Fachkräfte aus Südamerika  Hilfe aus Brasilien – wenn Plattdeutsch zur Hürde wird

Oliver Bär
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Von Oliver Bär
| 05.06.2023 18:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hubertus Heil (SPD), Bundesminister für Arbeit und Soziales, besucht eine katholische Universität, in der man in einem vierjährigen Studiengang zur Pflegekraft mit Bachelor-Abschluss absolvieren kann. Foto: Riedl/dpa-pool/dpa
Hubertus Heil (SPD), Bundesminister für Arbeit und Soziales, besucht eine katholische Universität, in der man in einem vierjährigen Studiengang zur Pflegekraft mit Bachelor-Abschluss absolvieren kann. Foto: Riedl/dpa-pool/dpa
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Außenministerin Baerbock und Arbeitsminister Heil sind auf Werbetour um Pflegekräfte. In Ostfriesland könnte Plattdeutsch zur zusätzlichen Hürde werden.

Brasilia/Ostfriesland - Angesichts des Mangels an Pflegekräften in Deutschland sehen Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) gute Chancen, mehr qualifizierte Mitarbeiter aus Brasilien anzuwerben. „Brasilianische Pflegekräfte und kolumbianische Elektriker finden in Deutschland bereits offene Arme. Diese Partnerschaft wollen wir ausbauen“, sagte Baerbock am Montag zum Auftakt einer Lateinamerika-Reise in Brasilia. Zusammen mit Heil warb sie für Deutschland als Standort mit guten Arbeits- und Lebensbedingungen.

Grundsätzlich würden Pflegeheime und Krankenhäuser auch in Ostfriesland langfristig nicht darum herumkommen, Fachkräfte aus dem Ausland zu rekrutieren, sagt Christoph Leßnig, Geschäftsführer und Heimleiter des „Haus am Königsmoor“ in Veenhusen. Er begrüßt die Initiative der Ampel-Regierung: „Die Alterspyramide hat sich gedreht, allein mit Ausbildung werden wir den Fachkräftemangel nicht auffangen können.“ Persönlich halte er den Einsatz ausländischer Fachkräfte in Ostfriesland aber für schwieriger als in anderen Regionen: „Viele der Senioren hier reden noch Plattdeutsch. Da ist die Verständigung ein zusätzliches Problem.“

200 brasilianische Pflegekräfte in Deutschland

Ein nicht zu unterschätzendes Sprachproblem erwartet auch Heike Groot Papke, Einrichtungsleiterin des Geronto-psychiatrischen Pflegezentrums Holtland. „Auch bei uns sprechen viele Bewohner nur noch Platt. Das ist sicher nicht einfach für ausländische Fachkräfte.“ Daher spricht sie sich dafür aus, dass der Spracherwerb bereits im Heimatland der angeworbenen Menschen sichergestellt werden müsste. „Dann sind neue Mitarbeiter aus Südamerika sicher ein Gewinn.“ Im Pflegezentrum Holtland arbeite bereits ein internationales Team – auch mit Mitarbeitern aus Südamerika, die mit ihrer Lebenseinstellung und Energie die Atmosphäre positiv beeinflussen würden.

Aktuell arbeiten laut Heil bis zu 200 brasilianische Pflegekräfte in Deutschland. Und der SPD-Minister wirbt kräftig um weitere Fachkräfte. In der Pflege sei der Bedarf an Fachkräften in Deutschland groß, während es in Brasilien einen Überhang an gut ausgebildeten Kräften gebe, sagte er. Die Arbeitslosenquote bei Pflegerinnen und Pflegern liege dort bei zehn Prozent. Heil zufolge hält die Bundesagentur für Arbeit (BA) die Anwerbung von bis zu 700 Pflegekräften pro Jahr für möglich.

Nur wenn Herkunftsland zustimmt

Heil nannte die Anwerbung von Pflegekräften ein sensibles Thema. Nach den Regeln der Weltgesundheitsorganisation WHO dürfe man Ländern, die zu wenig Pflegekräfte hätten, keine abjagen. Wenn man besser kooperiere und faire Regeln aufstelle, „auch für faire Migration, dann ist das im wechselseitigen Interesse“. In der Vergangenheit habe es viel zu bürokratische Verfahren und ein abschreckendes Einwanderungsrecht gegeben.

Die BA und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) stellen nur dann Pflegefachkräfte ein, wenn die Herkunftsländer zustimmen. Mit der brasilianischen Pflegekammer Cofen hat die BA vor einem Jahr eine Absprache zur Vermittlung von Pflegefachkräften unterzeichnet. Darin stehen Regeln zur Bewerberauswahl, zum Vermittlungsprozess, zum Spracherwerb und zur Anerkennung von Qualifikationen. Auch hier mahnt Groot Papke dringenden Verbesserungsbedarf an: Aus ihrer Erfahrung sei das ganze Verfahren „viel zu bürokratisch“ und ziehe sich in die Länge. „Wenn das schneller ginge, wäre schon viel gewonnen.“

Seit 2018 rekrutiert die BA brasilianische Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt. Derzeit betreut sie nach eigenen Angaben 374 Bewerber aus Pflegeberufen, 43 aus technischen und Handwerksberufen sowie 42 aus Ingenieur- und IT-Berufen.

Mit Material von dpa

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