnen vollkommen frei, ob sie Verpflegungsangebote des Kirchentages annehmen oder die regionale Gastronomie nutzen wollen“, schildert der Kirchentag die Verpflegungssituation.

Nach eigener Aussage verfolgt der Kirchentag seit 2012 eine „ökofaire Verpflegungsstrategie“, die darauf abzielt, langfristig 100 Prozent ökologische Lebensmittel auf dem Kirchentag anzubieten. Bis jetzt habe man damit jährlich etwa ein Drittel der CO2 -Emissionen im Vergleich zu einer „konventionellen“ Verpflegung einsparen können.

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