Sensible Daten abgegriffen  Hackerangriff auf Auricher Gesundheitsamt

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 06.06.2023 15:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hacker haben beim Gesundheitsamt des Landkreises Aurich Daten abgegriffen. Symbolfoto: Archiv
Hacker haben beim Gesundheitsamt des Landkreises Aurich Daten abgegriffen. Symbolfoto: Archiv
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Computer-Kriminelle haben beim Gesundheitsamt des Landkreises Aurich personenbezogene Daten gestohlen. Betroffen sind bis zu 3000 Menschen. Der Landkreis mahnt zur Vorsicht.

Aurich - Im Gesundheitsamt des Landkreises Aurich hat es einen Hackerangriff gegeben, durch den womöglich personenbezogene Daten in unbefugte Hände geraten sind. „Es ist nicht auszuschließen, dass im Rahmen einer Malware-Kampagne (Schadsoftware-Kampagne) mindestens vier E-Mails des Funktionspostfaches entschaedigung@landkreis-aurich.de abgegriffen und für die Versendung von E-Mails mit schädlichem Anhang unter Vortäuschung der Identität des Landkreises Aurich genutzt wurden“, heißt es im Amtsblatt für den Landkreis Aurich und die Stadt Emden vom 2. Juni. Das Amtsblatt ist eine Zeitung, in der Behörden amtliche Bekanntmachungen und Mitteilungen veröffentlichen. „Der Abfluss weiterer E-Mails mit (personenbezogenen) Daten kann nicht ausgeschlossen werden“, heißt es dort weiter.

Wie Landkreis-Pressesprecherin Christel Foortmann am Dienstag auf Anfrage mitteilte, sind bis zu 2967 Menschen betroffen. Wahrscheinlich seien es jedoch deutlich weniger. Die Attacken, auf die man durch Rückmeldungen von Betroffenen aufmerksam geworden sei, seien zwischen dem 7. März und dem 28. April passiert. Durch den Hackerangriff seien „auf kriminelle Weise personenbezogene Daten entwendet“ worden, teilt der Landkreis via Amtsblatt mit. Eine Löschung dieser Daten sei nicht möglich. „Es kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass die Daten für weitere kriminelle Handlungen genutzt werden.“

Die Polizei ermittelt

Der Landkreis hat die Landesbeauftragte für den Datenschutz, externe Sicherheitsexperten und die Polizei eingeschaltet. Die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime des Landeskriminalamtes habe den Fall an die Polizeiinspektion Aurich/Wittmund abgegeben, sagte deren Pressesprecherin Wiebke Baden auf Anfrage. Zum Stand der Ermittlungen könne sie noch nichts sagen, so Baden. Der Landkreis werde versuchen, den Ablauf zu ermitteln, „und weitere Schritte zur künftigen Datensicherheit unternehmen“, heißt es im Amtsblatt.

Die Kreisverwaltung selbst ist durch den Hackerangriff nicht beeinträchtigt. Im Computersystem ist nach Angaben von Pressesprecherin Foortmann keine Schadsoftware verblieben. Das war vor knapp fünf Jahren anders: Im August 2018 legten Hacker die EDV der Kreisverwaltung lahm. Per E-Mail wurde das System damals mit einem Krypto-Trojaner verseucht – einem Programm, das Dateien verschlüsselt und unzugänglich macht.

Wie man sich jetzt verhalten sollte

In den E-Mails, die aus dem Funktionspostfach entschaedigung@landkreis-aurich.de abgeflossen sind, geht es unter anderem um gesundheitliche Dinge wie Ergebnisse von Corona-Tests, Quarantänebescheide und Impfausweise, aber auch um Lohnabrechnungen, Steuerbescheide und Bankdaten. „Der Landkreis Aurich hat keinerlei Einfluss darauf, was mit den gestohlenen Daten missbräuchlich passieren könnte“, warnt die Kreisverwaltung. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Daten von Dritten genutzt werden.

Der Landkreis spricht folgende Verhaltenstipps aus: Passwörter ändern (dienstlich und privat), Kontobewegungen regelmäßig prüfen, Antivirensystem auf dem privaten PC und Updates des Betriebssystems aktuell halten, Firewall aktivieren. Besondere Wachsamkeit sei geboten, wenn

  • die Bank verdächtige Kreditkarten-Zahlungen meldet,
  • Mail-Partnern auffällt, dass von der eigenen Adresse Spam verschickt wird,
  • Logins nicht funktionieren, obwohl die Daten korrekt sind,
  • Geräte wie PC, Laptop oder Handy einen stark erhöhten Akkuverbrauch haben.

Für Anfragen zum Datenschutzvorfall im Gesundheitsamt hat der Landkreis ein Kontaktformular eingerichtet.

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