Berlin  Digitaler Euro: Darum soll die elektronische Währung kommen

Leon Grupe
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Von Leon Grupe
| 29.05.2023 17:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Fotomontage des digitalen Euros. Die Europäische Zentralbank will die elektronische Währung im EU-Raum einführen. Foto: Imago Images/Christian Ohde
Fotomontage des digitalen Euros. Die Europäische Zentralbank will die elektronische Währung im EU-Raum einführen. Foto: Imago Images/Christian Ohde
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Bargeldloses Bezahlen wird immer beliebter. Daher plant die Europäische Zentralbank, den digitalen Euro einzuführen. Aber was bedeutet das genau? Und wie denken die Deutschen darüber? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Die Deutschen und ihr Bargeld: Bislang ist das eine ungebrochene Liebesbeziehung. Noch immer gibt es etliche Läden, etwa in der Gastronomie, die überhaupt keine Kartenzahlung akzeptieren. Noch immer zählen Menschen an der Supermarktkasse fein säuberlich ihre Scheine und Münzen, um den Einkauf centgenau zu bezahlen anstatt eine Bankkarte zu zücken. Doch langsam ändern die Deutschen ihr Verhalten. Nach Angaben der Bundesbank wurden 2017 bundesweit noch 74 Prozent der Einkäufe der Deutschen bar bezahlt, 2021 waren es nur noch 58 Prozent. In anderen Ländern der Europäischen Union sind es teilweise noch deutlich weniger.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will auf den Trend reagieren. Dort denkt man schon länger darüber nach, einen digitalen Euro als Zahlungsmittel einzuführen. Aber warum wird das als sinnvoll erachtet? Was kann der „E-Euro“? Und wie denken die Deutschen darüber?

Dabei handelt es sich um ein elektronisches Zahlungsmittel, das im gesamten Euroraum genutzt werden könnte und genau wie eine Banknote oder Münze funktioniert – nur eben digital. Bürger könnten damit wie gewohnt mit Karte oder per App bezahlen.

Für Laien ist es nicht einfach zu verstehen, warum genau die EZB diesen Schritt erwägt. Grundsätzlich kann das Projekt als Antwort auf den wachsenden Anteil von Zahlungen im digitalen Raum gesehen werden. Dass immer mehr Menschen mit Giro-, Debit- und Kreditkarten bezahlen, stellt für die Zentralbank eine Herausforderung dar. Die großen Anbieter von elektronischen Zahlungssystemen wie Mastercard, Visa und Apple Pay haben allesamt ihre Zentralen außerhalb der EU. Auch durch den steilen Aufstieg von Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether gehen zunehmend Transaktionen am System der Zentralbank vorbei.

Bislang gibt es Zentralbankgeld der EZB nur in Form von Bargeld. Mit einem digitalen Euro bliebe Zentralbankgeld auch im elektronischen Zahlungsverkehr präsent. „Ein digitaler Euro soll aus Sicht des Eurosystems die Rolle von Zentralbankgeld als Anker des Geldsystems in einer zunehmend digitalen Welt langfristig sichern, die europäische Souveränität stärken und ein Motor für Innovationen sein“, so die Argumentation der EZB. Und im Gegensatz zu Bitcoin und Co. stünde ein digitaler Euro unter Aufsicht einer Zentralbank, die die Stabilität der Währung sichert.

Nein. Zwar hätten Verbraucher direkt ein Konto bei der EZB. Doch die Währungshüter planen, den Betrag für jeden Bürger zu deckeln, um einen „Bank Run“ zu vermeiden, der Geldhäuser in eine finanzielle Schieflage bringen könnten. Infolge hat die EZB eine Summe von 3000 Euro je Kunde ins Spiel gebracht. Zudem soll der Zugriff auf den digitalen Euro weiterhin über die Bank stattfinden. Das Gehaltskonto wird also nicht überflüssig.

Bevor der digitale Euro als elektronisches Zahlungsmittel eingeführt werden kann, müssen mehrere Instanzen grünes Licht für das Projekt geben: der EZB-Rat, die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament. Nach Angaben der EZB könnte der digitale Euro in drei oder vier Jahren an den Start gehen. Noch ist allerdings nichts entschieden, seit Oktober 2021 läuft die Untersuchungsphase, etwa zur technischen Ausgestaltung und Datenschutz.

Bedenken werden vor allem im Hinblick auf die Privatsphäre geäußert. Aus Sicht von Verbraucherschützern muss die Anonymität im Zahlungsverkehr gewährleistet werden.

Derweil geht Peter Seppelfricke von der Hochschule Osnabrück davon aus, dass sich der digitale Euro gar nicht durchsetzten wird. Ein Grund: die fehlende Attraktivität. „Der digitale Euro wäre auf Zahlungen im Euroraum und in Euro begrenzt“, schreibt der Ökonom im Wirtschaftsmagazin „Capital“. Zahlungsanbieter wie Visa oder Mastercard böten eine Fülle an Zusatzleistungen wie Versicherungen oder etwa kostenlose Rücksendungen im Onlinehandel an, „damit kann ein EZB-Konto nicht konkurrieren“.

Notenbanken rund um den Globus prüfen mittlerweile die Einführung digitaler Versionen ihrer Währungen. Vor zwei Jahren hat Schweden die E-Krone in den Umlauf gebracht. Ein Jahr später folgte die People‘s Bank of China mit dem digitalen Yuan.

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland sieht einen digitalen Euro skeptisch. Das geht aus einer Umfrage des Bundesverbandes deutscher Banken hervor. Demnach stimmten drei Viertel der Befragten (76 Prozent) der Aussage „sehr“ beziehungsweise „eher“ zu, dass eine Einführung nicht notwendig sei, weil die vorhandenen Zahlungsmöglichkeiten vollkommen ausreichten.

Allerdings: Weniger als ein Drittel (29 Prozent) der Befragten hat überhaupt eine Vorstellung davon, wie eine digitale Variante der europäischen Gemeinschaftswährung ausgestaltet sein könnte und wozu ein digitaler Euro genutzt werden könnte.

Bargeld-Liebhaber können dennoch beruhigt sein: Scheine und Münzen werde es so lange geben, wie die Nachfrage danach bestehe, stellte EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta vor wenigen Tage klar.

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