Osnabrück  Pflegekräfte aus Brasilien – Anwerbung ist kein Allheilmittel

Thomas Ludwig
|
Von Thomas Ludwig
| 05.06.2023 16:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Erfolgsmodell mit Zukunft? Schon zu Corona-Zeiten sind Pflegekräfte aus Brasilien nach Deutschland gekommen. Foto: picture alliance/dpa/Stefan Sauer
Erfolgsmodell mit Zukunft? Schon zu Corona-Zeiten sind Pflegekräfte aus Brasilien nach Deutschland gekommen. Foto: picture alliance/dpa/Stefan Sauer
Artikel teilen:

Gleich zwei deutsche Minister werben in Brasilien um Arbeitskräfte, um dem deutschen Fachkräftemangel zu begegnen. Es wirkt ein wenig verzweifelt – denn Deutschland verliert international an Attraktivität.

Nicht nur im Pflegebereich bekommt Deutschland den Arbeits- und Fachkräftemangel immer deutlicher zu spüren. Auch im Handwerk und bei Ingenieurberufen ist das Personal zunehmend knapp.

Es ist also wenig verwunderlich, dass Außenamtschefin Annalena Baerbock und Arbeitsminister Hubertus Heil in Brasilien die Werbetrommel rühren, um Arbeitskräfte nach Deutschland zu locken.

In einer globalisierten Welt erscheint die Anwerbung von Arbeitskraft jenseits der Grenzen nur folgerichtig –  zumal die Arbeitslosenquote bei ausgebildeten Pflegekräften in Brasilien bei zehn Prozent liegen soll.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung schätzt, dass 2035 bis zu sieben Millionen Fachkräfte in Deutschland fehlen werden. Eine gezielte und effektive Anwerbung von Arbeitskräften ist dagegen zwar kein Allheilmittel, kann aber Engpässe beseitigen helfen.

Mit dem Fachkräfte-Einwanderungsgesetz wurde in der Vergangenheit der Rahmen für die Beschäftigung von Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland erweitert; weitere Anpassungen an aktuelle Erfordernisse sind nötig. Das kann aber nur die eine Seite der Medaille sein.

Auch die Integration der Mitarbeiter in die Gesellschaft ist zu gewährleisten. Es versteht sich von selbst, dass angeworbene Kräfte eine langfristige Perspektive brauchen. Menschen, die in Deutschland arbeiten, möchten hier nicht nur ihr Karrierepotenzial ausschöpfen sondern vielleicht auch eine Familie gründen.

Die immer noch weit verbreitete Ansicht, wonach ausländische Arbeiter hierzulande nur Gast sein sollten, passt nicht mehr in die Zeit; als besonders fremdenfreundlich gilt Deutschland noch lange nicht.

Mindestens so wichtig wie ministerielle Rekrutierungsreisen zur Aufpolierung des Rufs und politische Initiativen für die vereinfachte bürokratische Weichenstellung ist also ein gesellschaftliche Klima, das fremder Hände Arbeit wertschätzt.

Ähnliche Artikel