Bremen Ärzte fordern Strafgebühr für versäumte Termine
Über die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung der Bundesländer bekommen Patienten Termine bei Ärzten und Psychotherapeuten vermittelt. Eine Auswertung aus Bremen hat jetzt ergeben: Jeder fünfte taucht nicht in der Praxis auf. Das soll nun Konsequenzen haben.
Bei Ärzten in Bremen steigt der Frust: Immer häufiger komme es in Praxen zu sogenannten „No Shows“ – das bedeutet, dass der Patient zum vereinbarten Termin nicht auftaucht, ohne diesen vorher abzusagen. Davon berichtet der „Weser Kurier“. Gleichzeitig müssen andere Menschen wochen- oder monatelang auf einen Termin warten, so die Bremer Mediziner.
Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Bremen, die über ihre Terminservicestelle Arzt- und Psychotherapeutentermine vermittelt, hat Zahlen für den Zeitraum von Januar 2021 bis Ende Juni 2022 ausgewertet. Das Ergebnis: Jeder fünfte Termin (21 Prozent) entfiel ohne vorherige Absage.
Besonders oft sagten Patienten ihre Termine nicht ab, die bei hausärztlichen Internisten angemeldet waren. Fast jeder zweite Patient (44 Prozent) kam nicht zum vereinbarten Termin in die Praxis. Bei den Allgemeinärzten nahm jeder dritte Patient (33 Prozent) den Termin nicht wahr, ohne abzusagen.
Von hohen Ausfallquoten waren außerdem Gynäkologen (32 Prozent), Gastroenterologen und Augenärzte (jeweils 26 Prozent) betroffen. Auch bei Psychotherapeuten (21 Prozent) und Hautärzten (20 Prozent) kamen „No Shows“ vor.
Viele Praxisbetreiber und die KV in Bremen fordern Konsequenzen. Wer einen Termin erhalte, habe auch die Verantwortung diesen bei Verhinderung abzusagen, sagten die Bremer KV-Vorstände Bernhard Rochell und Peter Kurt Josenhans gegenüber dem „Weser Kurier“. So könne ein anderer Mensch, den sonst eine lange Wartezeit erwarte, früher zum Arzt. Die „No Shows“ belasteten das Gesundheitssystem in der ambulanten Versorgung.
„Deshalb fordern wir, sogenannte ‚No Shows‘, die nicht durch Gründe wie das Erleiden eines Verkehrsunfalls auf dem Weg zur Praxis oder zum Krankenhaus erklärt werden können, mit einer Gebühr zu belegen“, erklären die KV-Vorstände. Die Ausfallgebühr solle von der Krankenkasse des betreffenden Patienten an die jeweilige Praxis oder Klinik entrichtet werden, bei der der Termin bestand. Wie hoch diese Gebühr sein soll, ist noch nicht klar.
Ärzte beklagen auch, dass sich die Termine nicht kurzfristig mit anderen Patienten besetzen ließen. Den Praxen entstehe ein wirtschaftlicher Schaden, besonders wenn es um aufwändige Untersuchungen geht, für die Personal und Geräte vorbereitet werden müssten. Die Ärzte setzten deshalb vermehrt auf Terminerinnerungen per SMS und E-Mail – das sei noch ein zusätzlicher Aufwand.
Die Terminservicestellen sind 2016 bundesweit eingerichtet worden. Sie sollen gegen die langen Wartezeiten auf Arzttermine von gesetzlich Versicherten helfen.
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Patienten können sich online oder unter der Rufnummer 116 117 an die Servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung wenden, um einen Arzttermin zu vereinbaren. Hier ist auch der ärztliche Bereitschaftsdienst erreichbar. Praxen, die an dem System teilnehmen, müssen bestimmte Zeitfenster für diese Termine freihalten.