Vorbereitung auf Demo  Pro und kontra Wolf – Aurich sieht sich gerüstet

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 30.06.2023 14:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Wolf hat in Ostfriesland nichts zu suchen, meinen die Organisatoren der Großdemo am Sonnabend, 10. Juni. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Der Wolf hat in Ostfriesland nichts zu suchen, meinen die Organisatoren der Großdemo am Sonnabend, 10. Juni. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Am 10. Juni treffen in Aurich Wolfsgegner und -schützer aufeinander. 300 Trecker machen sich auf den Weg in die Kreisstadt. Die Stadt erklärt, wie sie für Sicherheit sorgen will.

Aurich - Der 10. Juni wird in Aurich ein heikler Tag: Dann treffen in der Stadt Wolfsgegner und -schützer aufeinander, beide in mehr oder weniger aufgeheizter Stimmung. Die Stadt Aurich hat für den Tag der Demos und Gegenkundgebungen mit der Polizei ein Verkehrs- und Sicherheitskonzept erstellt und sieht sich gerüstet, wie Ordnungsamtsleiter Helmut Lücht am Donnerstag auf Anfrage mitteilte: „Ich denke, das ist für alle Seiten ein guter Kompromiss.“

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Die Vereinigung „Land schafft Verbindung“ (LSV) und der Friesische Verband für Naturschutz wünschen sich Ostfriesland als wolfsfreie Zone und haben für 19 Uhr eine Kundgebung mit bis zu 3000 Teilnehmern auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz bei der Sparkassen-Arena angezeigt. Am Nachmittag machen sich rund 300 Traktoren aus Richtung Leer, Norden und Wittmund auf den Weg nach Aurich.

„Der Verkehr wird nicht zum Erliegen kommen“

Die Stadt Aurich hat für die Trecker-Sternfahrt ein Verkehrskonzept entwickelt. Die Zufahrten zum Arena-Gelände werden für Fahrzeuge gesperrt. Die Trecker können auf den äußeren Fahrstreifen der vierspurigen Bundesstraße abgestellt werden. Außerdem stehen Parkflächen bei der Integrierten Gesamtschule sowie bei den Firmen Reifen Günther, Wima und Böwe am Breiten Weg und am Wallster Weg zur Verfügung. Auch die Johannes-Diekhoff-Straße wird gesperrt. Ohne Verkehrsbehinderungen werde es nicht gehen, sagt Lücht. „Aber der Verkehr wird nicht zum Erliegen kommen.“

Wenn die Treckerfahrer und andere Teilnehmer zu Fuß zur Kundgebung bei der Sparkassen-Arena gehen, werden sie auf zwei Gegenkundgebungen treffen: Den „Ostfriesen gegen Tierleid“ wurde nach Angaben Lüchts für ihre Mahnwache mit 30 bis 50 Personen eine Fläche zwischen Kino und Extumer Weg zugewiesen, der Antifaschistischen Aktion Ostrhauderfehn der Platz vor dem Eingang der Sparkassen-Arena. „Wir haben eine klare räumliche Trennung“, sagt Lücht. Die „Ostfriesen gegen Tierleid“, die sich mit Bannern und Plakaten für den Schutz des Wolfes einsetzen, sind einverstanden. „Da kommen ja viele Leute vorbei“, sagt Sprecherin Jutta van Vorst.

Angetan vom Ordnungsamt

Roger Miller von der Antifaschistischen Aktion Ostrhauderfehn hatte sich – wie die Wolfsgegner – auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz postieren wollen. Nun steht er rund 200 Meter entfernt, vor dem Eingang der Arena. Miller findet das in Ordnung. Ohnehin ist der 69-Jährige angetan vom Ordnungsamt der Stadt Aurich, dem er am Donnerstag einen Besuch abstattete. „Das war ein sehr nettes Gespräch.“ Die Polizei habe ihm die Kundgebung bei der Arena untersagen wollen, doch das Ordnungsamt habe anders entschieden.

Lücht sagt dazu: „Wir müssen als Behörde abwägen.“ Das Versammlungsrecht sei ein hohes Gut, doch auch die Sicherheit müsse beachtet werden. Er ist zuversichtlich, dass trotz gewisser Reibungspunkte am 10. Juni alles friedlich bleibt. „Die Polizei stellt sich darauf ein.“ Zur geplanten Einsatzstärke macht die Polizeiinspektion Aurich/Wittmund wie üblich keine Angaben. „Wir sind entsprechend vorbereitet“, sagt Pressesprecherin Wiebke Baden nur.

„Natürlich soll es diese Leute treffen“

Miller macht deutlich, dass er im Angesicht der Wolfsgegner kein Blatt vor den Mund nehmen werde. „Ich schrecke nicht davor zurück, mich vor 3000 Leute zu stellen, die anderer Meinung sind. Natürlich soll es diese Leute treffen. Wenn’s geht, ins Mark.“ Von stillen Mahnwachen habe er noch nie etwas gehalten, sagt der Antifaschist mit einem Seitenhieb gegen die „Ostfriesen gegen Tierleid“.

„Das ist meiner Meinung nach verplemperte Zeit.“ Stattdessen werde er zum Megafon greifen und die Dinge beim Namen nennen. An den vielen Wolfsrissen in Ostfriesland seien die Weidetierhalter selbst schuld, meint Miller, da sie nicht bereit seien, Schutzmaßnahmen zu ergreifen: „Wenn ich an meinem Haus keinen Blitzableiter habe und dann das Haus abbrennt, kann ich nicht rumjammern.“ Schafe müssten durch Zäune, Hunde und Schäfer geschützt werden: „Dann wird der Wolf schnell das Interesse verlieren.“

Auch Jäger, Milchbauern und Schweinemäster wolle er in seiner Rede kritisieren, kündigt Miller an. Außerdem werde er fordern, dass Dr. Hansjörg Heeren aus Ochtelbur, einem der Initiatoren der Anti-Wolfs-Demo, die Approbation als Tierarzt entzogen wird. Dieselbe Rede werde er am Nachmittag bei einer Kundgebung auf dem Auricher Marktplatz halten (Beginn um 15 Uhr). Angst vor einer Konfrontation habe er nicht, sagt Miller. „Wenn es Buhrufe gibt, ist mir das schnurzpiepegal.“