Verkehr in Aurich Tempo 30 ja – aber bitte nicht vorm Krankenhaus
Die Stadt Aurich will mehr Tempo 30 wagen – vor Schulen, Kindergärten und Altenheimen. Auch vorm Krankenhaus? Nicht doch!
Aurich - Tempo 30 vor Schulen, Kindertagesstätten, Altenheimen und vor dem Krankenhaus: Das hatte die Auricher Politik vor einem Jahr als Ziel ausgegeben. Die Verwaltung möge alle infrage kommenden Bereiche auflisten und die Begrenzung auf Tempo 30 in die Wege leiten, so lautete der Auftrag des Verkehrsausschusses seinerzeit. Die Stadt hat nun geliefert. Ordnungsamtsleiter Helmut Lücht stellte dem Ausschuss am Dienstag die Ergebnisse vor.
Eines davon lautet: Eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Kilometer pro Stunde vor dem Krankenhaus ist nicht sinnvoll. Bei einer Anordnung von Tempo 30 müsste der Zebrastreifen entfernt werden, argumentiert die Stadt. Dann wäre mit vielen unkontrollierten Querungen zu rechnen, was das Unfallrisiko erhöhen würde. Dem widersprach der Grünen-Ratsherr Reinhold Mohr: Längst nicht jeder benutze den Zebrastreifen, um vom Parkplatz auf der gegenüberliegenden Straßenseite zum Krankenhaus zu kommen. „Viele gehen abseits der Querungshilfe über die Straße“, sagte Mohr. Die unkontrollierten Querungen gebe es also schon heute. Laut Polizei ist die Stelle vor der Klinik jedoch kein Unfallschwerpunkt.
Kein Tempolimit auf Bundesstraßen
Eine weitere Erkenntnis: An fast allen Schulen im Stadtgebiet gilt ohnehin Tempo 30, oder es wird nach Rücksprache mit der Polizei, dem Landkreis und der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr bald angeordnet – mit fünf Ausnahmen. Das sind zum einen die Hauptstelle des Gymnasiums Ulricianum an der Von-Jhering-Straße (B 72) und die Realschule an der Esenser Straße (B 210). Beide Straßen sind vierspurig. An einer solchen Stelle wäre die Anordnung von Tempo 30 unverhältnismäßig, meint die Stadt. „Zur Verbesserung der Verkehrssicherheit kommen in besonderer Weise bauliche Maßnahmen in Betracht“, heißt es in der Informationsvorlage.
Die dritte Ausnahme von Tempo 30 vor Schulen ist die Grundschule Pfälzerschule. Dort sind die Verkehrsverhältnisse so beengt, dass man ohnehin nicht schneller fahren kann. Ausnahme Nummer vier ist die Grundschule Tannenhausen. Sie liegt zwar an der Dornumer Straße, einer Straße mit viel Durchgangsverkehr und Tempo 60, doch der Haupteingang befindet sich an einer Nebenstraße. Die fünfte Ausnahme ist die Grundschule Wallinghausen. Auch dort halten die Behörden Tempo 30 für nicht erforderlich. Die Schule liege zwar an der viel befahrenen Kreisstraße 130, doch es fehle der direkte Zugang zur Kreisstraße. Der Ziel- und Quellverkehr fließe über angrenzende Stadtstraßen.
Studie widerspricht verbreiteten Annahmen
Bei den Kindertagesstätten ist die Überprüfung noch nicht abgeschlossen. Auch dort gilt mit wenigen Ausnahmen schon heute Tempo 30. Ebenfalls offen ist, ob vor dem Seniorenheim am Rosentor Tempo 30 vorgeschrieben wird. Es befindet sich an der Fockenbollwerkstraße, die momentan eine Großbaustelle ist. Geprüft werde erst nach deren Fertigstellung, so die Stadt. Da es keinen direkten Zugang zur Straße gebe, bleibe es jedoch voraussichtlich bei Tempo 50 – anders als bei den anderen drei Pflegeheimen in Aurich. Sie liegen in Tempo-30-Zonen.
Kritiker von Tempo-30-Zonen auf Hauptstraßen führen als Gegenargument den stockenden Verkehrsfluss an. Dieses Argument hält das Umweltbundesamt für falsch. In einer von der Bundesbehörde in Auftrag gegebenen Studie heißt es, die Leistungsfähigkeit innerstädtischer Hauptverkehrsstraßen werde maßgeblich von den Ampelkreuzungen bestimmt. Sie seien der „Flaschenhals“. Der Verkehrsfluss werde nicht durch eine geringere Höchstgeschwindigkeit gebremst, so die Autoren der Studie, sondern durch Faktoren wie Schwerlastverkehr, geringe Fahrstreifenbreiten oder abbiegende Fußgänger und Radfahrer.