Hamburg Ist er ein Elon Musk oder Dieter Bohlen? Frank Thelen über seine Mediendarstellung
Für die einen ist er der coole Start-up-Experte aus dem Fernsehen, für andere nur ein Abzocker von Kleinanlegern. Aber wer ist Frank Thelen wirklich? Wir haben mit dem 47-Jährigen über Finanzen gesprochen, Vorwürfe und die Frage: Wie wird man nicht erfolgreich?
Die meisten kennen ihn als Menschen aus dem Fernsehen, der gerne in Essen investiert: Frank Thelen war von 2014 bis 2020 in „Die Höhle der Löwen“ zu sehen – eine Fernsehsendung, bei der Gründer ihre Start-ups vorstellen und Geldanleger suchen. Thelen unterstützt(e) Marken wie Ankerkraut, YFood, Frittenlove, LittleLunch und Luicella´s Ice Cream.
Er beendet seine „Löwen“-Karriere mit der Begründung, in Zukunft wieder mehr in Technologie-Start-ups zu investieren. 2021 gründete Thelen „10xDNA Capital Partners“ – eine GmbH, die Aktienfonds auflegt, die sich an private und institutionelle Anleger wendet.
Auf der Online-Marketing-Messe „OMR“ in Hamburg hielt der deutsche Unternehmer einen Vortrag über Künstliche Intelligenz. Wir haben ihn vor Ort interviewt. Er bestand ausdrücklich auf das „Du“.
Mit diesem Video stellt sich Frank Thelen auf Youtube vor:
Frage: Frank, während Teile der Bevölkerung Dich als Elon Musk sehen, sehen Teile der Branche Dich eher als Dieter Bohlen. Wer bist Du?
Antwort: Frank Thelen: Erstmal bin ich der Frank, das ist enorm wichtig. Ich habe meinen eigenen Weg. Aber natürlich ist es einfacher, Menschen in Schubladen zu packen. Ich durfte beide – Elon und Dieter – persönlich treffen und habe vor der Lebensleistung beider großen Respekt. Dieter hat es über Dekaden immer wieder geschafft, sich neu zu erfinden, sich im Fernsehen zu platzieren und eine starke Marke aufzubauen. Ich mag ihn auch persönlich, ja. Aber ich bin nicht Dieter Bohlen. Ich bin dankbar für die Erfahrungen, die ich im Fernsehen sammeln durfte. Da habe ich super viel gelernt und mich mit tollen Menschen vernetzt – erst gestern habe ich ein paar meiner Ex-Löwen-Kollegen getroffen. Fernsehen, Medien – das finde ich interessant, aber das ist nicht mein Leben. Ich bin jedes Mal froh, wenn ich wieder an meinem Schreibtisch sitze. Wenn ich in unseren Laboren bin, an den Satelliten arbeite.
Frage: Dann bist Du eher der Elon Musk?
Antwort: Elon Musk ist für mich der bedeutendste Macher der menschlichen Geschichte. Ich weiß, das sind große Worte. Aber er stellt enorm wichtige Fragen: „Wie können wir die Energie erzeugen, wie können wir die Energie speichern, wie können wir Menschen und Dinge transportieren, wie können wir auf einem anderen Planeten leben?“. Er stellt diese Fragen aber nicht nur, er arbeitet auch an Antworten. Das ist beeindruckend. Bin ich mit allem, was Elon privat macht d´accord? Nein. Aber ich finde, dass die aktuelle Berichterstattung zu ihm zu einseitig ist und das, was er für die Menschheit umsetzt, nicht ausreichend wertgeschätzt wird. Ich würde mich niemals auf eine Stufe mit ihm stellen. Meine Mission ist es, in Europa herausragende Köpfe zu unterstützen, damit wir hier eigene Raketen, eigene Satelliten, Krebsmedikamente usw. haben. Das ist der Grund, wieso ich morgens aufstehe.
Frage: Vor kurzem hat eine Ex-Kandidatin von „Germany’s Next Topmodel“ kritisiert, dass sie in der Show nicht so gezeigt wurde, wie sie eigentlich ist. Der Vorwurf: Ihr wurden Antworten in den Mund gelegt, die Szenen so geschnitten, dass die Zuschauer sie als Zicke wahrnehmen. Wie ist das bei Dir – hast Du das Gefühl, in Medien und Fernsehen falsch dargestellt zu werden?
Antwort: Ich glaube, bei „Die Höhle der Löwen“ bin ich immer korrekt dargestellt worden. Bei einer Talkshow wie Markus Lanz ist sowieso alles ungeschnitten. Deswegen, nein. Im Fernsehen werde ich meist genauso gezeigt, wie ich bin. Es gibt aber natürlich immer wieder Clickbait-Headlines mit meinem Namen. Da werden Tatsachen bewusst falsch dargestellt, um Klicks zu generieren. Ich finde das zwar schade, aber so ist das Game.
Frage: In einem Interview über Dich mit „Panorama“ sagt der Investor Philipp Klöckner: „In der Branche weiß man, dass der Fakt, Kleinanleger in Start-ups reinzuholen, ein eher schlechtes Signal ist – weil das dafür spricht, dass sonst niemand anderes investieren wollte.“ Sind Kleinanleger die besseren Opfer?
Antwort: Ich glaube, das war auf Crowdfunding-Kampagnen bezogen. Ich bin überzeugt, dass die Deutschen insgesamt einfach mehr investieren sollten. Die haben zu wenig Aktien und deswegen verpassen sie Renditen, sie lassen ihr Geld auf dem Sparkonto liegen. Die Zeit hat gezeigt, dass es sich langfristig immer rentiert, ein breites Aktienportfolio zu haben.
Frage: Warum machen die Deutschen das nicht, haben die Angst?
Antwort: Ja, vielleicht schon. Deswegen müssen wir den Leuten das Thema Aktien näher bringen und erklären, warum das eine gute Idee ist. Wir gehen das Thema mit ruhiger, transparenter Kommunikation an und weisen immer auch auf die Risiken und einen langen Anlagehorizont hin.
Frank Thelen auf dem OMR-Festival:
Frage: Du hast auf der Bühne gesagt, Du müsstest nicht mehr arbeiten – warum machst Du es trotzdem?
Antwort: Weil es mich begeistert. Ich muss nicht mehr arbeiten, um Geld zu verdienen. Die Frage sollte eher lauten: Muss ich arbeiten, um glücklich zu sein? Ja, das schon. Weil ich einfach liebe, was ich mache. Für mich ist es jeden Tag eine Ehre, mit unseren Gründern arbeiten zu dürfen.
Frage: Hattest Du nie eine Summe im Kopf, bei der Du Dich zur Ruhe setzen würdest?
Antwort: Nein. Ich wusste auch nie, dass ich erfolgreich werden würde. Und ich habe nie gearbeitet, um mir privat etwas leisten zu können. Dementsprechend hatte ich nie eine Summe im Kopf, bei der ich aufhören würde – weder eine Million, noch eine Milliarde. Was mir aber in den vergangenen Jahren bewusst geworden ist: Ich brauche viel mehr Geld. Ich muss richtig viel verdienen.
Frage: Warum?
Antwort: Es gibt zu wenig Geld in Europa für die wichtigen Ideen. Wer löst das Problem von Umweltschutz? Wer kann Künstliche Intelligenz hier in Europa umfangreich finanzieren? Ganz wenige – und die machen es nicht. Über 95 Prozent meines Vermögens steckt in jungen Köpfen. Aber wir müssen diesen Köpfen auch mal 100 Millionen geben, sonst können wir keine Raketen und kein Krebsmedikament entwickeln. Warum haben wir es denn damals geschafft, auch in Deutschland, in einer Pandemie gewisse Lösungen zu bieten? Weil vorher ein SAP-Gründer und Bill Gates in die Impfforschung investiert haben. Heutzutage ist das wichtige Thema Fusionsenergie und KI. Wer traut sich, die 100 Millionen auf den Tisch zu legen? Wer?
Frage: Du?
Antwort: Ich leider nicht. Wir können vielleicht mal zehn Millionen investieren, das ist aber das Maximum. Auch im VC-Bereich (Anm. d. Red. : Venture Capital (VC) ist eine Beteiligungsfinanzierung und damit Risiko- oder Eigenkapital) müssen wir diversifizieren und können nicht alles auf eine Karte setzen.
Frage: Alle fragen immer, wie man erfolgreich wird. Gegenfrage: Wie wird man es nicht?
Antwort: Niemals kurzfristig taktisch handeln. Immer langfristig und ehrlich – und durchhalten. Schau Dir mal meinen Lebenslauf an, wie oft ich hingefallen bin. Genauso Tesla. Deswegen: Langfristig denken und handeln. Jungen Menschen möchte ich außerdem mitgeben: Lernt die Naturgesetze! Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Informatik. Es wird euer Leben verändern.