Hamburg  Der HSV geht in die sechste Zweitligasaison – und redet sich alles etwas schön

Malte Schlaack
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Von Malte Schlaack
| 06.06.2023 14:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Keine Freunde, aber Respekt voreinander: HSV-Trainer Tim Walter (r.) und sein VfB-Kollege Sebastian Hoeneß nach den beiden Spielen in der Relegation, aus denen die Stuttgarter als Sieger hervorgingen. Foto: imago/Sportfoto Rudel
Keine Freunde, aber Respekt voreinander: HSV-Trainer Tim Walter (r.) und sein VfB-Kollege Sebastian Hoeneß nach den beiden Spielen in der Relegation, aus denen die Stuttgarter als Sieger hervorgingen. Foto: imago/Sportfoto Rudel
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Der Hamburger SV hat wieder einmal den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga verpasst. Schlecht ist die Stimmung beim HSV aber trotzdem nicht.

Wie sich die Bilder doch gleichen. Am 23. Mai 2022 verpasste der Hamburger SV in der Relegation gegen Hertha BSC den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga. Etwas mehr als ein Jahr später folgte die unliebsame Wiederholung gegen den VfB Stuttgart. Doch von Frust auf den Tribünen war nicht viel zu sehen – und der Trainer übte sich in seiner Lieblingsdisziplin.

Eigentlich hat der HSV ja eine gute Saison in der 2. Bundesliga gespielt, 66 Punkte waren es am Ende der nun fünf Saisons zuvor jedenfalls noch nie. Darüber hinaus stimmt die Verbindung zwischen Mannschaft und Fans. Das war im Rückspiel der Relegation von der ersten Minute an zu merken, insbesondere natürlich beim frühen 1:0 durch Sonny Kittel, das die Hoffnung auf das große Wunder befeuerte nach dem 0:3 in Stuttgart.

Doch spätestens als der VfB kurz nach der Pause ausglich und dann in Führung ging, war diese Hoffnung dahin – und die Fans machten trotzdem weiter und feierten ihre Mannschaft auch noch weit nach Abpfiff dieser letztlich recht einseitigen Relegation. „Was die Jungen und Mädchen da machen, ist einfach der Wahnsinn und auch viel wichtiger als alles andere“, sagte Tim Walter später – wieder einmal. Es liegt in der Natur eines Trainers die Dinge sehr subjektiv und auch mal verzerrt zu sehen, Der HSV-Coach ist in dieser Disziplin aber bundesliga-, vielleicht sogar meisterreif. Bei seinen Ausführungen kurz vor Mitternacht konnte man den Eindruck bekommen, dass die Hamburger ohnehin viel Pech haben, ihnen übel mitgespielt wird und die Relegation nur denkbar knapp verloren wurde.

Das alles gehört wie gesagt zum Einmaleins eines Trainers und kann für eine Wagenburgmentalität im Verein sorgen, geht aber im Fall des HSV in der Relegation ziemlich schnell an der Realität vorbei. Stuttgart war über 180 Minuten die klar bessere Mannschaft, wie es die Ergebnisse von 3:0 und 3:1 für die Schwaben auch erkennen lassen. Der HSV ist verdient nicht aufgestiegen und ist mit Walters Offensivfußball für einen halbwegs gut besetzten Gegner recht einfach zu entschlüsseln.

Dass der nächste Anlauf in der dann sechsten Saison in der 2. Bundesliga mit dem gleichen Trainer genommen wird, ist indes schon klar. Auf dass geschaffene Fundament gelte es aufzubauen und laut Sportvorstand Jonas Boldt geschehe dies „selbstverständlich“ mit Tim Walter. Ob Leistungsträger wie Robert Glatzel oder Ludovit Reis gehalten können, werden „viele Gespräche“ zeigen, die laut des Trainers nun geführt werden.

Und Stuttgart? Trainer Sebastian Hoeneß war vor allem eins: total erleichtert. „Ich muss das erst einmal einordnen. Das waren brutal intensive Wochen“, sagte der VfB-Coach, der erst seit zwei Monaten im Amt ist und in dieser Zeit nur ein Spiel verloren hat. Er hat eine sicher alles andere als leicht zu trainierende Mannschaft zusammengebracht und das Minimalziel Klassenerhalt über den Umweg Relegation erreicht.

Grund zum Jubeln ist das beim VfB aber nicht. Vier Trainer gab es diese Saison, dazu einen sehr großen Kader, der durch die Rückkehr diverser Leihspieler nicht kleiner wird. Hoeneß und Sportdirektor Fabian Wohlgemuth haben im Sommer eine Menge zu tun, was im traditionell unruhigen Stuttgarter Umfeld sicher nicht einfach wird. Aber immerhin können sie für die Bundesliga planen – davon kann der HSV trotz guter Stimmung weiter nur träumen.

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