Osnabrück Schuldbekenntnis vor 1600 Menschen: So verabschiedete das Bistum Osnabrück Bischof Bode
Ein voller Dom, selbstkritische Worte und eine große Feier: Am Sonntag verabschiedete das Bistum Osnabrück Bischof Franz-Josef Bode, der im März zurückgetreten war.
Mit einem feierlichen Gottesdienst verabschiedete das Bistum Osnabrück den früheren Bischof Franz-Josef Bode. Zu Beginn bekannte Bode einmal mehr öffentlich seine Schuld und bat um Vergebung. Er dankte den laut Schätzungen rund 800 Teilnehmern im Osnabrücker Dom sowie 800 weiteren im Livestream für ihre Teilnahme „nach diesem überschatteten Weg”. Bode gab sich in der Messe demütig und sagte: „Ich habe leider nur schrittweise gelernt, was Verantwortung wirklich bedeutet.” Der Bischof war im März mit Verweis auf den Umgang mit Missbrauch, aber auch seine Gesundheit zurückgetreten.
In seiner ausführlichen Predigt sagte Bode: „Und so bitte ich auch an dieser Stelle noch einmal um Vergebung für alle diese Fehler, Pflichtvernachlässigungen, Fahrlässigkeiten und Unentschiedenheiten und blinden Flecken, die Menschen geschadet und verletzt haben.”
Der emeritierte Bischof fügte hinzu: „Besonders im Blick auf sexualisierte Gewalt habe ich mich leider mehr den Tätern als den Betroffenen zugewandt.” Der Weg der Kirche sei „der Weg des Dienstes an der Schöpfung und des Dienstes am Menschen, vor allem an den Menschen, die am Boden liegen, verzweifelt oder ausgegrenzt.”
Bode erklärte zudem, er sei im Frieden mit seiner Rücktrittsentscheidung. Er bereite sich nun schrittweise auf eine Zeit als Seelsorger vor.
Im Rahmen eines Grußwortes im Dom verteidigte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, Bode gegen Kritik. Er sagte mit Blick auf den ehemaligen Bischof von Osnabrück: „Wer dich heute allerdings noch als ‚Vertuscherbischof‘ beschimpft, wird dir nicht gerecht”. Wer so rede, habe weder die Person Bode, noch dessen Einsatz für Aufarbeitung verstanden.
Bätzing betonte, Bode sei ein „starker Bischof mit allen Schwächen, von denen er selbst offen spricht, sei es seine Krankheit, sei es sein – ich benutze ein Wort des Bischofs – ‚Versagen’ im Umgang mit der Bekämpfung sexueller Gewalt in der Kirche.“ Bode sei mit dieser Schwäche „offen und ehrlich, selbstkritisch und konsequent“ umgegangen. Als Bätzing Bodes Engagement für Reformen in der katholischen Kirche ansprach, brandeten Applaus und Jubel auf.
Die Osnabrücker Oberbürgermeisterin Katharina Pötter sagte gegenüber Bode: „Ich hatte und ich habe Respekt davor, dass Sie bereit gewesen sind, für persönliche Versäumnisse und Fehlentscheidungen im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der schlimmen Fälle von sexuellem Missbrauch im Bistum Verantwortung zu übernehmen.“ Pötter fügte hinzu, Bode habe es „nicht verdient, nur auf die Fehler reduziert zu werden, die Sie selbst eingeräumt haben“. Das Positive habe in Bodes Amtszeit „sehr, sehr deutlich überwogen“. Sie habe den Bischof „stets als einen freundlichen, nahbaren und in den Gemeinden des Bistums ausgesprochen beliebten Seelsorger erlebt, der für jeden ansprechbar war und der für eine moderne, reformbereite katholische Kirche stand“. Der evangelische Landesbischof Ralf Meister bezeichnete Bode als ökumenischen Freund.
Katharina Abeln, Vorsitzende des Katholikenrates und Bernhard Stecker, Propst in Bremen, sprachen für die Haupt- und Ehrenamtlichen. Abeln sagte über Bode: „Sie haben dem Bistum ein Gesicht gegeben.“ Sie fügte hinzu: „Und wirklich dankbar bin ich, dass Sie direkt nach der letzten Synodalversammlung mit der Umsetzung einiger Beschlüsse wichtige Wegmarker gesetzt haben.“ Als Abschiedsgeschenk überreichten die beiden Bode ein Foto, das den Osnabrücker Dom zeigt, der aus den Porträtfotos von Gläubigen zusammengesetzt ist.
Franz-Josef Bode war mehr als 27 Jahre lang Bischof von Osnabrück. Zu seiner Verabschiedung waren auch prominente Vertreter von Kirchen und aus der Politik nach Osnabrück gekommen. Darunter der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff, der Münsteraner Bischof Felix Genn, der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer und der Hamburger Erzbischof Stefan Heße.