Delmenhorst Isabel Usbeck sticht als eine der ersten in Deutschland Sommersprossen-Tattoos
Sommersprossen sind im Trend. Während sie früher noch als Makel galten, lassen sich jetzt immer mehr Frauen und Männer die kleinen braunen Punkte tätowieren. Eines der begehrten und bisher noch seltenen Studios „isielle aesthetics“ befindet sich in Delmenhorst. Wir waren dabei: So läuft ein Freckles-Termin zwischen Freude und Schmerz ab.
Louisas Freund kann es nicht glauben. Seine Partnerin will sich Sommersprossen ins Gesicht tätowieren lassen. „Ich hab dich doch genau so ausgesucht und finde dich schön so wie du bist“, versucht er sie zu überzeugen. Wie ihm mag es vielen gehen, denn noch vor ein paar Jahren galten Sommersprossen eher als lästige Pigmentablagerungen und wurden überschminkt – der Trend kann also schon verwirrend sein. In diesem Fall ist es aber zu spät, Louisa Osterraths Entscheidung steht fest, sie fährt aus Hamburg extra nach Delmenhorst, um sich im Permanent Make-up Studio Isielle Aesthetics braune Flecken unter die Haut stechen zu lassen.
Der Trend fing im vergangenen Herbst in Spanien und anderen europäischen Ländern an, berichtet die Delmenhorsterin Isabel Usbeck, Inhaberin des Studios. Sie selbst hat im November 2022 eine Schulung für die sogenannten Freckles-Tattoos, was im englischen Sommersprossen heißt, in Berlin beim Studio Pearltattoo gemacht. Damals das einzige Studio, dass das semipermanente Tattoo in Deutschland anbot. Die Nachfrage sei groß - und deshalb wollte die Spezialistin für Permanent-Make-up ihr Angebot erweitern.
Nach dem Ausfüllen des üblichen Gesundheitsbogens, den es auch in Tattoostudios gibt, zeigt Kundin Osterrath Fotos von Gesichtern mit Sommersprossen, die sie schon immer gerne hätte. „Ich finde das einfach schön, ich bin ganz aufgeregt“, sagt sie und lächelt breit. Bei einer Klassenkameradin hat die 27-Jährige das Gesichts-Tattoo aus Delmenhorst gesehen und hatte sofort ein gutes Gefühl. Nur wenige Wochen später liegt sie nun hier - und es kann losgehen.
Die braunen, kleine Flecken zeichnet Usbeck mit einem säurefreien Filzstift erst einmal ungefähr vor. Dann bekommt die Kundin einen Spiegel in die Hand und kann sich betrachten. „Ich sehe ja aus wie das Sams“, sagt sie und lacht. Der Stift zum Vorzeichen hat eine deutlich stärkere Farbe als das tatsächliche Pigment, daher der Schock. Jetzt geht es an die Feinarbeit, mit spitzen Lippen betrachtet sich Osterrath intensiv. Ein Fleck auf der Stirn soll weg – dafür gerne ein paar mehr in Richtung Auge. Nach zehn Minuten ist die Hamburgerin zufrieden. Die circa 70 Sommersprossen sind ein M Paket und kosten 190 Euro.
Bei Isielle Aesthetics gibt es verschiedene Größen an „Freckles-Paketen“, das kleinste Paket S, enthält 20 bis 50 Sommersprossen und kostet 100 Euro. Mit dem größte können weit über hundert Flecken gestochen werden. Es liegt bei 270 Euro. Die künstlichen Sommersprossen sind semipermanent und halten laut der Spezialistin eineinhalb bis zwei Jahre. „Das hängt vom Hauttyp ab, wer das Gesicht viel im Kissen reibt, öfters in der Sonne ist oder chemische Peelings verwendet, regt die Erneuerung der Haut an. Dann fallen die Sommersprossen schneller raus“, sagt Usbeck und meint damit, dass die Pigmentierung schneller verblasst. Die heutige Pigmentierung kann nun beginnen.
Das nickelfreie Pigment wird mit Rosenwasser verdünnt und dann mit einer Nadel eingezupft. „Das mache ich immer per Hand. Dann sind die Pigmentierungen nicht ganz rund und identisch, das sieht natürlicher aus“, sagt Usbeck. Nach der ersten Runde überprüft die Make-up-Spezialistin, wie gut die Farbe aufgenommen wurde und sticht die meisten Punkte nochmals nach. Das kann schonmal weh tun.
90 Prozent ihrer Kundinnen und Kunden sind Richtung Auge und auf der Nasenspitze am schmerzempfindlichsten. Louisa Osterrath lässt das Pigmentieren aber mit entspannten Gesichtszügen über sich ergehen, nur einmal beginnt ihr Auge zu tränen. Das sei normal, sagt Usbeck. Osterrath macht das nichts, sie hat einige Tattoos und im Vergleich zum Weglasern sei das Piksen der Nadel gar nichts. Sie sagt:
Im Gegensatz zum Sonnenbrand sollte die gerötete Haut aber am besten gar nicht oder nur sehr dünn eingecremt werden. Nach fünf bis 14 Tagen sind die kleinen Wunden abgeheilt und das Pigment erreicht dann seine gewünschte Färbung, sagt Usbeck.
Auf ihrem Instgram Account zeigt Isabel Usbeck ihre Werke:
Der Delmenhorster Hautarzt Doktor Manfred Thelen ist skeptisch, auch wenn er betont, dass er kein Spezialist im Thema semipermanenter Tattoos ist, sagt er: „Es handelt sich, wie bei jedem Tattoo, eben um eine Beschädigung der Haut, als Arzt bin ich davon kein Fan. Die Haut sollte geschützt werden, nicht durchstochen.“ Abstoßungsreaktionen können nach seiner Ansicht bei jedem unerwartet eintreten, aber es komme auf die Inhaltsstoffe des Pigments an. Er ist über den Trend überrascht, er hatte in seiner langen Karriere viele Patientinnen und Patienten, die ihre natürlichen eher Sommersprossen loswerden wollten.